| 00.00 Uhr

Solingen
"Hier hört keiner Zarah Leander"

Solingen: "Hier hört keiner Zarah Leander"
Das Motiv der Tapete mit großen Ornamenten und auffallenden Rottönen passt zum "House of Life" – hier Karin Götze (l.), die das Haus leitet, mit den Architekten Ernst Molnar und Marion Grosskemm. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Für junge Erwachsene ist an der Cronenberger Straße eine einzigartige Pflegeeinrichtung entstanden. Investiert wurden 2,1 Millionen Euro in den Neubau, der für den Tag der Architektur seine Türen fürs Publikum öffnet. Von Günter Tewes

An eine Studenten-WG erinnert der einladend große Esstisch. "Marokko" nennt sich das Motiv der Tapete mit großen Ornamenten und auffallenden Rottönen. Wer im Badezimmer in die freistehende Wanne steigt, erlebt eine coole Beleuchtung und kann seine Lieblings-CD abspielen. "Hier hört keiner Zarah Leander oder Freddy Quinn", sagt Karin Götze über das "House of Life". Das neue Haus, das das Leben individuell und vielfältig darstellen soll, befindet sich auf dem Gelände des Evangelischen Altencentrums Cronenberger Straße. Und es ist wegen seiner ausgefallenen Gestaltung mit vielen hübschen Details, die man wahrlich nicht unbedingt in einer Pflegeeinrichtung vermutet, für eine lohnenswerte Besichtigung beim Tag der Architektur ausgesucht worden.

2,1 Millionen Euro sind in den Neubau für 20 Bewohner, die in drei Wohngruppen leben, investiert worden. Bauherr sind die drei Alt-Solinger Kirchengemeinden.

"Wir haben versucht, den familiären Rahmen abzubilden", sagen Marion Grosskemm und Ernst Molnar vom ausführenden Architekturbüro.

Das Projekt ist einzigartig in der Pflegelandschaft. Es ist in ganz Deutschland erst die zweite stationäre Einrichtung für jüngere Pflegebedürftige weit vor dem Seniorenalter. Damit wird eine Lücke geschlossen. "Wir haben sogar schon eine Warteliste", sagt Karin Götze, Leiterin der Einrichtung Evangelisches Altencentrum, über den Bedarf. Menschen wie der 30-jährige Parkinson-Patient, wie der 43-Jährige, der einen Schlaganfall erlitten hat, und wie der 46-Jährige, der von der Treppe gestürzt ist, wären sonst auf ein klassisches Altenheim mit betagten Senioren angewiesen gewesen. Anfang 20 ist der Jüngste im "House of Life".

Jeder könne in diese Situation geraten – nach einem Motorrad-Unfall oder einem Abrutschen vom Dach beim Ausrichten der Satellitenschüssel, sagt Karin Götze. Das Architekten-Team um Marion Grosskemm und Ernst Molnar hat bei der Gestaltung des Pflegehauses für junge Erwachsene denn auch das Lebensumfeld der Bewohner berücksichtigt. Denn die haben Freunde und Bekannte, die noch mitten im Berufsleben sind, und sie interessieren sich für die in die Bundesliga aufgestiegenen Handballer des BHC.

Drei Etagen hat der Neubau mit klarer, schnörkelloser Architektur und Fenstern, die bis zum Fußboden reichen. Jede ist unterschiedlich gestaltet. Das Untergeschoss mit der Öffnung zum Garten macht die Beziehung zur Natur deutlich. Verspielt und ein bisschen Barock ist die mittlere Etage. Das Obergeschoss wirkt hingegen sehr modern. "Die drei Etagen bilden drei Lebenswelten ab", erklären die Architekten.

Ihr Gestaltungskonzept ist, so auch die gesellschaftliche Vielfalt mit dem Haus deutlich zu machen.

Interessenten können das "House of Life", Cronenberger Straße 38-42, am Sonntag, 30. Juni, zwischen 14 und 17 Uhr besichtigen; Führungen jeweils 14.15, 15.15 und 16.15 Uhr.

(RP/ac)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: "Hier hört keiner Zarah Leander"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.