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Solingen
Interesse am Sportabzeichen schwindet

Solingen: Interesse am Sportabzeichen schwindet
Bernd Steinbach (hier in der Jahn-Kampfbahn) koordiniert zusammen mit Rolf Weyersberg seit Anfang vergangenen Jahres die Arbeiten rund um das Sportabzeichen in Solingen. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Um vor allem Kinder und Jugendliche wieder für das Abzeichen zu begeistern, sollen verstärkt Schulen angesprochen werden. "Auch die Eltern sind hier gefordert", sagt der Sportabzeichen-Referent des Solinger Sportbundes.

Herr Steinbach, der Countdown für das Sportabzeichen 2015 läuft: Noch bis Ende des Jahres können die Prüfungen abgelegt werden, in diesen Tagen laufen die letzten Abnahmen im Freien. Wie lautet Ihr vorläufiges Fazit des Sportabzeichen-Jahres 2015?

bernd Steinbach: Bisher ist es noch sehr ruhig. Wir setzen allerdings noch auf die Schulen: Sie fangen meist nach den Sommerferien an zu trainieren und reichen dann Ende des Jahres ihre Ergebnisse ein. Bisher haben wir erst die Ergebnisse von 303 Schülern, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 1234 Schüler. Allerdings werden auch erst in diesen Tagen die Unterlagen für den Landeswettbewerb der Schulen verschickt. Wir hoffen also, dass hier noch einiges kommt.

Nichtsdestoweniger: Im vergangenen Jahr ist die Zahl derjenigen, die das Sportabzeichen abgelegt haben, zurückgegangen. 2013 gab es noch 1740 Teilnehmer, 2014 nur noch 1494. Die größten Verluste sind bei den Jugendlichen zu verzeichnen. Woran liegt das?

steinbach: Seien Sie sich sicher: Wenn wir das wüssten, würden wir hier ganz gezielt gegensteuern. Wir können nur vermuten: Sehr viele Jugendliche sind mit langem Unterricht, anderen Sportarten, Musikunterricht und eigenen Interessen heute sehr verplant. Auch das Interesse am Sportabzeichen ist nicht mehr so groß, hier sind natürlich auch die Eltern gefordert. Denn wer früh mit dem Sportabzeichen beginnt, bleibt auch dabei.

Wie steht Solingen denn im Vergleich zu anderen Städten da?

Steinbach: Gar nicht so schlecht. Im vergangenen Jahr haben wir im Sportabzeichen-Wettbewerb der Städte den zehnten von 23 Plätzen belegt und sogar noch eine Prämie von 400 Euro gewonnen.

Im Jahr 2013 wurde das Sportabzeichen zu seinem 100. Geburtstag reformiert, unter anderem der Leistungskatalog gestrafft. Welche Auswirkungen hatten diese Veränderungen?

steinbach: Sie haben, auch durch mehrfache Nachbesserungen, zunächst vor allem dazu geführt, dass sowohl bei den Prüfern als auch bei den Sportlern allerhand Verwirrung darüber bestand, welche Leistungen nun wie zu erbringen sind. Natürlich ist es notwendig, solche Systeme zeitweise zu überarbeiten, klare Durchführungsbestimmungen sind dabei jedoch dringend erforderlich. Mittlerweile sind die Probleme aber behoben.

Seit der Reform reicht es nicht mehr aus, die sportlichen Prüfungen mehrmals in Folge erfolgreich abzulegen. Stattdessen gilt immer wieder aufs Neue das Leistungsprinzip. Ist das Sportabzeichen dadurch schwieriger geworden?

Steinbach: Meines Erachtens nicht. Das einzige, was schwieriger geworden ist, ist, dass Erwachsene alle vier Jahre den Schwimm-Nachweis erbringen müssen. Ansonsten ist das Niveau gleich geblieben. Vielleicht sind wir nur einfach nicht mehr so sportlich wie früher? Auch da komme ich noch mal auf die Jugendlichen zurück: Früher waren sie ab halb zwei auf der Straße unterwegs, heute haben sie bis vier Uhr Schule und müssen dann noch Hausaufgaben machen. Das merkt man deutlich.

Wie will der Sportbund das Sportabzeichen wieder attraktiver machen?

steinbach: Wir wollen vor allem verstärkt auf Schulen zugehen und dort über das Sportabzeichen sowie den Schul-Wettbewerb informieren. Das Training für das Sport-Abzeichen ist eine gute Sache. Und bei bestimmten Aufnahmetests beispielsweise, bei der Feuerwehr, Polizei oder an Sporthochschulen, hat man ohne Sportabzeichen überhaupt keine Chance.

Was wäre für Sie ein gelungener Abschluss des Sportabzeichen-Jahres 2015?

steinbach: Wenn es uns gelingt, zum Jahresende die Zahlen von 2014 übertroffen zu haben.

MAXINE HERDER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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