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Solingen
Junge Neubürger lernen in Ferien Sprache und Kultur kennen

Solingen. Die zwölfjährige Russland-Deutsche Diana übersetzte die Grußworte des Flüchtlingskoordinators Dirk Wagner für ihren polnischen Mitschüler. Auch einige der arabisch-sprachigen Jugendlichen verstanden die Ansprache ohne Übersetzung: Die Anstrengungen der jugendlichen Neubürger in der jüngeren Vergangenheit haben offensichtlich bereits Früchte getragen. Von Alexander Riedel

"Ich habe in der Schule schon etwas Deutsch gelernt", verriet der 13-jährige Talal, der im vergangenen Herbst mit seinen Eltern aus Syrien nach Deutschland gekommen war, mit erstaunlich wenig Akzent. Sein Altersgenosse Abdullah erzählte, er habe beim Spielen mit anderen Kindern bereits einige Begriffe der für ihn fremden Sprache übernommen. "Es ist beeindruckend, wie gut einige nach der kurzen Zeit schon Deutsch sprechen können", lobte Hilde Hess-Steinhauer vom Kommunalen Integrationszentrum Solingen. Das bietet im Rathaus wie in den Vorjahren gemeinsam mit dem Caritasverband Wuppertal/Solingen und dem Internationalen Bund (IB) einen zweiwöchigen Sommer-Deutschkurs für Einwanderer im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren an.

Das Pensum ist dabei durchaus beachtlich: Bis Ende des Monats pauken die Schüler an jedem Tag zwei Stunden Wortschatz und Grammatik. Aufgeteilt sind sie in zwei Gruppen. "Wir haben auch Jugendliche darunter, die vor dem Kurs kein Wort Deutsch sprechen konnten", erklärte Lehrerin Ceylan Altun-Kilic. Mit dem Angebot sollen Grundlagen für den regulären Schulunterricht nach dem Ende der Sommerferien geschaffen - und auch Hemmungen abgebaut werden. "Als ich hier in die Schule gekommen bin, war das schon ein ungewohntes Gefühl", beschrieb Diana, die in Deutschland geboren wurde, aber in der ehemaligen Sowjetunion aufwuchs, ihre anfängliche Unsicherheit.

Doch neben dem Lernen der Sprache erwarten die Jugendlichen auch wichtige Einblicke in die Kultur der neuen Heimat: Von Montags bis Donnerstags gibt es Ausflüge, die die Schüler bislang unter anderem in das Klingenmuseum, die Gesenkschmiede Hendrichs und die Biologische Station führten. Talal zeigte sich sehr angetan von einem Besuch im Rollhaus - und vom gemeinsamen Fußballspielen. "Beliebt sind auch die Ausflüge in die Stadtbibliothek", berichtete Hilde Hess-Steinhauser. "Dort können sie sogar ins Internet gehen und zeigen dann ihren Kollegen, wo sie jeweils herkommen." Denn die Teilnehmer haben aus verschiedenen Ländern den Weg in die Bundesrepublik gefunden - viele von ihnen sind aus Syrien geflohen, andere haben ihre Wurzeln im Irak, in Afghanistan, Marokko oder dem Kosovo.

Von Flüchtlingskoordinator Dirk Wagner erhielten alle Kursteilnehmer ein kleines Geschenk - und die besten Wünsche: "Ich hoffe, dass alle Spaß haben und am Ende sagen können, dass sie etwas gelernt haben." Am 27. Juli endet der Kurs - dann stehen auch für die Zuwanderer die Sommerferien an.

Quelle: RP
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