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Solingen
Kanal-Cart: Probefahrt im Viehbachsammler

Solingen: Kanal-Cart: Probefahrt im Viehbachsammler
Vertreter von Ingenieurbüros und Fachfirmen sowie Entwässerungs-Experten aus anderen Städten stiegen gestern in Barl in den rund 20 Meter tiefen Schacht, um im noch nicht angeschlossenen Kanal eine Probefahrt zu machen. Dazu gehörte auch Denis Kotyrba. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Technische Betriebe stellten in Ohligs den Prototypen ihres selbst entwickelten Fahrzeugs zur Kanal-Kontrolle und -Sanierung vor. Von Fred Lothar Melchior

Wäre Orson Welles zu Fuß durch die Wiener Kanäle geflüchtet, wenn es zur Zeit des "dritten Manns" schon "MoBiK" gegeben hätte ? Bestimmt. Denn die beiden Wagen zur Befahrung von Kanälen ab 1,60 Meter Durchmesser sind mit etwa 30 Metern pro Minute eher gemächlich unterwegs - und selbst mit "Fluchtgeschwindigkeit" von 65 Metern pro Minute nichts für "eine Sommer-Rodelbahn", wie Stadtdirektor Hartmut Hoferichter gestern Mittag bei der MoBiK-Vorstellung in Ohligs anmerkte.

Das mobile synchronisierte Windensystem dient nicht dem Vergnügen, sondern der Sicherheit der TBS-Mitarbeiter, wie Stefan Grotzki, Projektleiter Tiefbau, an einer Baustelle des Viehbach-Hauptsammlers in Barl erläuterte. Sieben Jahre lang planten er und Sicherheitsingenieur Ludger Albers, wie sich die aufwändigen Untersuchungen größerer Kanäle vereinfachen lassen.

Bisher wurden zur Überprüfung eines 800 Meter langen Stücks etwa 20 Mitarbeiter benötigt, die sich gegenseitig absicherten. In den beiden MoBiK-Wagen sitzen nur noch drei. Ein bis zwei weitere Beschäftigte bleiben bei den beiden "Trailern", deren Winden die Edelstahl-Fahrwagen im Kanal bewegen. Steuern lässt sich das System sowohl vom Kanal als von den Schächten aus, in die das Tandem-Fahrzeug "abgeseilt" wird. Das Zugkabel dient gleichzeitig der Datenübertragung (etwa der Gasmesswerte) und der Videoüberwachung. Die Mitarbeiter halten auch über Wechselsprechfunk Kontakt.

Die Einstiegsschächte dürfen bis zu 1200 Meter voneinander entfernt sein - ein weiterer Vorteil von MoBiK. Bisher liegen die Regelabstände bei 50 bis 100 Metern - eine Distanz, bei der die Rettungsausrüstung der Solinger Feuerwehren noch zum Einsatz kommen kann.

Neubauten wie der Viehbachsammler kommen dank MoBiK mit weniger Schächten aus. "Einer kostet locker 400.000 Euro", nennt Stefan Grotzki eine Hausnummer. Neben dem Etat der Technischen Betriebe wird aber auch die Umwelt weniger belastet. Denn während die TBS den Kanal unterirdisch vorantreiben, müssen sie für die Schächte Baustellen anlegen und Schneisen in die Natur schlagen.

Entwickelt wurde MoBiK in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Essen (dort findet der erste Einsatz im Frühsommer statt), der Werner GmbH in Trier (Forst- und Industrietechnik) sowie der Firma Gullyver aus Bremen (Gesellschaft für mobile Inspektionssysteme). Die Solinger teilen sich mit den Essenern die Kosten von rund einer Million Euro. Wenn der Prototyp in Serie geht, werden sie an den Einnahmen beteiligt.

Interesse an dem System, das den Segen der Bezirksregierung und der Unfallkasse NRW hat (Grotzki: "Die waren begeistert"), zeigten gestern einige externe Fachleute. Eine ihrer Fragen: Wie funktioniert MoBiK in einem Kanal, der Abwasser führt ? Je nach Wetterlage: entweder einfach durch das Verstellen der Gummiräder oder durch den Einsatz einer Schwimmplattform.

Eine andere: Warum haben die beiden Wagen keinen eigenen Motor, sondern werden gezogen ? Weil es sicherer und angenehmer ist. Grotzki: "Ich bin einmal mit einem Smart durch ein Drei-Meter-Rohr gefahren." Die Erinnerung an die unruhige Spritztour bewegt den Projektleiter noch heute.

Quelle: RP
 
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