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Solingen
Kammermusik auf höchstem Niveau

Solingen. Einen Geburtstagsabend der ganz besonderen Art erlebten die über 100 Zuhörer am Sonntag in der Evangelischen Kirche Wald: Der Gambist und ehemalige Solocellist der Bergischen Symphoniker, Peter Lamprecht, hatte nicht nur seine Familie und Freunde, sondern auch sein Musik-Publikum aus Anlass seines Geburtstages eingeladen zu einem hochkarätigen Abend mit barocker Kammermusik. Zusammen mit Almuth Wiesemann an der Geige und Marc Reichow am Cembalo boten die drei Musiker bei Kerzenschein im stimmungsvollen Ambiente der Walder Kirche eine abwechslungsreiche Auswahl von Werken des 17. und 18. Jahrhunderts in verschiedenen Besetzungen.

Die Musiker eröffneten den Abend mit den Follia-Variationen von Arcangelo Corelli. Das achttaktige Thema variierte Corelli immer wieder neu und wies dabei nicht nur der Violine höchst virtuose Passagen zu. Auch die Gambe wurde mit schnellen Läufen und Arpeggien bedacht und war damit mehr als nur einfacher "Basso continuo"-Part. Die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Teile interpretierten die Musiker sehr plastisch, so dass die lange Reihe dieser Variationen die Zuhörer stets zu fesseln wusste.

Mit der Partita über "L'aria di monica" von Girolamo Frescobaldi kam der seinerzeit größte italienische Meister für Tasteninstrumente zu Wort. Marc Reichow nahm die Herausforderung an, dieses Stück aus einem Erstdruck zu spielen mit allen Schwierigkeiten, die das Lesen solcher alten Notensätze mit sich bringt. Auch er wusste die Zuhörer mit seinem Spiel und dem Klang des Instruments zu fesseln.

Dazu trug auch bei, dass das Instrument ganz speziell von Peter Lamprecht gestimmt war. Er hatte eine historische mitteltönige Stimmung gewählt. Diese Stimmung hatte er sowohl auf die gespielten Stücke, als auch auf seine Gambe hin so modifiziert, dass die häufig vorkommenden Tonarten in einer Reinheit erklangen, wie man sie bei moderner Stimmung nie hört. Die unreinen Intervalle hingegen traten durch diese geschickte Stimmung ganz in den Hintergrund. Mit der Sonate G-dur von Christoph Schaffrath kam ein Meister des 18. Jahrhunderts zu Gehör. Die Gambe war nun führendes Melodieinstrument, gleichwertig begleitet vom "obligat" geführten Cembalo. Peter Lamprecht und Marc Reichow machten daraus einen faszinierenden Zwiegesang.

Mit Jean-Philippe Rameaus Concert G-dur präsentierten die drei Musiker ein höchst kunstvolles Stück Kammermusik, bei dem alle drei Instrumente gleichberechtigt waren und die Gambe sowohl Bass-Funktion hatte, als auch melodieführend wurde. Sie verstanden es, durch ihr perfektes Zusammenspiel das dichte Geflecht der drei Melodiestimmen für die Zuhörer zu entwirren und nachvollziehbar zu machen. Mit der Choralbearbeitung von "Jesus bleibet meine Freude" von J. S. Bach entließen die Musiker ihr großes Publikum, das zuvor lang und herzlich applaudiert hatte.

(hpa)
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