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Solingen
Hilfe beim Einsparen von Energiekosten

Solingen. Zwei Energiesparhelfer, unterstützen seit Juni Menschen mit geringem Einkommen Von Maxine Herder

Andreas Taentzscher war viele Jahre arbeitslos: Wegen einer Erkrankung, sagt der 48-Jährige, habe er trotz einer Ausbildung zum Betriebsschlosser und einer Umschulung zum Bürokaufmann auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance mehr gehabt. Jetzt hat Taentzscher einen neuen Job: Als Energiesparhelfer im Projekt Stromspar-Check Plus unterstützt er Solinger Haushalte mit geringem Einkommen beim Einsparen von Energiekosten.

Anfang Juni ist das Projekt, das die Caritas in Kooperation mit der Stadt, dem kommunalen Jobcenter, den Solinger Stadtwerken, dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Solingen und dem Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln durchführt, an den Start gegangen. 15 Beratungen haben Andreas Taentzscher, sein Team-Partner Uwe Kaldewey und Anleiter Dieter Rietmann seitdem durchgeführt.

Melden sich Interessenten bei ihnen im Caritas-Zentrum an der Ahrstraße, wird bei einem ersten Termin zunächst der Haushalt und das Einsparpotenzial analysiert. Bei einem zweiten Termin werden dann Gratis-Energiespargeräte, von der Lampe bis zum Duschkopf, installiert - pro Haushalt bis zu einem Wert von 70 Euro. Eine Datenbank wertet aus, wie viel Geld, Kilowattstunden und CO2 der Haushalt einsparen kann. "Selbstverständlich beraten wir die Menschen auch. Es geht ja darum, eine Verhaltensänderung zu erzielen. Nach einem Jahr fragen wir nach, ob die Einsparungen geschafft wurden", erzählt Dieter Rietmann.

Die Idee, Energiesparhelfer zur Unterstützung zu beschäftigen, ist nicht neu: "Vor fünf Jahren hat die Stadt angefangen, erfolgreich Energiesparhelfer einzusetzen, weil wir festgestellt haben, dass viele Haushalte, die Sozialleistungen bekommen, mit dem Geld nicht auskommen", erläutert Jürgen Albermann, Leiter des Stadtdienstes Soziales. "Aus der Politik kam dann der Wunsch, dieses Projekt auch für andere Haushalte anzubieten, die knapp bei Kasse sind", so Albermann. Mehrere Jahre habe man nach einer Lösung gesucht. "Neu an der Fortsetzung ist vor allem, dass nun erstmals Langzeitarbeitslose eingesetzt werden."

Dafür werden die Energiesparhelfer - neben Andreas Taentzscher und Uwe Kaldewey beginnen im August zwei Frauen den Dienst - umfangreich geschult: 100 Stunden als Energiesparhelfer, 60 Stunden Kommunikationstraining. Im Anschluss hätten sie die Möglichkeit, sich als Serviceberater für Energie- und Wasserspartechnik von der IHK prüfen zu lassen. "Wir haben früh gesagt, dass wir dieses Projekt unterstützen möchten", sagt Dirk Wagner, Chef des kommunalen Jobcenters. "Wir versuchen immer, Perspektiven zu entwickeln, wie unsere Kunden wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Wir haben die große Hoffnung, dass sich diese Perspektiven hieraus ergeben."

Wie wichtig die Unterstützung durch die Energiesparhelfer ist, erfahren die Mitarbeiter der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks fast jeden Tag. "2011/12 wurden von den SWS fast 12 000 Sperraufträge erteilt, in 2000 Fällen ist es zur Sperrung gekommen. Aus unserer Sicht macht die Verbindung von Schuldnerberatung und dem Projekt einfach Sinn." Auch die Stadtwerke unterstützen das Projekt: "Für uns ist nicht nur die Ökologie, sondern auch die Energieeffizienz ein wichtiges Thema. Mit Energie besser umzugehen ist unser Ansinnen", so Stephan Neuens von den SWS.

"Jeder einzelne Partner mit seinem Know-how, seinem Profil und seinen Finanzen war notwendig, um dieses Projekt stemmen zu können", sagt Caritasdirektor Dr. Christoph Humburg. Vor allem die Finanzierung sei lange schwierig gewesen: "Wir konnten den Auftakt des Projektes schließlich mit Bundesfördermitteln finanzieren. Ganz aktuell haben wir erfahren, dass das Bundesumweltministerium großes Interesse hat, das Projekt für drei Jahre weiter zu fördern."

Quelle: RP
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