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Solingen
Hanaa S.: Polizei ermittelte verdeckt

Solingen. Verfahren um verschwundene Frau war gestern drei Stunden unterbrochen. Von Alexander Riedel

Kaum hatte der nächste Verhandlungstag im Mordprozess um die seit über einem Jahr spurlos verschwundene Irakerin Hanaa S. begonnen, waren die Beteiligten wieder zur Untätigkeit verdammt: Einer der Beschuldigten hatte sich offenbar eine Sportverletzung im Gesicht zugezogen und klagte am Freitagmorgen über erhebliche Schmerzen, die eine ärztliche Behandlung notwendig machten.

Aus einer Dreiviertelstunde Unterbrechung wurden prompt drei Stunden. Im Falle einer Verhandlungsunfähigkeit hätte das Verfahren sogar vorübergehend auf Eis gelegen. Dazu kam es jedoch letztlich nicht, so dass die Kammer am Mittag wieder in die Hauptverhandlung eintreten konnte.

In der gilt es nach wie vor, aus einer Vielzahl an Zeugenaussagen und Indizien ein klares Bild der Geschehnisse vom April 2015 zusammenzufügen: Damals war die 35-jährige Hanaa S. spurlos aus ihrer geheimen Wohnung an der Hasselstraße verschwunden. Kurz darauf hatten sich Weggefährten der Jesidin bei der Polizei gemeldet und erklärt, das Leben der Frau sei in Gefahr.

Nachdem sie ihren Ehemann verlassen hatte, soll Hanaa S. mehrfach von dessen Familie massiv bedroht worden sein. Sogar in ein Frauenhaus, in das sich die mehrfache Mutter zwischenzeitlich aus Angst vor Repressalien zurückgezogen hatte, sollen die Verwandten des Ehemannes gewaltsam eingedrungen sein, wie eine Mitarbeiterin aussagte. Eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs war offenbar die Folge.

Der Ehemann, drei seiner Geschwister und der Sohn von Hanaa S. müssen sich seit Ende Juni wegen Mordes vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten. Die Leiche der Frau wurde zwar nach wie vor nicht gefunden. Die mit dem Vermisstenfall betrauten Ermittler vermuten sie aber in einem Waldstück in Baden-Württemberg. Als mögliche Tatmotive gelten die Familienehre und das Hochzeitsgold im Wert von 20 000 Euro, das Hanaa S. laut Zeugenaussagen nicht herausgeben wollte.

Zur Aufklärung des möglichen Verbrechens griff die Kriminalpolizei auch auf einige verdeckte Ermittler zurück, deren Identität zu ihrem eigenen Schutz geheim bleiben soll. Die zuständige Behörde gab eine so genannte Sperrerklärung ab, die der Vorsitzende Richter Thomas Bittner gestern verlas. Das Mordverfahren wird fortgesetzt. Insgesamt sind Termine bis zum Mai 2017 vorgesehen.

Quelle: RP
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