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Matthias Tenthoff
"Ich habe nur einmal Rentnerband gesagt"

Matthias Tenthoff: "Ich habe nur einmal Rentnerband gesagt"
Matthias Tenthoff (l.) probt mit seiner Gruppe donnerstags von 18 bis 19.30 Uhr in der Musikschule. FOTO: Martin Kempner
Solingen. "When I'm 64": Am kommenden Sonntag heißt es bei der Messe Aktivia wieder "Never too old for Rock 'n' Roll".

64-Jährige, haben die Beatles vor 50 Jahren gesungen, graben den Garten um oder sitzen am Ofen und stricken Pullover. Haben Ihre Bandmitglieder da etwas falsch verstanden?

Tenthoff Sicher nicht. Da schwang 1967 bestimmt auch Ironie mit. Paul McCartney steht noch mit 75 Jahren auf der Bühne, Mick Jagger mit 74. Als die Musikschule im Februar 2016 ihr Projekt "Rock.60." startete, war die Reaktion überwältigend. Von den damals 35 Interessenten sind zwar nicht alle dabei geblieben, aber wir haben immerhin drei Bands mit einer "Altersbeschränkung nach unten".

Sie sind selbst Jazz-Schlagzeuger. Welche Profis stehen hinter den anderen beiden Gruppen?

Tenthoff Jörg Lehnardt und Ralf Mutz. Gitarrist Lehnardt ist Fachbereichsleiter Popinstrumente der Musikschule und hat mit zehn Mitgliedern die größte Band. Ralf Mutz spielt Gitarre sowie Bass und singt. Viele kennen ihn von den Bands Phonebone und Purple Sex Heads. Er betreut wie ich sechs Musiker.

Haben sich die Gruppen nach persönlicher Sympathie oder nach den Instrumenten ihrer "Bandleader" zusammengefunden?

Tenthoff Eher nach den Zeiten, zu denen geprobt wird: bei Ralf Mutz montags von 18 Uhr bis 19.30 Uhr, bei Jörg Lehnardt dienstags von 10.45 Uhr bis 12.15 Uhr und bei mir donnerstags von 18 Uhr bis 19.30 Uhr.

Das Repertoire der drei Gruppen unterscheidet sich aber?

Tenthoff In einer Gruppe gibt es vielleicht mehr Hard Rock, in einer anderen Art Rock. In meiner Gruppe probieren wir viel aus, schauen was uns liegt und versuchen, einen Konsens zu finden. Ich halte es für langweilig, ein Stück so zu spielen wie im Original. Dann kann man auch eine Schallplatte hören. In der von mir betreuten Gruppe gibt es beispielsweise eine Flötistin. Für sie baue ich kleine Melodielinien um, die dann mit der Flöte machbar sind. Eines der ersten Stücke, das ich arrangiert habe, war "In my Life" von den Beatles. Das passte auch textlich gut, aber da muss man stark dran knabbern. Die Beatles waren die besseren Handwerker als die Rolling Stones.

Heißt das, dass jede Menge Vorkenntnisse gefragt sind, wenn man mitspielen will?

Tenthoff Wir sind immer offen für Neu- und Quereinsteiger. Meine Band besteht in ihrer jetzigen Besetzung seit einem Dreivierteljahr. Wer mitmachen möchte, muss nicht schon zu Jugendzeiten in einer Band gespielt haben. Es gibt Anfänger, die sich erst mit 60 für ein Instrument entscheiden oder beispielsweise von der E-Gitarre zum E-Bass wechseln. Anfänger und andere, die intensiv üben wollen, können neben dem normalen Bandunterricht beispielsweise noch eine Zehnerkarte für Einzelunterricht buchen. Die Einsteiger und Wiedereinsteiger profitieren natürlich von denen, die bereits Banderfahrung haben.

Und welche Instrumente sollten die Neuen mitbringen?

Tenthoff Persönlich hätte ich gerne mehr Bläser, damit es etwas souliger wird. Bei unserem Jazz-Workshop hatten wir sogar ein Alphorn. Eine Sitar fände ich super, und das elektronische Musikinstrument Theremin hat man noch nie in einem Band-Konzert gehört. Bei uns sind alle Instrumente willkommen.

Gibt es für die drei Bands keine anderen Namen als "Rock.60."?

Tenthoff Die gibt es nicht. Ich habe einmal unvorsichtigerweise Rentnerband gesagt. Aber tatsächlich sind noch viele Bandmitglieder aktiv im Berufsleben. Und wenn jemand kommt, der erst Mitte 50 ist, dann geht das auch in Ordnung. In meiner Gruppe wurde das älteste Mitglied 1948 geboren.

Was ist mit Roadies und Groupies?

Tenthoff Roadies kennen wir nicht: Den schweren Verstärker trägt der Jüngste. Und statt Groupies haben wir eher Fans: Die Generation der Band.60.-Mitglieder hat schon jede Menge Enkel. Der Zusammenhalt ist so gut, dass man sich auch außerhalb der Musikschule trifft, etwa zum Grillen.

Die Fans wünschen sich bestimmt mehr Auftritte. Machen sich die drei Gruppen eher rar?

Tenthoff Den ersten öffentlichen Auftritt aller Bandmitglieder zusammen gab es beim Festkonzert zum 70-jährigen Bestehen der Musikschule im September 2016. Da waren wir die lauteste Gruppe. Was sehr gut gefallen hat, war unser Auftritt bei der sechsten Kultur-Nacht in diesem Jahr, als alle drei Gruppen in der Stadtbibliothek gespielt haben. Jetzt folgt das Gastspiel bei der Messe Aktivia. Grundsätzlich tasten wir uns langsam über die kleineren Veranstaltungen an größere heran. Wir kommen auch zur Geburtstagsfeier ins Wohnzimmer.

Was ist mit musikbegeisterten Best Agern, die eher Beethoven als "Roll over Beethoven" mögen? Welches Angebot macht ihnen die Musikschule?

Tenthoff Da gibt es beispielsweise das Ensemble Saitenholz von Harfenist Tom Daun. Es probt alle drei Wochen, das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei rund 60 Jahren.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE FRED LOTHAR MELCHIOR

Quelle: RP
 
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