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Solingen
Katzen maunzen und der Kuckuck ruft

Solingen: Katzen maunzen und der Kuckuck ruft
Das Abschlusskonzert des Gräfrather Orgelsommers unter dem Titel "Kuckuck, Katz' und Biber" gestalteten Uwe Hofmann und Karin Leister. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Über 1000 Besucher: Der Gräfrather Orgelsommer hat sich zum Publikumsmagneten gemausert. Von Jan Crummenerl

Was ist denn bloß in der Klosterkirche los? Da maunzt die Katze mittendrin. Da tiriliert die Nachtigall in höchsten Höhen. Da ruft der Kuckuck seinen Namen, der Frosch gibt seine markanten Laute dazu. Nach Henne und Wachtel marschieren die Musketiere ein. Aber nicht, um der seltsamen Menagerie ein Ende zu machen, sondern um munter mitzumischen. Und was hat der Biber damit zu tun? Der hat's verzapft. Genauer gesagt: Heinrich Ignaz Franz Biber. Mit dieser buchstäblich tierischen Sonata des Barockkomponisten - ein Auftragswerk für den Karneval - endete nicht nur das wieder sehr gut besuchte Konzert des Gräfrather Orgelsommers, sondern damit verabschiedete sich diese sommerlich sonntägliche Konzertreihe auch für dieses Jahr. "Diesmal hatten wir über 1000 Besucher bei den sechs Konzerten", sagt Regionalkantor Michael Schruff, der diese Reihe organisiert. "Das ist nicht selbstverständlich."

Im Lauf der Jahre, ja Jahrzehnte, hat sich der Gräfrather Orgelsommer vom Geheimtipp zum Publikumsmagneten gemausert. Bei manchen Konzerten gar blieb den Spätgekommenen nur der Stehplatz. Wer da nun in die animalische Arena eingeladen hat, sind Karin Leister (Violine) und Uwe Hofmann (Orgel). Mit hörbarem Spaß und noch mehr Feingefühl werden die musikalischen Porträts von Kuckuck bis Katze ausgekostet. Für dieses Stück tauscht die Geigerin ihr "normales" Instrument gegen eine Barockvioline. Deren intimer und doch herber Klang diesem kuriosen Stück noch mehr Charme verleiht. Schon das einleitende Allegro verrät, dass man dieses Stück nicht so ganz ernst nehmen soll.

Ähnlich augenzwinkernd kommt die Suite im alten Stil des 1998 gestorbenen russischen Komponisten Alfred Schnittke daher. In delikater Stimmverteilung lassen die beiden Musiker die fünf Sätze aufblühen. Zwischen eingängigem Menuett und reizvoll gestalteter Fuge fühlt man sich in die Barockzeit zurückversetzt - wenn nicht manch seltsame Wendung stutzen lässt. Leister und Hofmann lösen diese lustvoll angegangene und kunstvoll versponnene Zeitreise im letzten Satz auf: Mit herben Dissonanzen gibt dieser seinem Namen Ehre - es ist eine musikalische "Pantomime".

Hingegen alles andere als unernst meint es Brahms mit Präludium und Fuge in g-Moll. Vom ersten Pedalton an gestaltet Hofmann höchst virtuos diese romantische Reflexion. Atemberaubend gelingt auch das seltsame Fugenthema, das sich immer weiter verschachtelt und auftürmt. Einen nicht minder beeindruckenden Solo-Auftritt hat Karin Leister mit zwei Sätzen aus der Sonate op. 27, Nr. 2 von Eugène Ysaye. Hochexpressiv gestaltet die Geigerin die wie abgehakt wirkenden Kontraste und die kreisende Motivik, die sich in Zweistimmigkeit um das mittelalterlich drohende "Dies Irae"-Thema schraubt. Schwebend und fast ins Traumhafte entgleitend, gelingt der zweite Satz, in dem das "Dies Irae" auf einmal eine ganz sanfte Wendung nimmt.

Aufgelockert wird dieses spannende Programm von einem flott und gelöst ausgespielten Concerto G-Dur op. 3, Nr. 3 von Vivaldi, dessen Largo-Satz von besonderer Originalität ist: Über dezent gestalteten Akkordwiederholungen entspinnt sich eine fast frei fließende Melodik. Ganz melodisch kommen auch zwei kleinere Sätze von Justin Heinrich Knecht und Joseph Rheinberger daher.

Das stimmige Konzert zeigt, dass der Orgelsommer alles andere als für die Katz' ist. Man darf gespannt auf das nächste Jahr sein. Michael Schruff hat auf jeden Fall schon von Künstlerseite mehr Anfragen als es Konzerte gibt.

Quelle: RP
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