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Solingen
Symphoniker begeistern klassisch närrisch

Karnevalskonzert 2016 Solingen: Symphoniker begeistern klassisch närrisch
Kinder-Gruppen haben die Klänge der Bergischen Symphoniker mit fantasievollen Choreografien ergänzt. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Beim Karnevalskonzert gehört die Bühne nicht nur dem Orchester, sondern auch den Tanzgruppen von Grundschulen aus Solingen und Remscheid. Von Cyrill Stoletzky

Da sind sie wieder, die Clowns, Mägde, Seebären und Hexen. Sogar eine Birne ist darunter. Die wollen alle Musik machen ? Aber sicher doch. Und schon rast der Chef zum Dirigentenpult. Riesenbeifall begleitet ihn. Thomas Holland-Moritz, wie immer im Glitzerjackett mit Riesenfliege, wird dieser bizarren Gesellschaft schon Beine machen. Zum letzten Mal gestaltet er gemeinsam mit den Bergischen Symphonikern und Tanzgruppen der Remscheider und Solinger Grundschulen das Karnevalskonzert. Der Saal ist voll, die Stimmung top. Und in dem närrischen Gesamtpaket ist alles drin - nur keine Langeweile.

Mit Witz und Leichtigkeit präsentiert Holland-Moritz den gewohnt flotten, sehr kindergerechten Mix aus Spaß, Aktion und konzertanter Musik. Und wieder sind es die kleinen Leute, die die orchestralen Klänge mit fantasievollen Choreografien, die ihre Gruppenleiterinnen mit ihnen einstudiert haben, mitgestalten. Zu Smetanas "Tanz der Komödianten" lässt Annedore Wirths Kindergruppe der Luther-Kirchengemeinde Remscheid einen prachtvoll kostümierten Wanderzirkus mit Schlümpfen, Zwergen und anderen Märchenfiguren entstehen. Die Grundschulen Klauberg und Wiener Straße haben unter Gaby Bremers Leitung eine fantastische Reise in den afrikanischen Zauberwald vorbereitet: Herrlich ist der Tanz der Katzen zu Andersons "Waltzing cat". Zu Strauss "Pizzicato Polka" fahren Pinguine Schlitten, der Feentanz zu "Solveigs Lied" von Grieg könnte anmutiger kaum sein, und als plötzlich die Truppe der von Elefanten angeführten wilden Tiere über die Bühne rast, kocht der Saal.

Zum letzten Mal hat Thomas Holland-Moritz (r.) das Karnevalskonzert der Bergischen Symphoniker dirigiert. FOTO: Kempner, Martin (mak)

Auch die afrikanischen Trommler Joe und Sir sind mit von der Partie, die viele Stücke begleiten und ein starkes Trommelsolo hinlegen. Annedore Wirths Pantomimen-Einlagen sind wie immer sehr pointiert, und zu Andersons "Fiddle Faddle" liefert sie sich ein starkes Duett mit einem Gespenst im roten Gewand, in dem ihr Sohn Leon steckt. Orchesterstücke wie Bizets "Farandole", v. Blohns flotter "D-Zug" und Brandners lautmalerisches "Kikeriki" machen rundum Spaß. Und zum Schluss erfüllt sich der Maestro mit dem Radetzky-Marsch, den er erstmals beim Kinderkonzert dirigiert und nun nach stürmischem Applaus wiederholen darf, einen Herzenswunsch.

Das war ein virtuoses Finale für Thomas Holland-Moritz. Nach dem Konzert plauderte er, geehrt mit dem Remscheider Karnevalsorden als Dank für erstklassige Zusammenarbeit, noch lange mit denen, die ihn fast 20 Jahre lang begleitet haben. Und dann kommt doch Wehmut auf. "Natürlich habe ich eine Träne im Knopfloch. Aber es ist immer besser, auf dem Höhepunkt der Begeisterung aufzuhören als zu warten, bis später etwas abbröckelt." Sein Ziel hat er erreicht. "Die Kinder sind über die Musik zusammen gewachsen, haben die Symphoniker live erlebt. Und was die Gruppenleiterinnen mit ihnen geleistet haben, ist enorm." Die Teamarbeit werde er vermissen. Für seine Arbeit an der Hochschule Osnabrück nimmt Holland-Moritz, der dort eine Professur für Singen mit Kindern hat, Impulse mit. Wie es weitergeht mit dem Karnevalskonzert, und wer es leiten wird, ist offen.

Quelle: RP
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