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Solingen
Holzhaus an Jasperstraße für 21 Flüchtlingsfamilien

Solingen. In die Aula des Schulzentrums Vogelsang kamen rund 160 Personen zur Bürgerinformationsversammlung. Von Wolfgang Günther

Etwa 160 Walder Bürger waren am Donnerstagabend auf Einladung der Stadt in die Aula des Schulzentrums Vogelsang gekommen. Thema war der Bau des zweistöckigen Holzhauses an der Jasperstraße, in dem ab Juni 21 Flüchtlingsfamilien eine vorläufige neue Heimat finden sollen. Stadtsprecher Lutz Peters zeigte in seiner Präsentation diese Häuser, die eine Lebensdauer von gut 20 Jahren haben, und nach einer Entschärfung der Flüchtlingssituation später auch anderen Zwecken zugeführt werden können.

Julitta Münch stellte in einer ausufernden Vorstellungsrunde die verantwortlichen Mitarbeiter der Stadt Solingen und einige der vielen ehrenamtlichen Helfer vor, die Flüchtlinge in den bisherigen Notunterkünften betreuen. Spontane Zwischenrufe machten aber schnell deutlich, wie stark das Informationsbedürfnis der Besucher war.

Stark beklagt wurde die mangelnde Information zur Bürgerinformationsveranstaltung. "Die Handzettel wurden nicht in allen Häusern verteilt, sonst säßen hier noch mehr Menschen", hieß es. Flüchtlingskoordinator Dirk Wagner erklärte das mit dem kurzen Vorlauf zu diesem Abend, und brachte die Flüchtlingssituation in Solingen auf den Punkt. "Aktuell haben wir 1725 Flüchtlinge in unserer Stadt, sie leben auf engstem Raum in Turnhallen, Gemeindesälen und im ehemaligen Schwimmbad an der Sauerbreystraße. Diese Situation ist auf Dauer unhaltbar." Geschätzt wird, dass in jedem Monat 200 neue Flüchtlinge nach Solingen kommen werden. Durch die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht sind auch die Menschen in Solingen verunsichert, ja zum Teil ängstlich geworden. "Ich habe einfach Angst um meine Tochter, wenn viele arabische Männer alleine nach Solingen kommen. Wer schützt uns vor Übergriffen", war der Tenor vieler Wortmeldungen.

Dezernent Jan Wenzel versuchte, den Emotionen mit sachlichen Auskünften entgegenzuwirken. "Wir suchen auch nach privatem Wohnraum für die Flüchtlinge, dürfen dabei aber nicht den Bedarf unserer einheimischen Bevölkerung aus den Augen verlieren."

Stephan Trunk, Leiter des Stadtdienstes Ordnung, berichtete von einem Sicherheitskonzept, dass mit Ordnungsamt und Polizei entwickelt wird. In Frage gestellt wurde auch der Standort der beiden geplanten Holzhäuser, denn einige Eigenheimbesitzer werden in Zukunft nahe an diesen Unterkünften wohnen. "Warum nicht in Widdert oder am Pfaffenberg?", wurde gerufen.

"Wir haben zwölf Standorte in Erwägung gezogen, aber wir leben eben in einer Demokratie, und ihre Vertreter im Stadtrat haben im Dezember beschlossen, dass sowohl an der Jasperstraße und an der Zietenstraße die ersten beiden Holzhäuser gebaut werden", erklärte Jan Welzel. Einige der ehrenamtlichen Betreuer erzählten von ihren positiven Begegnungen mit Flüchtlingen. Bisher hat es in Solingen auch keine negativen Vorfälle außerhalb der Unterkünfte gegeben. "Die Situation ist da, und wir müssen die Herausforderung annehmen. Nicht jeder Flüchtling wird bleiben, aber die eine oder andere Familie wird auch zu Neubürgern werden. Ich bin sicher, dass unsere Stadt davon profitieren wird", ergänzte Welzel.

Auch Birgit Weise, Leiterin der Grundschule Westersburg, freut sich auf neue Schüler: "Unsere Schule ist vorbereitet, wir schaffen das", zitierte sie Bundeskanzlerin Merkel. Es war aber auch nach zwei Stunden zu spüren, dass sich nicht jeder Besucher im Schulzentrum vom positiven Ausblick der Verantwortlichen überzeugen ließ.

Quelle: RP
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