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Solingen
Jürgen von der Lippe hat jetzt die Zeit

Solingen. Der bekannte Entertainer gastierte im ausverkauften Pina-Bausch-Saal des Solinger Theaters. Von Wolfgang Günther

Der Entertainer geht so langsam auf die siebzig zu, und auch an Umfang hat er etwas zugenommen. Abgenommen hat aber auf keinen Fall seine Fangemeinde, denn der Pina-Bausch-Saal war am Freitagabend total ausverkauft, als "Lippe" sein neues Programm "Wie soll ich sagen" spielte. Das Programm hat die Sprache zum Thema, aber der Titel führt in die Irre, denn Jürgen von der Lippe hat viel zu sagen. Früher war er mal Lehrer, und das kann er bis heute nicht verbergen. Das blumige Hemd ist sein Markenzeichen, in dem sehr abwechslungsreichen Programm tritt er aber auch als "Kummerkasten-Kalle", ein Berliner Alt-Rocker mit Lederjacke, und in einer der vielen Zugaben als rüstiger Rentner auf.

Der Komiker kennt sich auf allen Ebenen seiner Lieblingsthemen aus, welche sind: Sex, Alkohol und Kommunikation. Es darf durchaus derb zugehen, aber selbst Pointen im Fäkalbereich sind durch die lockere Präsentation leicht und unbeschwert zu konsumieren. Dazu ist von der Lippe auch ein brillanter Musiker an Gitarre und Saxofon, es gab viele neue Lieder, die Ohrwürmer vergangener Programme blieben diesmal unter Verschluss. Beim hymnen-verdächtigen Song auf das Alter "Ich hab ja jetzt die Zeit" wird deutlich, dass er - auch nach 40 Jahren - immer noch Ohrwürmer schreiben kann. Dazu ist er auch ein wirklich hervorragender Parodist. Neben dem Sängertrio Lindenberg, Grönemeyer und Maffay trifft er in saukomischen Parodien auch andere öffentliche Personen haargenau. Von der Lippe durchleuchtete unseren Alltag, rechnete ab mit automatischen Urinalen, nervtötenden Kartenzahlern bei kleinsten Beträgen, peinlichen Vielrednern, tiefenpsychologischen Diätvorschlägen, Dummköpfen im Allgemeinen - und kitzelte die Lachmuskeln dort, wo sie es am allerliebsten haben.

Jürgen von der Lippe weiß auch seine schärfsten Pointen samtweich und unschuldig zu präsentieren. Jeder Schuss sitzt, aber er hat es ja nicht so gemeint. Auch das romantischste Liebeslied bekommt kurz vor dem Tränenfluss des Publikums einen überraschenden Dreh ins Lustige. Ebenso ist sein herzbewegender Abschiedsbrief ans Essen sicher nicht ernst zu nehmen.

Wie zu erwarten wurde der Abend auch noch zur amüsanten Spielshow, bei der vier Paare aus dem Publikum getestet wurden. Der Showmaster spielte beim Melodienraten mit seinen Kandidaten, die mal mehr, mal weniger schlagfertig waren. Er stellte sie aber niemals bloß. Viel Beifall, stehende Ovationen und einige Zugaben. Hautnah war Jürgen von der Lippe gleich darauf beim Signieren im Foyer zu erleben, denn der Künstler ist auch ein fleißiger Autor.

Quelle: RP
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