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Solingen
Iranische "Bufdis" helfen in Lutherkirche

Solingen: Iranische "Bufdis" helfen in Lutherkirche
Während ihres Bundesfreiwilligendienstes bereiten Milad Ahmadi (l.) und Mostafa Hasanzade auch den Gottesdienst in der Lutherkirche vor. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Milad Ahmadi und Mostafa Hasanzade leisten in der evangelischen Luther-Kirchengemeinde für ein Jahr Bundesfreiwilligendienst. Sie mussten aus dem Iran fliehen, weil sie vom Islam zum Christentum übergetreten waren. Von Benjamin Dresen

Gut, dass die Lutherkirche so hoch ist. Sonst hätten Milad Ahmadi (24) und Mostafa Hasanzade (23) sie vielleicht nicht gefunden - und die Lutherkirche ihre iranischen "Bufdis" auch nicht.

Die beiden jungen Männer waren im Herbst 2015 aus dem Iran geflohen, um ihrer Verhaftung zu entgehen. Ihr "Vergehen": Sie waren vom schiitischen Islam zum Christentum übergetreten. In der islamischen Republik drohte ihnen dafür mindestens eine Gefängnisstrafe. "Im Iran eine Taufe zu machen ist unmöglich", sagt Mostafa Hasanzade.

Ihre abenteuerliche Flucht führte sie von ihrer Heimatstadt Isfahan in die Türkei, von wo sie mit einem kleinen Boot nach Griechenland ruderten. Über die "Balkanroute" schlugen sie sich nach Deutschland durch. Knapp 40 Tage waren sie unterwegs, ehe sie im Oktober 2015 nach Solingen gelangten - in die Flüchtlingsunterkunft in der Zweigstraße, kaum 200 Meter Luftlinie von der Lutherkirche entfernt. "Wir suchten eine Kirche und haben jeden morgen die Glocken gehört", sagt Milad Ahmadi.

Zusammen mit einigen anderen Iranern ließen sich die beiden in der Lutherkirche taufen. Seitdem engagieren sich Ahmadi und Hasanzade intensiv in der Gemeinde. "Sie haben hier eine neue Heimat gefunden", sagt Pfarrer Christian Lerch. Die Gemeinde suchte nach einem Weg, die beiden neuen Mitglieder längerfristig zu beschäftigen. "Die Menschen sitzen sonst in ihren Einrichtungen und warten, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird", sagt Christian Lerch.

Das Problem: Solange sich Flüchtlinge im Asylverfahren befinden, dürfen sie keine Arbeit aufnehmen. Die Lösung fand die Gemeinde im Bundesfreiwilligendienst (BFD). Denn er steht als Nachfolger des früheren Zivildienstes auch Flüchtlingen offen. Nach einigem bürokratischen Hin und Her mit der Ausländerbehörde war der Weg frei: Seit dem 1. Juni sind Ahmadi und Hasanzade für ein Jahr "Bufdis" in der Luther-Kirchengemeinde. Sie hat als erste in Solingen solche Stellen eingerichtet.

Seitdem packen die "Bufdis" überall mit an: So halfen sie - im Iran von Beruf Automechaniker und Baggerfahrer - Küster Ralf Schreier in der Lutherkirche die Fresken unter der Verschalung freizulegen. Sie mähen den Rasen, sammeln Äste auf und kommen bei der Vorbereitung von Gottesdienst und Gemeindecafé mit den anderen Gläubigen in Kontakt. "Wir mögen unsere Arbeit wirklich", sagt Mostafa Hasanzade. Auch im Gemeindehaus Höhscheid in der Neuenhofer Straße sind sie aktiv und helfen Hausmeisterin Birgit Weiß. "Sie bringt uns viel bei", sagt Hasanzade. Die beiden "Bufdis" sind schon so gut eingearbeitet, dass sie Küster und Hausmeisterin während ihres Sommerurlaubs vertreten können.

"Ich würde mir wünschen, dass noch mehr darauf aufmerksam werden. Alle Stellen, die früher Zivildienstleistende hatten, können BFD-Stellen einrichten", betont Pfarrer Christian Lerch.

Mittlerweile leben beide nicht mehr in der Unterkunft, sondern zusammen in einer Wohnung in der Innenstadt. "Allein geht es nicht", sagt Milad Ahmadi. Sie lernen einmal die Woche Deutsch und wollen bald die Prüfung für das Sprachniveau B1 versuchen.

Quelle: RP
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