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Solingen
Julia Kociuban gestaltete ihr Konzert als ein Fest fürs Ohr

Solingen. Ihr Spiel ist poetisch und virtuos, nuancenreich und emotional. Doch Julia Kociubans Auftritt überzeugte auch durch stilistische Noblesse und formale Kraft. Am Sonntagabend machte die 24-jährige polnische Pianistin, die 2012 ihr Studium in Warschau mit Auszeichnung abschloss und Preisträgerin internationaler Wettbewerbe ist, Station in Solingen. Im voll besetzten Saal des Kunstmuseums beeindruckte sie mit Mozart, Chopin und Schumann. Von Cyrill Stoletzky

Und sie räumte gleich zu Anfang Klischees beiseite. Mozart - der Rokokokönig? Weit gefehlt. Der Meister konnte auch anders. Seine Fantasie c-moll mit ihren kühnen Modulationen und dramatischen Kontrasten gestaltete Julia Kociuban als bewegendes Zeugnis romantischer Ausdruckskunst. Düster, konzentriert, klanglich dicht eratmete sie die Mollteile, die sie toll phrasierte, sensitiv von den helleren Durepisoden absetzte und in einem spannungsreichen Bogen zum Finale führte. Das war dramaturgisch lupenrein ausgeleuchtete, perfekte Gestaltungskunst. Mit Mozarts Sonate F-Dur KV 332 führte die Pianistin ihre Zuhörer in die geschlossene Welt der Wiener Klassik zurück. Ihr Spiel war glasklar konturiert, bestach durch perlende Läufe, sorgsam abgestufte Dynamik, gut gewählte Tempi und minuziös abgezirkelte crescendi. Nichts wirkte zufällig. Jede Nuance war authentisch eingebunden in die natürliche schöpferische Strahlkraft des Komponisten. Da entwickelte sich ein fließendes, formstarkes Allegro, da erklang mit dem Adagio eine innige Elegie in schlichter, ungekünstelter Eleganz. Das virtuose Finale geriet technisch wie stilistisch makellos, war klar, rund und trotz des rasanten Tempos gut artikuliert.

Mit Chopins Rondo a la Mazur op. 5 demonstrierte Julia Kociuban die schon in diesem Frühwerk präsente Leidenschaft des Komponisten für harmonische Raffinesse und wirkungsvolle Modulationen. Sie servierte diese selten gespielte Perle des polnischen Meisters als großes Fest fürs Ohr: Der Kontrast von tänzerischer Beschwingtheit, schwelgerischer Elegie und Virtuosität, locker aus dem Handgelenk gespielte Läufe, opulente, dynamisch stimmig entwickelte Klangkaskaden und ein satter, runder Schuss - alles saß.

Bei Schumanns von E.T.A. Hoffmann inspiriertem Klavierzyklus "Kreisleriana" geriet Julia Kociuban manchmal an Grenzen. Alles war mit Leidenschaft und Gespür für die Zerrissenheit der komplexen Schumannschen Seele sehr inspiriert vorgetragen. Doch die innere Einheit der acht Stücke war noch nicht oder nur teilweise vorhanden. Einige der raschen, technisch äußerst anspruchsvollen Nummern, so die Nr. 1 und 7, spielte sie so rasend schnell, dass Akzente und Gegenstimmen untergehen mussten.

Große Momente waren die Nr. 2 mit ihrer komplexen Stimmführung, die Meditation der Nr. 6, aber auch die rhythmisch brillant ausfigurierte Nr. 5 und besonders das gespenstisch dahin huschende Schlussstück mit präzis gespielten Vorschlagsnoten und sehr kraftvollem Mittelteil.

Zum Dank für viel Applaus gab es von der polnischen Pianistin ein Mozart-Menuett als Dessert - als Sahnehäubchen für den gelungenen Abend.

Quelle: RP
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