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Solingen
In 25 Jahren zur modernen Fachberatung gewachsen

Solingen. Vor 25 Jahren kam die Idee auf, ein Präventionsangebot zu entwickeln, das sexuelle Misshandlungen von Kindern verhindern sollte. Dazu wurde von der Stadt eine 19,25 Stunden-Stelle bewilligt. "Sehr schnell wurde jedoch klar, dass es nicht so sehr die Prävention war, die gefragt war. Die Leute riefen an, weil sie sich Sorgen machten, ob ihre Kinder sexuell missbraucht wurden", erinnert sich Barbara Westring, Frau der ersten Stunde. Diese Eltern oder Betreuer wollten wissen, was sie tun sollten. So wurde aus der gedachten Präventionsarbeit zunächst einmal eine Beratung für Erwachsene. Von Sandra Grünwald

Doch für das Thema "sexuelle Gewalt an Kindern" gab es vor 25 Jahren in dem Maße noch keine Akzeptanz. So wurde Barbara Westring mit ihren Bemühungen gerne mal in "die Ecke der hysterischen Feministin" gedrängt. Aber das hielt sie nicht auf - und die Anlaufstelle ebenso wenig. "Wir haben versucht, gegen den Willen von vielen, ein Angebot zu entwickeln."

Nach zwei Jahren wurden zwei weitere Stellen geschaffen. So war es möglich, nicht nur die besorgten Eltern, Betreuer oder Lehrer zu beraten, sondern auch ein Angebot für die betroffenen Kinder selbst zu entwickeln. Zunächst als Standbein der Frauenberatungsstelle, wurde dieser Zweig des Vereins "Frauen helfen Frauen" selbstständig und bekam auch einen eigenen Namen: "Anlaufstelle zur Unterstützung sexuell misshandelter Kinder und Jugendlicher".

"Wir haben das positiv gedacht", erklärt Barbara Westring. "Zur Anlaufstelle darf jeder kommen - egal welches Alter, welche Nationalität, Hautfarbe oder Religion - und sich Rat holen." Wurden im Jahr 1990 noch 24 Fälle begleitet, waren es im Jahr 2014 schon 172 Anfragen. Das liegt zum großen Teil daran, dass das Thema aus dem Tabubereich geholt wurde - auch dank der Arbeit der Anlaufstelle. "Ich muss sagen, die Stadt Solingen ist auf diesem Gebiet sehr fortschrittlich", lobt Westring die Stadtverwaltung. Seit kurzem hat sich die Anlaufstelle einen neuen Namen gegeben. "Wir haben über die 25 Jahre solch ein Fachwissen erworben, dass wir nicht mehr nur eine Anlaufstelle, sondern eine qualifizierte Fachberatung sind."

Die "Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche" - kurz FABS - klingt moderner, macht es Betroffenen einfacher und zeigt trotzdem, dass eine kompetente Beratung dahintersteht. Inzwischen arbeiten hier fünf Mitarbeiterinnen in Teilzeit bei der FABS. Nun feierte die FABS ihr 25-jähriges Bestehen in ihren Räumen an der Brühler Straße, die vor lauter Gratulanten überzuquellen drohten.

Mit Sektempfang, Hauskonzert und einem besonderen Kaffeeklatsch - mit Themen rund um die Arbeit der Beratungsstelle - war die Feier durchweg bunt gestaltet.

Quelle: RP
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