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Solingen
Im Film die Welt verstehen

Solingen. "Film ist ein tolles Medium, sich mit der Welt auseinander zu setzen und sie zu verstehen", sagt Lillian Rosa über ihre Arbeit. Die 27-jährige Solingerin dreht derzeit als Stipendiatin der Villa Aurora in Los Angeles einen Film über die dortige Dubstep-Musikszene. Von Svenja Paulsen

Jedes Jahr erhalten Künstler der Bereiche Bildende Kunst, Komposition, Film und Literatur die Möglichkeit zu einem dreimonatigen Aufenthalt in der Villa Aurora, in der einst der Schriftsteller Lion Feuchtwanger wohnte und die zur Zeit des Dritten Reiches Treffpunkt deutscher Emigranten und ihrer amerikanischen Freunde war.

Heute ist das Anwesen Künstlerresidenz und Veranstaltungsort für den deutsch-amerikanischen Kulturaustausch. "Wir lernen wahnsinnig viele Leute kennen", schwärmt Rosa. Noch bis Ende März wird Lillian Rosa in Los Angeles mit einem amerikanischen Team an ihrem Film über Dupstep arbeiten.

Diese Musikszene vereine spirituelle, weltliche und verschiedenste musikalische Einflüsse, erklärt Lillian Rosa: Das Besondere sei, dass er Frequenzen unterhalb des Hörspektrums umfasse. "Man kann die Musik in diesem Bereich nur fühlen." Diese Fühlbarkeit steht für Rosa im Gegensatz zur Stadt, über die sie sagt, sie sei "riesig groß und auch ein bisschen einsam".

In L.A. gehe es ums Sehen und Gesehenwerden und auch viel um Schein. "Aber im Dubstep kommen Menschen ohne Dresscode und aus allen Schichten zusammen. Hier entwickelt sich eine Szene mit atemberaubend guter, neuer Musik."

Gemeinsame Produktionsfirma

Feierkulturen als Tür zu Geschichte und Gesellschaft eines Ortes zu begreifen, darum geht es Lillian Rosa nicht nur in diesem Film. Mit Julian Neville, mit dem sie 2009 die gemeinsame Produktionsfirma "Rosa & Neville Pictures" gründete und der auch jetzt in L.A. ihr Projektpartner ist, arbeitet sie außerdem an einem Kinodokumentarfilm über religiöse und hedonistische Feste in Israel.

Angefangen hat ihre Zusammenarbeit bei Nevilles Film "Lowlight" über das noch heute geltende Tanzverbot in New York City, das auf die Rassentrennung der 1920er Jahre zurückgeht. "In den USA wird Freiheit großgeschrieben. Damit ist aber vor allem die Freiheit des Geistes gemeint, nicht die des Körpers."

Lillian Rosa hat ein Bedürfnis, Geschichten zu erzählen. Das verfolgte sie zunächst mit Fotografie und Malerei. Während ihres Studiums an der Kunsthochschule für Medien in Köln wandte sie sich dem Film zu. Heute lebt sie als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin in Berlin.

Mit ihrem soziokulturellen Bildungskonzept "Cinema Youth Club" möchte Rosa Jugendlichen Medienkompetenz beibringen und sie für ihre eigene Gestaltungskraft begeistern. Drehbuch, Bild und Ton, alles erarbeiten die Schüler in Projekten selbst. Im Mai 2010 entstand so am Gymnasium Schwertstraße der Kurzfilm "Träum weiter!", der beim Schülerfilmfestival NRW in Marl den ersten Preis gewann.

Quelle: RP
 
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