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Solingen
"IG Metall hat den Bogen überspannt"

Solingen: "IG Metall hat den Bogen überspannt"
Horst Gabriel ist Vorsitzender des Solinger Arbeitgeberverbandes und Vize-Präsident des Metallverbandes NRW. Er gehört auch dem Vorstandsrat an und nimmt an den Tarifverhandlungen mit der IG Metall teil. FOTO: Martin Kempner (Archiv)
Solingen. Morgen starten die Tarifverhandlungen für die NRW-Metall- und Elektroindustrie im Dortmunder Westfalen-Stadion. Mit am Tisch sitzt der Solinger Unternehmer Horst Gabriel. Er hält die Forderungen der Gewerkschaft für überzogen. Von Uwe Vetter

Freude hat die Forderung der IG Metall bei Horst Gabriel nicht ausgelöst. "Diesmal hat die Gewerkschaft den Bogen überspannt", sagt der Unternehmer und Geschäftsführende Gesellschafter der Ernst Ludwig Emde GmbH & Co. KG. Denn gleich sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigen der Metallindustrie und der befristete Anspruch auf eine Arbeitszeitreduzierung auf 28 Stunden pro Woche mit Entgeltzuschüssen für die unteren Lohngruppen inklusive einem Rückkehrrecht zur 35-Stunden-Woche hält der Vize-Präsident des Metallverbandes NRW und gleichzeitig auch Vorsitzende des Solinger Arbeitgeberverbandes für "deutlich überzogen und unverantwortlich".

In seiner Funktion als Mitglied des Vorstandsrates nimmt Gabriel an den jetzt beginnenden Verhandlungen für einen neuen Metall-Tarifvertrag in NRW teil. Am morgigen Donnerstag findet das erste Treffen der Tarifparteien im Dortmunder Westfalen-Stadion statt. "Jede Seite wird hier zunächst die wirtschaftlichen Daten vortragen, die in der Analyse gleichwohl unterschiedlich ausfallen wird", sagt der Solinger Unternehmer.

Er ist gesprächsbereit. "Wir können über alles reden", sagt Horst Gabriel mit Blick auf Flexibilität bei der Arbeitszeit oder beispielsweise die Digitalisierung. "Aber die 28-Stunden-Woche in Zeiten fordern, wo Facharbeiter ohnehin gesucht werden, das ist einfach eine Nummer zu hoch", sagt der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes.

Er hat absolut kein Verständnis dafür, dass die IG Metall die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit der Arbeitsplätze derart gefährdet. Das Tarifniveau in der deutschen Metall- und Elektroindustrie habe sich laut Gabriel seit 2006 um fast ein Drittel erhöht. Beschäftigte der Metallindustrie in NRW verdienen durchschnittlich rund 55.000 Euro im Jahr. "Allein die Tariferhöhungen der vergangenen fünf Jahre summieren sich auf fast 20 Prozent", sagt der Unternehmer. Selbst in der untersten Entgeltgruppe liege der Stundenlohn inzwischen bei 15,37 Euro. Das sei annähernd doppelt so hoch wie der aktuelle Mindestlohn. Für Gabriel ist deshalb klar: Die Forderungen der Industriegewerkschaft Metall sind gleichermaßen "unvernünftig wie realitätsfern".

Zumal der Vize-Präsident von Metall NRW auch zu bedenken gibt, dass die Automobilindustrie vor einem großen Umschwung hin zum Elektro-Auto steht. Hier müsse investiert werden, das alles koste sehr viel Geld. "Die können sich hohe Gehaltsforderungen gar nicht leisten", so Horst Gabriel, der aber auch an die gerade in Solingen und im Bergischen vielfach ansässigen Automobilzulieferer denkt. "Die müssen ebenfalls investieren, beispielsweise in neue Werkzeuge", sagt der Unternehmer und ergänzt: "Wir müssen unsere Zukunft sichern und nicht zu teuer werden."

Der derzeit gültige Tarifvertrag hat noch eine Laufzeit bis zum Jahresende. "Bis dahin gilt auch die Friedenspflicht", betont Marko Röhrig. Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Remscheid-Solingen hält sechs Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten und Auszubildenden angesichts der guten wirtschaftlichen Lage, die überdies 2018 weiter anhalten soll, für angemessen. "Wir fordern auch nicht, wie von Arbeitgebern kolportiert, die 28-Stunden bei vollem Lohnausgleich. Vielmehr fordern wir hier eine Verbesserung des bestehenden Teilzeit- und Befristungsgesetzes mit der Möglichkeit für die Beschäftigten, für einen Zeitraum von zwei Jahren 28 Stunden die Woche zu arbeiten", so Röhrig.

Das Motto lautet hier: Jeder kann, aber niemand muss kürzer arbeiten. Für die Beschäftigten, die kürzere Arbeitszeiten für zwei Jahre wählen, weil Kinder oder kranke Angehörige Unterstützung brauchen, soll danach wieder die Rückkehr in die Vollzeit möglich sein. Die IG Metall will einen tariflichen Anspruch und einen Entgeltzuschuss durch die Arbeitgeber erreichen.

Quelle: RP
 
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