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Solingen
Hohe Bundesförderung für das Zentrum für verfolgte Künste

Solingen: Hohe Bundesförderung für das Zentrum für verfolgte Künste
Bereits im Besitz des Zentrums: Oscar Zügels "Ikarus". FOTO: Zentrum
Solingen. "Diese Bundeszusage ist ein wunderbarer Baustein für diese international einmalige Einrichtung in Solingen", freute sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach über die Förderungszusage aus Berlin.

Aus Mitteln des Bundeshaushaltes erhält das Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum eine Förderung in Höhe von einer Million Euro. Diese Summe möchte Museumsdirektor Dr. Rolf Jessewitsch einsetzen, um einzigartige Bestandteile zweier bedeutender Kunstsammlungen für das Zentrum in Solingen zu sichern:

einerseits Gemälde und Dokumente des Oscar Zügel Archivs Balingen und andererseits Gemälde und Grafiken der Sammlung Gerhard Schneider.

Die jetzt genehmigte Förderung wurde durch Jessewitsch initiiert. Im Haushaltsauschuss des Bundes wurde der Antrag von den beiden Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws und Anja Heyduck (beide Bündnis 90/Die Grünen) - in Absprache mit den Koalitionären von SPD und CDU - durchgesetzt.

"Die Entscheidung des Bundes, das Zentrum für verfolgte Künste mit einer solchen Summe zu unterstützen, ist eine hohe Anerkennung und freut uns Grüne sehr", erklärte Martina Zsack-Möllmann, Mitglied im Solinger Stadtrat. Sie hatte die Verhandlungen zur Realisierung des Zentrums auf kommunaler Ebene und beim Landschaftsverband Rheinland aktiv begleitet.

Für Oscar Zügel (1892-1968) war die Abstraktion in der Kunst nicht das Ende, sondern der Anfang und das Fundament für alle weiteren Ausdrucksformen: "Abstrakte Kunst hat den Sinn, das über Jahrhunderte verwässerte und verloren gegangene Gefühl für das Maß, den Lebenden wieder nahe zu bringen." Am 5. März 1933 wurde im Essener Folkwang-Museum die Ausstellung "Zeichen und Bilder", in der auch Zügel vertreten war, geschlossen - nach dem Vorwurf, hier würde degenerierte Kunst gezeigt. 1934 wurden alle Gemälde aus dem Atelier Zügels in Stuttgart beschlagnahmt. Sie sollten auf dem Hof der Stuttgarter Staatsgalerie verbrannt werden. Nach der Drohung, ihm würde das gleiche Schicksal wie einem ermordeten jüdischen Freund widerfahren, emigrierte Zügel 1934 ins spanische Tossa de Mar. Befreundet war der Maler mit Willi Baumeister, Josef Albers, Fernand Leger, Georges Braque, Marc Chagall und Pablo Picasso.

Bereits im Besitz des Zentrums für verfolgte Künste ist Zügels Gemälde "Ikarus". 1936 im spanischen Exil des Künstlers entstanden, thematisiert dieses zentrales Werk bereits weit vor dem Zweiten Weltkrieg den Untergang des Nationalsozialismus. Das Gemälde war die erste Schenkung an das Solinger Museum durch das Oscar Zügel Archiv in Balingen.

Die Sammlung Schneider wurde in den vergangenen Jahren im In- und Ausland gezeigt und ein Teil der Sammlung wurde durch eine Bürgerstiftung für das Solinger Museum angekauft.

(mit)
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