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Solingen
Katholiken beklagen "desolate Situation der Seelsorge"

Solingen. Aktuell sind in Solingen drei Pfarrstellen unbesetzt. Beim Neujahrsempfang des Dekanatsrats sprach Weihbischoff Ansgar Puff. Von Benjamin Dresen

Die Situation der katholischen Seelsorge in Solingen ist heikel. Aktuell sind drei Pfarrstellen vakant. Dr. Ulrike Spengler-Reffgen sprach beim Neujahrsempfang des Dekanatsrats im Clemenssaal von einer "desolaten Situation der Seelsorge" in der Stadt. "Keiner kann sagen, wie lange die Vakanzen dauern", so die Vorsitzende des Dekanatsrats.

Pfarrer Ulrich Sellier kehrt vom Seelsorgebereich Süd zurück ins schweizerische Bistum Chur. Der Pfarrer des Klinikums, Jürgen Laß, ist seit November nur noch im Dekanat Neuss/Kaarst tätig. Und Pfarrer Bernhard Dobelke wechselt Anfang Februar vom Seelsorgebereich Mitte-Nord ins Dekanat Meckenheim/Rheinbach. Er wurde am Mittwoch verabschiedet. Seine Aufgabe als leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Mitte-Nord übernimmt übergangsweise Jürgen Hünten, Leitender Hochschulpfarrer an der Katholischen Hochschulgemeinde Düsseldorf und Wuppertal, als "Pfarrverweser".

Durch den Abgang Bernhard Dobelkes ist außerdem die Stelle des Stadtdechanten, also des Repräsentanten der katholischen Kirche in Solingen, unbesetzt. Sein Stellvertreter Franz-Josef Pitzen, Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinde Solingen-Süd, übernimmt dessen Aufgaben, bis ein neuer Stadtdechant bestimmt ist. Dies kann aber erst geschehen, wenn die leitenden Pfarrstellen wieder besetzt sind.

Ulrike Spengler-Reffgen appellierte in dieser schwierigen Situation an Laien und Seelsorger "weiterzumachen mit allem, was in unserer Kraft steht" und vor allem Angebote für junge Menschen zu erhalten. "Wir schaffen das", bemühte sie das Zitat Angela Merkels. "Andere sind darüber schon gestolpert. Lassen Sie mich nicht hängen."

An die Vertreter der Seelsorge richtete sie die Hoffnung: "Wir vertrauen, dass sie das mit uns weitergestalten." Vor allem die Pfarrer im Ruhestand sind im Moment eine wichtige Säule. "Es ist toll, dass sie da sind und uns helfen." Der Blick von Spengler-Reffgen ging auch nach vorne: 2017 steht mit dem einwöchigen, ökumenischen Bibelmarathon vom 5. bis 11. März ein Großprojekt an.

Der Gastredner des Abends, Weihbischof Ansgar Puff, richtete unter dem Titel "Ist das gerecht? - Chancen und Risiken von Barmherzigkeit" nachdenkliche Worte an die Besucher. Barmherzigkeit ist den Katholiken von Papst Franziskus als Thema für das Jahr 2016 vorgegeben worden und wohl "das Wort des Jahres im kirchlichen Bereich", so Ansgar Puff. "Aber was steckt dahinter?" Auch Gerechtigkeit sein kein einfacher Begriff. "Ist es gerecht, wenn jeder bekommt, was er verdient?" "Die Barmherzigkeit Gottes ist Liebe und Vergebung", bringt es der Weihbischof auf den Punkt. Sie dürfe nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Das Ziel der Barmherzigkeit sei ein "neuer Mensch, der barmherzig ist wie der Vater".

Barmherzigkeit führe zu Gerechtigkeit, denn diese sei das Ziel der Barmherzigkeit. "Unser Auftrag ist: Gerecht und barmherzig zu sein wie der Vater im Himmel", schloss Puff seinen Vortrag.

Quelle: RP
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