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Solingen
In der Küche Vorbehalte abbauen

Solingen: In der Küche Vorbehalte abbauen
Mamadou "Paco" Sylla (vorne rechts) zeigte (v.l.) Organisator Lukas Städler, Ingrid Rosthoff (82), Brigitte Juza (79) senegalesisches Kochen. FOTO: Uli Preuss
Solingen. Senioren und Geflüchtete bereiteten beim Projekt "Generaktionen" ein Gericht aus der senegalesische Küche zu. Von Manuel Böhnke

Dass Liebe durch den Magen geht, ist hinlänglich bekannt. Ein Projekt der Awo Arbeit und Qualifizierung (Aqua) bewies, dass dieser Satz auch für Völkerverständigung gilt. Am Samstagabend kochten Solinger Senioren im Mehrgenerationenhaus am Mercimek-Platz mit jungen Geflüchteten. Auf der Speisekarte stand Thieboudienne. "Das ist so etwas wie das Nationalgericht im Senegal", erklärte Mamadou Sylla, der in die Küche seines Heimatlandes einführte.

Das Projekt "Generaktionen" ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bundesamt für Migration gefördert. In den vergangenen Wochen fanden handwerkliche Workshops oder ein Kurs zu arabischer Kalligraphie statt.

"Wir wollen Räume schaffen, in denen sich Senioren und Geflüchtete begegnen. Beide Gruppen bestreiten ihren Alltag sonst eher allein", berichtete Lukas Städtler, der die sozialpädagogische Projektleitung für die Awo Aqua innehat. Durch die Begegnungen sollen Vorbehalte und Unsicherheiten abgebaut werden, die Städtler zufolge insbesondere in der älteren Generation verbreitet seien. Nach den ersten Terminen ist er zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Projektes: "Beide Gruppen begegnen sich ohne Berührungsängste."

Für den kulinarischen Teil war am Samstagabend Mamadou Sylla verantwortlich. Der 31-Jährige stammt aus der Region um Solingens Partnerstadt Thiès und lebt seit 2014 in der Klingenstadt. Momentan macht er eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer. Das Kochen habe er von seiner Mutter gelernt: "Sie hat mir die Tricks gezeigt."

Übersetzt bedeutet Thieboudienne so viel wie Fisch und Reis. Doraden werden mit Zwiebeln, Knoblauch, Minze und Petersilie gefüllt. Für die Teilnehmer war das gemeinsame Kochen mit Fleißarbeit verbunden. Große Mengen Karotten, Auberginen, Tomaten, Paprika, Blumenkohl und Süßkartoffeln mussten geschnitten werden. Das Braten von Gemüse und Fisch hüllte das Mehrgenerationenhaus schon weit vor dem Essen in einen aromatischen Duft. "Das war sehr interessant und informativ", sagte Brigitte Juza. Die 80-Jährige nahm bereits vor einigen Wochen am Kurs für arabische Kalligraphie teil und erhielt dort einen Einblick in die fremde Sprache. "Ich habe überhaupt keine Hemmungen und stehe allem offen gegenüber", erzählte sie angesichts der unbekannten Kulturen.

Für die 82-jährige Ingrid Rosthoff war der Koch-Nachmittag eine willkommene Abwechslung: "Ich nehme gerne teil. Dann sitzt man nicht alleine zuhause." Besonders interessant fand Rosthoff, dass die Doraden vor dem Braten mit Gewürzen gefüllt wurden. Nachdem sie mehr als zwei Stunden gekocht hatten und durch das Mehrgenerationenhaus geführt worden waren, genossen alle Teilnehmer ihre wohlverdiente Stärkung senegalesischer Art.

Lukas Städtler möchte das intergenerative Kochen zu einer Serie machen. Der nächste Termin ist am 4. Mai ab 16 Uhr. Was gekocht wird, steht noch nicht fest. Am 16. Mai findet während des muslimischen Fastenmonats Ramadan ab 20 Uhr ein gemeinsames Fastenbrechen statt. Am 15. Juni wird ab 16 Uhr das Ende des Fastenmonats gefeiert. Die Koch-Treffen finden jeweils im Mehrgenerationenhaus, Van-Meenen-Straße 1, statt.

Weitere Informationen bei Lukas Städtler (l.staedtler@awo-aqua.de) oder unter Telefon 23 16 66 01.

Quelle: RP
 
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