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Solingen
Jugendliche pflegen Erinnerungsorte

Solingen. Mit Bänken und Stelen hat die Jugendhilfewerkstatt auf dem Friedhof Rupelrath drei Erinnerungsorte geschaffen. Von Maxine Herder

Es ist einer dieser nassen Tage in diesem Sommer, doch Munir und Mohamed macht das nichts aus. Gut gelaunt machen sich die beiden jungen Männer, Munir 18 Jahre alt, seit 15 Monaten in Deutschland, Mohamed 19, seit 11 Monaten in Deutschland, auf dem Friedhof Rupelrath an die Arbeit: Säubern die Bänke von Blättern und Vogeldreck. Gemeinsam mit Heinz Siering, dem Leiter der Jugendhilfewerkstatt, prüfen sie zudem, wo an den drei Erinnerungsorten, die die Einrichtung geschaffen hat, nachgebessert werden muss.

Fragt man die beiden jungen Männer aus Guinea, dann strahlen sie. "Die Arbeit macht viel Spaß", sagt Mohamed, der vor nicht einmal einem Jahr mit einem kleinen Boot an einer italienischen Küste ankam. Mit fünf Booten waren sie gestartet, nur zwei schafften die lebensgefährliche Überfahrt. In der Jugendhilfewerkstatt, mit Unterstützung von Heinz Siering und seinem Team, haben Munir und Mohamed eine Perspektive für ihre Zukunft gefunden.

Auf dem Friedhof Rupelrath nehmen sie an diesem Tag gemeinsam mit Heinz Siering die drei Erinnerungsorte in Augenschein, die die Jugendhilfewerkstatt im Auftrag der Gemeinde geschaffen hat. "Jeder Ort hat eine bestimmte Symbolik", sagt Heinz Siering. Der erste, ein in Edelstahl gefasster Glas-Engel auf einer Stele, steht unter dem Thema "Friede mit Dir". Die Bank aus einem halben Eichenstamm wird von zwei Händen getragen, in der Mitte ist die Dornenkrone von Jesus eingefräst.

Am zweiten und dritten Erinnerungsort tragen jeweils drei Stelen die Inschriften Glaube, Liebe und Hoffnung, einmal sind sie zum Teil violett verziert, einmal bewusst nicht lackiert, so dass die Vergänglichkeit sichtbar wird. "Ohne diese drei Säulen könnte der Mensch nicht existieren", sagt Heinz Siering. Das Buch, das in die Sitzfläche der Bänke eingearbeitet ist, symbolisiere die Bibel. "Die Bank muss abgeschliffen und neu lackiert werden. Wir werden sie mitnehmen und komplett überarbeiten", sagt Heinz Siering zu Munir und Mohamed. Die Erinnerungsorte, die Siering mit acht Jugendlichen geschaffen hat, sollen Orte sein, an denen sich die Hinterbliebenen in einer stillen Minute oder Stunde an ihre Verstorbenen erinnern können, an denen sie Kerzen und Blumen ablegen, sich besinnen können.

"Es geht darum, ein Stück Frieden zu finden", sagt Heinz Siering, in der Erinnerung auf dem Friedhof genauso wie im Alltag. "Gewalt, Brutalität und Egoismus sind jeden Tag wahrnehmbar. Umso wichtiger ist es, etwas dagegen zu setzen. Das wollen wir auch unseren Jugendlichen vermitteln: Dass Frieden das Allerwichtigste ist. Und dass sich jeder entscheiden kann, wie er sein Leben führen will."

In der Jugendhilfewerkstatt lernen die jungen Menschen Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen - und für das, was sie mit ihren eigenen Händen schaffen: Für alle Arbeiten der Jugendhilfewerkstatt, übernimmt sie die Pflege - "so lange unsere Einrichtung existiert".

Regelmäßig kümmern sich Siering und seine jungen Mitarbeiter um ihre Werke im Börkhauser Feld, im Botanischen Garten und auf dem Friedhof Rupelrath, um die Mahnmale am Mildred-Scheel-Berufskolleg und auf der Trasse. Für Mohamed und Munir hat Heinz Siering einen großen Wunsch: Ihnen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. "Beide sind tolle Jungs. Ich bin überzeugt, dass jeder Arbeitgeber viel Freude an ihnen hätte."

Quelle: RP
 
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