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Solingen
Kameras spüren Wege fürs Wasser auf

Solingen. Bei Starkregen müssen neue Möglichkeiten gesucht werden, wie Wasser abfließen kann, ohne Schaden anzurichten. Von Annemarie Kister-Preuss

Ende Juli hat es in Solingen drei Tage lang so stark geregnet, dass viele Straßen überflutet wurden und diverse Keller vollgelaufen sind. "Bei solchen Sturzfluten schaffen es die in der Fahrbahn eingelassenen Sinkkästen nicht, die Wassermassen aufzunehmen", erklärt Wulf Riedel, Abteilungsleiter für Straßen-Kanalplanung bei den Technischen Betrieben der Stadt Solingen. Obwohl die Kanäle noch gar nicht voll seien, kann das Wasser nicht abgeleitet werden, weil es über die Gullys wegfließt. Daher wird geprüft, ob der öffentliche Straßenraum zum Ableiten der Sturzfluten genutzt werden kann. Gestern war ein Messwagen am Kannenhof und im Bereich Bismarckplatz unterwegs, um mit Hilfe von Kameras und Laserscannern die Beschaffenheit der Straßen bis ins kleinste Detail dreidimensional aufzuzeichnen. Auf zehn Kilometern Straßenlänge wurden die Daten erfasst, die den Experten bei den Technischen Betrieben wertvolle Erkenntnisse liefern, wie die Wassermassen künftig bei Starkregen schadlos abgeleitet und in Flüsse und Bäche geleitet werden können.

Zusammen mit der Uni Wuppertal haben die Technischen Betriebe bei einem Feldversuch festgestellt, dass bei Starkregen das Wasser so schnell fließt, dass es über den Gully hinweg läuft. Daher müssen für das Wasser Möglichkeiten geschaffen werden, schadlos abzufließen. Mit Hilfe von Luftbildern konnten erste Erkenntnisse gewonnen werden, die jetzt eingesetzte 3-D-Technik hingegen gibt detailgenaue Aufnahmen. "Damit das Wasser nicht unkontrolliert abfließt, können zum Beispiel Bordsteine abgesenkt oder Rinnen gebaut werden, sagt Wulf Riedel. Wasser, das so über Kanäle in Bäche und Flüsse abgeleitet wird, hat sehr gute Qualität. Regnet es nach einer langen Trockenzeit, wird das erste Wasser, das den Schmutz von den Straßen spült, in der Regel noch vom Gully aufgenommen. Später einsetzender Starkregen kann sauber abgeleitet werden.

Begonnen hat der Messwagen gestern am Bismarckplatz, wo sich im Juli in der Senke der Straße riesige Wassermassen stauten. "Die können zum Beispiel durch Absenken des Bordsteins in den Bismarckpark und weiter über den dort liegenden Kanal in den Weinsberger Bach abgeleitet werden", sagt Wulf Riedel. Maßnahmen, wie zum Beispiel das Absenken der Bordsteine, sind kostengünstig zu haben, für wenige 1000 Euro, wie der Abteilungsleiter weiter erklärt. Kein Vergleich mit den Kosten zur Behebung der Schäden, die nicht abfließende Sturzfluten immer wieder anrichten. Auch die jetzt vorgenommenen Messungen sind im Preis überschaubar. 125 Euro werden pro Kilometer für die Aufzeichnung berechnet, hinzu kommen die Kosten für das Auswerten der Daten.

"Unsere Aufzeichnungen mit Kameras und Laserscanner haben eine sehr große Punktdichte, 1,1 Millionen Punkte werden pro Sekunde aufgezeichnet", erläutert Dirk Zimmermann, Gebietsleiter bei der Genitum AG, die auf Mobiles Laser Scanning spezialisiert hat. Aus dieser Punktwolke ist zentimetergenaue Vermessung des Straßenraumes möglich. Was der Messwagen gestern in einer Stunde erledigt hat, müssten Vermessungstrupps in tagelanger Arbeit zusammentragen. Die so gewonnenen Daten werden in spezielle Berechnungssysteme eingespeist und ausgewertet.

Anfang Dezember präsentiert Solingen das Projekt bei einer Tagung des Deutschen Städtetages. Das Konzept passt in den seit Jahren erfolgreich praktizierten Weg der kreativen Lösungen bei der Kanalisation – statt neue, immer dickere und angesichts der bergischen Topographie ziemlich teure Abwasserkanäle zu bauen. Denn eines ist den Experten bei der Stadt längst klar: Starkregenereignisse werden im Zuge des Klimawandels in Zukunft häufiger für Überschwemmungen sorgen. Der Zeitpunkt, hierfür die nötige Vorsorge zu treffen, ist längst gekommen.

Quelle: RP
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