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Solingen
"Ich male wie ein Komponist, der nach Noten sucht"

Solingen. Unter dem Titel "Ansichtssachen" stellt Helmut Büchter in der Galerie SK ab morgen Malerei und Skulpturen aus.

Vor einigen Jahren hat der Mettmanner Helmut Büchter zurück zur Malerei gefunden - und dies hatte einen einfachen Grund. Im alten Atelier des Bildhauers herrschte nämlich Platzmangel. Schwere abstrakte Skulpturen aus Stahlschrott hatte Büchter geschaffen. "Diese Arbeiten waren bis zu drei Meter hoch und 300 Kilogramm schwer", erzählt der Künstler. Nach ersten Arbeiten aus Holz und Bronze als Ergebnisse seiner Auseinandersetzung mit den Skulpturen Ernst Barlachs in den 80er Jahren hatte Büchter "eine neue Herausforderung" gesucht - und sich in Folge dessen von den "leicht zu bearbeitenden Materialien" abgewandt. Mittlerweile ist das alte Atelier aufgelöst, arbeitet der Künstler in Düsseldorf-Unterbach. Und die Großskulpturen? "Die stehen jetzt in einem Park rund um den ehemaligen Bahnhof Neanderthal, den ein Sammler gekauft hat."

Einige seiner frühen Skulpturen zeigt Büchter auch in seiner Ausstellung "Ansichtssachen" in der Galerie SK in den Güterhallen, die morgen um 15 Uhr eröffnet wird. Doch die plastischen Werke sind nur Beigaben, denn der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf der Malerei. Und die ist alles andere als leicht konsumierbar. Doch die eine oder andere Erhöhung der Pulsschlagzahl bei Besuchern ist dem Künstler nur Recht. Denn Büchter versteht sich als ein "sensibler, kritischer und politischer Künstler". Und: "Ich will auch ein wenig provozieren".

Mit seiner Malerei möchte er die Konflikte und Beziehungen der Gegenwart darstellen. In Form malerischer Collagen, deren vielfältigen Elemente auf Fotografien beruhen und deren Zusammenwirken die Bildaussage offen halten. "Deshalb erzähle ich auch nicht gerne über meine Bilder. Ich will es den Betrachtern nicht zu einfach machen", erklärt Büchter. Die Elemente seiner Darstellung von Gegenwart wiederholen sich jedoch in den Werken. "Ob Freude, Sexualität, Gewalt, Leid und Tod, alle Facetten des menschlichen Zusammenlebens finden sich in meinen Bildern." Und immer wieder taucht ein Affe in den Collagen voller verschobener Perspektiven und Größenverhältnissen auf. "Ich mag Affen und ganz besonders ihr Sozialverhalten", betont der Mettmanner. "Ich mag eben die einfachen Sachen nicht. Ich mag die kaputten Typen - und ich mag Affen."

Grundlage aller Bilder sind Fotografien. "Ich habe einen riesigen Fundus, aus dem ich mich bediene", erzählt Büchter. "Ich komponiere in einem langen Prozess Bilder wie ein Komponist, der nach Noten sucht." Durch das Zusammenbringen verschiedenster Bildelemente löst der Maler den ursprünglichen Kontext der Vorlagen auf und lässt auf der Leinwand einen neuen Zusammenhang entstehen.

Ausstellung "Ansichtssachen" von Helmut Büchter. Bis 12. Juli in der Galerie SK, Alexander-Coppel-Str. 44.

(mit)
 
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