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Solingen
Hobby-Forscher findet Wrack vor Grönland

Solingen. Es ist wohl das große Abenteuer seines Lebens: Mitte August ist der Hobby-Archäologe Erich Habich-Traut nach Grönland gereist, um ein altes Schiffswrack zu finden. Monate zuvor hatte er das vermeintliche Schiff mit Hilfe von Luftaufnahmen über die Internetseite "Google Earth" auf dem heimischen Computer ausgemacht - als einen kleinen Punkt im kalten Wasser vor der Küste Grönlands. Von Stefan Prinz

Der 54-Jährige deutete die Formation zunächst als ein 1000 Jahre altes Wikingerschiff. Während der Vorbereitung der Expedition stellte sich allerdings heraus, dass es sich stattdessen wohl eher um einen gesunkenen Dampfer aus dem 19. Jahrhundert handeln könnte. Erich Habich-Traut wollte es dennoch genau wissen und fuhr gen Norden.

Jetzt stellt sich heraus: Der Solinger hat vor der Küste Grönlands das schottische Dampf-Walfangschiff "Wildfire" gefunden. "Der ursprüngliche Plan, das Wrack mit einer Unterwasserkamera an einem langen Stab zu erkunden war nicht praktikabel", sagt der Forscher über sein Vorhaben. Denn eine teure Profi-Ausrüstung stand ihm nicht zur Verfügung. Habich-Traut musste die Forschungsreise privat bezahlen.

Seine Vorbereitung war dennoch intensiv. Er absolvierte eigens Tauchtraining, um sich das Schiff im seichten Gewässer ganz aus der Nähe ansehen zu können. "Das Tauchtraining erwies sich hilfreich, als ich mit dem Trockentauchanzug in das zwei Grad warme Wasser stieg." Er verbrachte eine halbe Stunde im Wasser in zwei bis drei Metern. Dort konnte er das Wrack gut fotografieren.

Die rund 400 Fotos will der Solinger nun an seinem Computer zu einem Mosaik so zusammenfügen, dass es ein genaues Bild des gesamten Wracks ergibt. "Das Wrack ist nun ohne Zweifel das des schottischen Dampf-Walfangschiffes Wildfire, gebaut 1853, gekentert am 18. Juli 1868. Der Schornstein des Dampfschiffs ist einwandfrei zu erkennen", sagt der Solinger triumphierend. Die Reise war für ihn somit ein voller Erfolg - selbst, wenn sich das erhoffte Wikingerschiff tatsächlich als 150 Jahre altes Dampf-Schiff entpuppte.

Spuren von Wikingern fand Erich Habich-Traut dennoch - allerdings an der Küste ganz in der Nähe. Davon ist der Hobby-Forscher fest überzeugt: "Es gibt einen weiteren Hinweis auf die Präsenz von Wikingern vor Ort." Es handele sich um ein Langhaus in rund elf Kilometer Entfernung vom Fundort des Schiffes. Die Fläche sei archäologisch bisher allerdings noch nicht untersucht worden.

"Wir werden mit einem Boot der Arctic Station zum Langhaus fahren, um es zu fotografieren", berichtet der Solinger von seinem Tatendrang. Ob er tatsächlich auch die Überreste eines Wikinger-Hauses gefunden hat, ist noch nicht ganz sicher. Wäre es eine Siedlung der Eskimos, dann könnte dieses Langhaus 400 bis 500 Jahre alt sein. Es ist bislang noch unbekannt, ob die Wikinger vor rund 1000 Jahren auf dieser Insel siedelten.

Quelle: RP
 
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