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Solingen
Im Gefängnis gelang 44-Jährigem der "kalte Entzug"

Solingen. Der 44-jährige Solinger, der sich seit Dezember des vergangenen Jahres vor dem Landgericht Wuppertal verantworten muss, war nach eigenen Angaben abhängig von der Droge Crystal Meth. Dies geht aus einem Brief des Angeklagten aus dem Gefängnis an seine Mutter hervor, den der Richter gestern verlas. Von Benjamin Dresen

In der Wohnung des Mannes in der Solinger Südstadt waren im Juni 2015 größere Mengen verschiedener Drogen gefunden worden sowie mehrere Messer, 15.500 Euro Bargeld und zahlreiche Handys und Prepaid-Karten. Zuvor war bei der Polizei im Oktober 2014 eine anonyme Mail eingegangen. Laut dieser sollten sich in der Wohnung automatische Gewehre und Pistolen befinden. Zudem wurde darin behauptet, der Angeklagte sei in Drogengeschäfte und Prostitution verwickelt.

In den Briefen des Mannes aus dem Gefängnis an seine Mutter und an Bekannte vom September 2015 berichtete er, die Droge Crystal Meth unterschätzt zu haben und deshalb abhängig geworden zu sein. Er ärgere sich über seine Arroganz, gedacht zu haben: "Drogensüchtig werden nur Schwächlinge". Im Gefängnis sei ihm der "kalte Entzug" von der Droge ohne Ersatzpräparate gelungen.

Dies hätte er zu Hause nach eigener Einschätzung nicht durchgehalten. "Der Knast hat mich wach gerüttelt", schrieb er an seine Mutter. "Die Haft hat mir das Leben gerettet." Einer Bekannten schrieb er, im Gefängnis zum ersten Mal seit 20 Jahren sechs Wochen am Stück "drogenfrei" gewesen zu sein. Dabei erkannte er, wie er durch den Drogenkonsum das Interesse an vielen Dingen verlor. "Sie haben mich dumpf werden lassen."

Er haderte zudem, von "der falschen Droge" abhängig geworden zu sein, schließlich habe ihn etwa Alkoholismus nicht ins Gefängnis bringen können. Um seine Abhängigkeit professionell behandeln zu lassen, hatte er sich auf die Warteliste für eine Drogentherapie setzen lassen.

Gegenüber seiner Mutter beteuerte er: "Bei mir wurden Drogen gefunden und sonst nichts." Diese seien für den eigenen Konsum bestimmt gewesen.

Der Angeklagte hofft nun im weiteren Verlauf des Prozesses vor dem Landgericht, die Vorwürfe bis auf den Drogenbesitz entkräften zu können.

Quelle: RP
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