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Solingen
Jede Menge Arbeit für Müller

Solingen. Nach dem Eklat auf der Wahlversammlung der Solinger Liberalen stellt sich nun die Frage, ob die verschärfte Lagerbildung Auswirkungen auf die Fraktionsarbeit hat. Von Andrea Röhrig

Es ist der Tag eins nach der selbstzerfleischenden Vorstandswahl bei den Solinger Liberalen, in der sich Ulrich G. Müller (68) gegen Jörg Neuhaus (42) durchsetzte. Der 68-Jährige führt nun das Zepter in einer Partei, die vor allem eines ist: bis ins Mark in zwei Lager zerstritten.

Das wird Auswirkungen auch auf die Arbeit der Fraktion haben. Welche, diese Frage können viele Liberale so kurz nach dieser denkwürdigen Veranstaltung – als Neuhaus nach der Niederlage alle Ämter niederlegte und den Raum verließ – noch nicht beantworten. Nach den ersten Anfangsschwierigkeiten hatten sich die acht Fraktionsmitglieder zusammen gerauft; dabei hatte in der härtesten Zeit der Konfrontation sogar eine Abspaltung – mit Fraktionsstatus – im Raume gestanden. Dazu ist es (noch) nicht gekommen.

2012 soll Lauterbach Chef werden

Nach der Wahl am Montagabend hat das eine Lager, hinter dem – so schreibt es das Gräfrather FDP-Mitglied Elmar Wienhöfer in seinem Internet-Blog – das "Altherren-Kartell" steht, sowohl in der Fraktion als auch im Parteivorstand die Macht: Patrick Lauterbach und Volker Klein wurden Müllers Stellvertreter, Bertenburg ist neuer Beisitzer und Fraktionsvorsitzende Gabi Reimers ist in dieser Funktion geborenes Mitglied. Müller glaubt indes nicht, dass neue Probleme in der Fraktion auftauchen: "Jürgen-Hugo Hans und Rainer Villwock haben sich dort gut eingearbeitet."

Ihren viel beschworenen Generationenwechsel haben die Liberalen aber erneut verschoben, diesmal auf 2012. Da soll mit Patrick Lauterbach (33) der lang gewünschte Youngster an die Parteispitze kommen. Das bestätigte noch am Abend der neue Parteichef. Warum man den jugendpolitischen Sprecher nicht schon Montag gegen Neuhaus antreten ließ, wie Lauterbach es ja zuerst angekündigt hatte ? Weil seine liberalen Ziehväter – wohl begründete – Sorgen hatten, dass Lauterbach verliert.

Und damit auf längere Zeit der Zugriff auf den Parteivorsitz verwehrt sein könnte – wenn Neuhaus einen guten Job gemacht hätte. Vielen ist der Jungspund politisch und menschlich noch zu grün hinter den Ohren. Und so soll er nun versuchen, sich in den nächsten beiden Jahren politisch zu profilieren, damit es zu einem geordneten Übergang kommt, heißt es aus der Partei. Was für den neu gewählten Parteichef Müller "Änderungen mit der Brechstange" sind, wollten Neuhaus und seine Mitstreiter als Erneuerung der Liberalen verstanden wissen: Diese sollte außen wieder wahrnehmbar sein und nicht nur die Fraktion.

Stolz hatte der am Montag aus dem Parteivorsitzenden-Amt geschiedene Bertenburg den Mitgliedern die Arbeitsleistung des Vorstandes aus den vergangenen zwei Jahren präsentiert: Sechs Vorstandssitzungen, zudem tagte fünf Mal der Kreishauptausschuss. Für das Lager um Neuhaus beschämende Zahlen, die den Finger in die Wunde legen: "Die Partei fand nicht statt", sagte Neuhaus gestern auf Anfrage, der seinen Schritt auch im nachhinein nicht bereute: "Wenn das Pferd tot ist, dann muss man absteigen." Er bleibe aber FDP-Parteimitglied.

Das bleibt auch Andreas Zelljahn, der am Montag Neuhaus gerade noch als Kandidaten vorschlagen durfte, auf eine Begründung aber verzichten musste: "Dass ich sowohl nieder gebuht, als auch nieder gestimmt wurde, steht einer liberalen Partei nicht an." Er erwartet in der heutigen Fraktionssitzung eine Stellungnahme zu dem "undemokratischen" Vorgehen.

Bei der Partei ist noch kein Rücktrittschreiben von Neuhaus eingegangen. In der Geschäftsstelle geht man derzeit davon aus, dass den Burger Ortsverband, zu dessen Vorsitzenden Neuhaus erst im Februar wieder gewählt wurde, nun bis zum nächsten regulären Parteitag in einem Jahr die beiden Stellvertreter führen: Gerd Schumacher und Karl-Wilhelm vom Grafen.

Ulrich G. Müller wollte sich gestern keine Sorgen um die Zukunft der Solinger Liberalen machen, auch wenn er derzeit nicht wisse, ob man die Mitglieder des anderen Lagers integrieren könne. Er habe gestern "sehr viel Zuspruch" erhalten und bereits mit seinen Stellvertretern telefoniert: "Ich glaube nicht, dass Neuhaus nach diesem Abgang noch einmal 37 Stimmen erhalten würde." Die Gräfrather – zu denen Zelljahn zählt – habe er trotz vieler Gespräche nicht einfangen können, verweist Müller auf den Blog von Wienhöfer, in dem dieser in einem Beitrag aus November gegen den OB-Kandidaten Volker Klein schießt.

Quelle: RP
 
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