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Serie 24 Stunden - 24 Menschen
Jeder Handgriff muss sitzen

Serie 24 Stunden - 24 Menschen: Jeder Handgriff muss sitzen
% Die letzten Handgriffe: Um 22 Uhr übergibt Schichtführer Günay Tanburaci seine Arbeit an die Kollegen der Nachtschicht. FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Rund um die Uhr läuft der Betrieb bei BIA Kunststoff- und Galvanotechnik. Zum Wechsel von der Spät- zur Nachtschicht besprechen die Automatenführer Günay Tanburaci und Sven Fenske mit ihren Nachfolgern den bisherigen Produktionstag. Von Alexander Riedel

Als ihre Kollegen die große, vom Summen der Maschinen erfüllte Halle betreten, nehmen die Automatenführer Sven Fenske und Günay Tanburaci den Produktionsplan zur Hand und gehen die Anforderungen für die nächsten acht Stunden durch. Zu ihnen herüber dringen wenig später die lockeren Gespräche der Mitarbeiter, die nun ihre Arbeitsplätze vor Wänden aus Kunststoffgestellen mit ihren Kollegen im Auf- und Absteckdienst tauschen: Es ist 22 Uhr - die Nachtschicht beginnt bei BIA Kunststoff- und Galvanotechnik im Gewerbegebiet Scheuren.

Der Betrieb läuft dabei genauso weiter wie im Verlauf des gesamten Tages. "Die Artikel sollen gleichmäßig über die drei Schichten verteilt werden", erklärt Tanburaci. Seine Aufgabe, die er zu seinem Feierabend an Metin Kelebek und Levent Cigal weitergibt, ist es, für die Einhaltung des Produktionsplanes zu sorgen. "Wir müssen sehen, welche Warenträger wir brauchen, und die dann entsprechend aufbauen", ergänzt Sven Fenske. Diese Warenträger wiederum werden von Mitarbeitern mit unzähligen Bauteilen, wie zum Beispiel Elementen der Gangschaltung oder der Lüftung von Autos bestückt, und schließlich zur Beschichtung mit verschiedenen Metallen in die Galvanikautomaten eingefahren.

' Sven Fenske achtet auf die Einhaltung des Produktionsplanes. FOTO: Kempner, Martin (mak)

Fehlt auf den Trägern ein Teil oder ist falsch aufgesteckt, mindert das auch die Qualität der umliegenden Elemente, weil sich die Metalle dann nicht mehr gleichmäßig auf dem Material verteilen können. Deshalb ist nicht nur bei jedem Handgriff höchste Konzentration gefragt, sondern auch bei der anschließenden Kontrolle. Schnell muss es trotzdem gehen. Für die Produkte gibt es eine Staffelung nach Prioritäten mit "Sonderfahrt" als oberster Stufe.

Automatenführer ist kein eigener Ausbildungsberuf. "Sie kamen aus verschiedenen Branchen und haben bei uns eine BIA-interne Ausbildung von einem halben Jahr erhalten", erklärt Bernhard Vierzigmann, Personalmanager für die Galvanik. "Doch selbst dann kann man noch nicht alle Vorgänge kennen", schiebt er hinterher.

Während die Mitarbeiter ebenerdig die Warenträger mit den einzelnen Produktionselementen vorbereiten, wacht Schichtführer Jaroslaw Dabrowski, der kurz zuvor zur Nachtschicht gekommen ist, auf einem eisernen Zwischenpodest über den reibungslosen Ablauf an der Galvanikanlage, hält Rücksprache mit den Automatenführern und lässt zur Analyse Proben aus den vielen mit Elektrolyten gefüllten Bädern entnehmen.

Von den insgesamt 1050 Mitarbeitern bei BIA arbeiten etwa 600 im Drei-Schicht-Betrieb. "Wir wechseln wöchentlich von der Nachtschicht zur Spät- und Frühschicht", sagt Levent Cigal, der diesen Rhythmus als angenehm bezeichnet. Dadurch arbeiten stets dieselben Kollegen gemeinsam. "Das ist auf jeden Fall ein Vorteil für uns", betont auch Günay Tanburaci, der am nächsten Tag wieder zur Spätschicht übernimmt.

Quelle: RP
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