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Solingen
Investoren setzen wieder auf Sozialwohnungen

Solingen: Investoren setzen wieder auf Sozialwohnungen
Funda Altun vom Mieterbund würde den Bau mehr Sozialwohnungen begrüßen. FOTO: Archiv
Solingen. Eine Trendwende am Wohnungsmarkt? Bauherren setzen wieder verstärkt auf sozialen Wohnungsbau. Die Nachfrage in Solingen dürfte steigen. Von Maxine Herder und Martin Oberpriller

Lange Zeit gehörte er eher zu den Stiefkindern der Bauherren in der Klingenstadt. Aber neuerdings kündigt sich eine Trendwende an. Auf der Immobilienmesse Expo Real in München, die jetzt zu Ende gegangen ist, zeigten Investoren zum ersten Mal seit Jahren wieder ein verstärktes Interesse am Bau von Sozialwohnungen. Das sagte nun Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, der einer der Vertreter Solingens in der bayerischen Landeshauptstadt gewesen war.

"Es gab etliche Anfragen von Interessenten, die sich vorstellen können, in Solingen Mehrfamilienhäuser zu errichten", berichtete Hoferichter von zahlreichen Gesprächen am gemeinsamen Stand der drei bergischen Großstädte. Wobei diesmal nicht mehr - wie in früheren Jahren - allein Eigentumswohnungen des gehobenen Preissegments im Mittelpunkt standen. Vielmehr erscheint es einer Reihe von Bauherren inzwischen auch wieder lohnend, in bezahlbaren Wohnraum zu investieren.

Eine Entwicklung, die beim Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land gerne gesehen wird. "Wir würden Investitionen im sozialen Wohnungsbau sehr begrüßen", sagte Funda Altun, Geschäftsführerin des Mieterbundes, auf Anfrage unserer Redaktion. Denn die Bestände an sozialem Wohnungsbau seien in der Klingenstadt sehr rar gestreut. "Und zugleich merken wir immer wieder, dass ein erheblicher Bedarf besteht", so Altun.

Entscheidend sei bei den Planungen und einer möglichen Realisierung jedoch vor allem die Frage, wie hoch die Mietkosten seien. "Ich kenne auch sozialen Wohnungsbau, wo die Kosten nicht so gering bemessen sind und mit einer kleinen Rente nicht bezahlt werden können. Was in Solingen fehlt, sind ganz klar bezahlbare Mietwohnungen im Bereich des sozialen Wohnungsbaus" , berichtete Altun aus ihrer alltäglichen Praxis.

Das wiederum verwundert Andreas Herget, Geschäftsführer bei der Immobilienbesitzer-Vereinigung Haus & Grund Solingen keineswegs. "In den zurückliegenden Jahren hat es einen erheblichen Rückgang in diesem Bereich gegeben", sagte Herget, der für die Zukunft eine deutliche Nachfragesteigerung nach bezahlbaren Wohnungen erwartet.

Denn tatsächlich erscheinen solche Prognosen aus den zurückliegenden Jahren, die von einem weiteren Bevölkerungsrückgang in Solingen ausgingen, inzwischen überholt. Zum einen dürfte die Einwohnerzahl aufgrund der in die Klingenstadt kommenden Flüchtlinge steigen. Zum anderen erwarten Experten aber auch einen vermehrten Zuzug aus Städten in der näheren Umgebung. So fällt es bereits heute vor allem jungen Familien sowie Beziehern von nur bescheidenen Einkommen schwer, in Metropolen wie Düsseldorf oder Köln bezahlbare Wohnungen zu finden.

Eine Perspektive für Solingen - wie man auch im Rathaus denkt. Allerdings kann diese Chance nur genutzt werden, wenn es tatsächlich gelingt, den Trend der zurückliegenden Jahrzehnte umzukehren. So sank die Zahl der Sozialwohnungen nach einem Höhepunkt Anfang der 90er Jahre von 13.000 Einheiten auf zuletzt nur noch 4200 Wohnungen (31. Dezember 2013), wie eine Sprecherin der Stadt jetzt auf Nachfrage mitteilte.

In der Verwaltung hoffen die Verantwortlichen dementsprechend, dass sich die auf der Expo Real zu beobachtende Trendwende verstetigt - wobei Andreas Herget von Haus & Grund noch Potenzial nach oben ausgemacht hat. Herget: "Würden einige unnötige Regelungen gelockert, wären Investitionen für die Bauherren - auch in Solingen - noch attraktiver".

Quelle: RP
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