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Im Blickpunkt Bahn-Sperrung
Hinweis-Schilderwald an den Bahnhöfen

Im Blickpunkt Bahn-Sperrung: Hinweis-Schilderwald an den Bahnhöfen
Nicht zu übersehen: die Hinweise auf den Ersatzverkehr. FOTO: Radtke Guido
Solingen. Der erste Ansturm ist vorbei: Tausende Pendler mussten am Montagmorgen in Busse umsteigen, weil in den Sommerferien kein Zug durch Wuppertal fährt. Die Deutsche Bahn bewertet den Start der sechswöchigen Sperrung positiv. Von Sebastian Fuhrmann und Guido Radtke

Normalerweise findet Laura Wiora den Weg von ihrer Universität in Wuppertal bis nach Hause fast blind. Am Montagmorgen aber braucht sie erst einmal einige Minuten, um sich zu orientieren. "Ich bin gerade etwas aufgeschmissen, weil ich nicht weiß, wo die Busse in Richtung Köln abfahren", sagt die 23-Jährige. "Eigentlich dachte ich, die Busse würden alle von derselben Stelle abfahren." Knapp zwei Stunden habe sie mit dem Ersatzverkehr aus Köln-Deutz über Solingen nach Wuppertal gebraucht. Normalerweise dauere die Fahrt eine halbe Stunde.

Die 23-Jährige ist eine von Tausenden Pendlern im Bergischen Land, die in den kommenden sechs Wochen Bus fahren müssen statt mit der Bahn zu reisen. Seit Sonntagabend, 22 Uhr, ist die Bahn-Strecke durch Wuppertal dicht. Grund für die Sperrung sind die Abschlussarbeiten an einem neuen elektronischen Stellwerk in Wuppertal-Vohwinkel. Dieses soll einmal dafür sorgen, dass es auf der Strecke weniger Verzögerungen gibt.

Nachdem es während der ersten Sperrung in den Osterferien hier und da Probleme gegeben habe, sei der Start dieses Mal geglückt, findet Bahnsprecherin Kirsten Verbeek. "Die meisten Busse - insbesondere auf der Hauptstrecke nach Düsseldorf über die A 46 - waren pünktlich. Es gab zwar Ausreißer, deren Verspätung hielt sich aber im Rahmen", sagt die Sprecherin am Rande eines Pressegesprächs am Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen, zu dem die Bahn geladen hat.

Noch aber läuft es an den Haltestellen nicht reibungslos. Wer in Wuppertal-Oberbarmen von den Gleisen zu den Haltestellen des Ersatzverkehrs auf der Rückseite des Bahnhofs will, findet dank der Hinweise zwar den Weg, muss aber durch einen Tunnel, den einige Rabauken offenbar als Toilette missbrauchen. Es stinkt nach Urin, und auf dem Boden stehen Regenpfützen. Frauen, die in Sandalen unterwegs sind, gehen wie auf heißem Sand durch die Nässe.

Am Hauptbahnhof in Wuppertal irren am Montagmorgen einige Pendler orientierungslos über die Straße. Denn die Ersatz-Haltestellen der Busse in Richtung Düsseldorf und Solingen sind noch einmal ein paar hundert Meter weiter vom Bahnhof verlegt worden als in den Osterferien. Die Busse halten am Parkplatz vor der Schwimmoper, der zu Fuß rund zehn Minuten vom Bahnhof entfernt ist. Nass werden Pendler dort nicht. Die Bahn hat Wartehäuschen aufgestellt.

Was am Hauptbahnhof in Wuppertal noch nicht so gut zu klappen scheint, funktioniert in Solingen besser. Pendler, die den Weg zum Schienenersatzverkehr suchen, müssen nur lila Aufklebern auf dem Boden oder den zahlreichen Hinweisplakaten an den Wänden folgen. Eine Service-Mitarbeiterin der Deutschen Bahn in der Eingangshalle fühlt sich unterbeschäftigt. "An unseren Baustellen haben Sie ganz schön zu knabbern", steht auf Tüten mit Studentenfutter, die verschenkt werden. "Das kleine Geschenk als Proviant wurde gerne genommen, die kleinen Infobroschüren hingegen benötigt kaum jemand." Läuft es irgendwo nicht rund, können die sogenannten Reisenden-Lenker meistens helfen.

Insbesondere in den Stoßzeiten steht an den Umsteigebahnhöfen Service-Personal parat. Es gibt Servicemitarbeiter, die Schaffner-Uniformen tragen. Außerdem pro Haltestelle rund ein Dutzend der Reisenden-Lenker mit den roten Jacken und Taschen.

Bahn-Bedienstete werden die Umsteigebahnhöfe in den kommenden beiden Wochen genau beobachten. "Wir schauen, ob die Kapazitäten und Abfahrtszeiten ausreichen und stehen dafür auch mit den einzelnen Bahnunternehmen in Kontakt", sagt Uwe Sonnenschein, der den Bus-Ersatzverkehr koordiniert hat. "Es ist der größte Ersatzverkehr, den wir bislang organisiert haben", sagt er und wirbt um Verständnis. 230 Busfahrer sind in den Sommerferien im Einsatz. "Sie kommen aus ganz Nordrhein-Westfalen", sagt Sonnenschein. Jeder von ihnen habe die Strecke, die ihr jeweiliger Ersatzbus zurücklegt, vor der Maßnahme mehrfach abfahren müssen. "Um sicherzustellen, dass sie auch den Weg kennen."

Die ersten Direktfahrten von Solingen nach Oberbarmen über die Grenzstraße, die Anschlussstelle Haan-West und die A 46 beziehungsweise zum Wuppertaler Hauptbahnhof am Zoo vorbei über die B7 (und wieder zurück) sind am Montagmorgen ohne große Komplikationen verlaufen. "Es war recht voll, aber wir konnten den Fahrplan einhalten", berichtet einer der Busfahrer.

Eine staufreie Alternative zu den Direktbussen zwischen Oberbarmen und Solingen ist die S-Bahn S 7. Deutlich mehr Fahrgäste als sonst nutzten gestern den "Müngstener" über Remscheid. Einzelne Bahnen, die in Solingen mit kurzen Umstiegszeiten den Anschluss von / nach Köln bieten, fahren mit zwei Zugteilen. Neben dem Schienenersatzverkehr sind die vielen Schilder an den Bahnhöfen eine andere Baustelle. Die Bahn habe in der Vergangenheit oft damit zu kämpfen gehabt, dass einige abgerissen, übermalt oder anders beschädigt wurden. Immer wieder müssten Mitarbeiter kontrollieren, ob die Beschilderung noch intakt sei, berichtet ein Service-Mitarbeiter der Bahn, der am Morgen Buch führt über das, was gut läuft - und was noch nicht.

Quelle: RP
 
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