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Kooperationsserie Hören Im Jungen Alter
Jugendliches Gehör leidet unter Lärm

Solingen. Laut einer Akustik-Studie ist Freizeitlärm - laute Musik in der Diskothek oder aus dem Kopfhörer - dafür verantwortlich, dass das Gehör geschädigt werden kann. Erschreckend ist, wie viele Jugendliche bereits von dem Problem betroffen sind. Von Alexander Riedel

Wenn die Projektgruppe Ohr am Gymnasium Schwertstraße einmal im Jahr den Kontakt zu Hörgeräteakustikern sucht, erfahren die Mittelstufenschüler stets Wissenswertes über das Sinnesorgan. Aber auch die Fachleute sammeln neue Erkenntnisse - und nicht unbedingt erfreuliche: "Ein Hörtest, den wir im Rahmen der Aktion durchgeführt haben, hat ergeben, dass von den anwesenden Schülern bis zu 60 Prozent eine leichte Schwerhörigkeit entwickelt haben", berichtet Birgit Wasserfuhr-Fischer, Inhaberin des gleichnamigen Hörgeräte-Fachgeschäfts.

Das ist zwar nicht repräsentativ, spiegelt aber ein ernstzunehmendes Problem der Gegenwart wieder: Laut Berichten von Krankenkassen hat jeder vierte Jugendliche einen Hörschaden - mit steigender Tendenz. Verantwortlich macht die Deutsche Gesellschaft für Akustik vor allem Freizeitlärm, wie den regelmäßige Besuch einer Diskothek oder den tagtäglichen Gebrauch von Kopfhörern für MP3-Player oder Computerspiele.

Solche Lärmquellen stellten heute für Jugendliche ein ähnliches Problem dar, wie die Geräusche in Fabriken für die Rentnergeneration, erklärt Julia Spanier, die als Hörgeräteakustikermeisterin bei Wasserfuhr arbeitet. "Es ist schon erschreckend, Zehntklässler darauf hinweisen zu müssen, dass sie in fünf bis zehn Jahren auf ein Hörgerät angewiesen sind, wenn sie so weitermachen", sagt Wasserfuhr-Fischer. Denn wie für alte Menschen gilt auch für jüngere Generationen: Der Verlust des Hörvermögens ist oft schleichend und wird lange nicht richtig wahrgenommen. Mit einem Mythos räumt derweil Julia Spanier auf: Die schlechtere Wahrnehmung höherer Töne als Anzeichen der Schwerhörigkeit sei nicht aufs höhere Alter beschränkt.

Natürlich gibt es neben dem Lärmpegel in der Umwelt auch andere Ursachen für Hörstörungen in der Kindheit und Jugend: Die angeborene, genetisch bedingte, Schwerhörigkeit tritt vergleichsweise selten auf. Eine wichtige Rolle spielen hingegen Belüftungsprobleme des Mittelohrs durch häufigen Schnupfen und vergrößerte Rachenmandeln. Ein Paukenerguss, bei dem sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt, ist besonders bei Patienten im Kindergarten- und Grundschulalter eine häufige Ursache für eine Hörminderung. Hält die an, raten Ärzte oft zum ambulanten Trommelfellschnitt, um die optimale Belüftung wiederherzustellen. Insbesondere bei Kleinkindern ist eine rasche Behandlung der Schwerhörigkeit, dringend geboten: Denn unter der Hörstörung leidet schließlich auch die Entwicklung der eigenen Sprache - und somit der Kontakt zu Altersgenossen. Neben speziell angepassten Hörgeräten kann deswegen auch eine logopädische Behandlung notwendig sein.

Lärm, wie auf Musikkonzerten mit elektrischen Verstärkern oder in der Silvesternacht, ist ohnehin eine große Gefahr für ein kindliches Gehör, wie Julia Spanier verdeutlicht: "Wer kleine Kinder auf eine solche Veranstaltung mitbringen will, sollte unbedingt auf den richtigen Gehörschutz achten."

In einer dreiteiligen Serie hat sich unsere Redaktion in Kooperation mit Hörgeräte Wasserfuhr dem Thema "Hören". Die ersten beiden Folgen im Internet unter www. rp-online.de/solingen

Quelle: RP
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