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Solingen
Kein Verfalldatum für die Signiertechnik

Solingen. Die Röltgen GmbH & Co. KG in Merscheid feiert im Juni mit einer Strandparty den 75. Geburtstag. Von Fred Lothar Melchior

Vom Einmann-Betrieb zum weltweit tätigen Spezialisten für Signiersysteme: Als Graveurmeister Paul Röltgen sich 1941 selbstständig machte, hätte er nicht im Traum an eine "eigene" Straße gedacht. Aber 60 Jahre später würdigte die Stadt die unternehmerische Leistung des inzwischen verstorbenen Solingers: Sie benannte die Harzstraße in Merscheid, seit 1960/61 Sitz der Firma, in Paul-Röltgen-Straße um.

"Auf unsere Adresse werde ich im Ausland sehr oft angesprochen", sagt Marc Baehr (39), der die Röltgen GmbH & Co. KG mit seinem Bruder Frank (47) in dritter Generation leitet. Das Unternehmen macht zwar zwei Drittel seiner Umsätze im Inland und ist sonst vor allem in Europa tätig, hat aber auch Kunden in den USA, in China, Neuseeland und auf den Fidschi-Inseln. Dort imponiert neben der Qualität "Made in Germany" auch der repräsentative Straßenname.

Die Produktpalette von Röltgen Marking-Systems ist in 75 Jahren kräftig gewachsen, basiert aber weiter auf demselben Kern. "Unser Großvater hat mit sogenannten Schlagzahlen für die Kennzeichnung von Stahlprodukten begonnen", erläutern die Brüder. "Das Hauptaugenmerk liegt bei uns weiter auf der Material umformenden Kennzeichnung." Die 45-köpfige Belegschaft, die Chefs eingerechnet, produziert und vertreibt unter anderem Handschlagstempel und Stempeleinsätze für Maschinen.

"Ein weiteres großes Standbein sind Stahltypen, die zum Prägen von Kartonagen gebraucht werden", erklärt Marc Baehr. "Denn in der Industrie wird mittlerweile eigentlich fast jedes Produkt gekennzeichnet."

Da geht es um Artikel- und Chargennummern sowie um Verfalldaten. "Im Pharmabereich sind wir Marktführer", betonen die beiden geschäftsführenden Gesellschafter. Die Kunden kommen aber auch aus dem Maschinen- und Formenbau sowie der Automobil- und Lebensmittelbranche. "Die Ansprüche unserer Kunden werden immer komplexer", erklärt Frank Baehr, warum Röltgen neben Codier- und Formatwerkzeugen für Verpackungsmaschinen auch komplette Kennzeichnungsanlagen für die metallverarbeitende Industrie anbietet. Sie sorgen inzwischen für 40 Prozent des Umsatzes. Zum Sortiment gehören auch Laser, die aber oft die teurere Alternative seien: "Das braucht im Endeffekt nicht jeder."

Gebraucht wird aber Nachwuchs - auch bei Röltgen. Unter den 43 Mitarbeitern sind sieben Auszubildende: drei angehende Zerspanungsmechaniker, zwei kaufmännische Lehrlinge sowie je ein künftiger Fachinformatiker und Graveur. Auf seine Graveur-Lehrlinge ist man bei Röltgen besonders stolz. Marc Baehr, selbst stellvertretender Obermeister der Innung für die drei bergischen Städte, kann "etliche" Bundesinnungssieger aufzählen. Die beiden Geschäftsführer freuen sich auch, viele langjährige Mitarbeiter zu haben, die Röltgen zum Teil seit ihrer Lehrzeit die Treue halten. 2007 war zwar das beste Jahr der Firmengeschichte, blicken die Brüder zurück. "Aber auch im Moment sind wir mit der Lage sehr zufrieden." Das Jubiläum wird in entsprechend entspannter Stimmung gefeiert: Im Juni laden Frank und Marc Baehr Mitarbeiter, Geschäftspartner und Freunde zu einer Strandparty ein - natürlich an der Paul-Röltgen-Straße.

Dabei wird auch auf die Leistungen der zweiten Generation angestoßen. "Sie hat die Firma unter anderem durch die Kontakte zur Pharma- und Lebensmittelindustrie groß gemacht", sagen die Brüder. Mutter Gabriele, Tochter des Firmengründers, ist mit 70 Jahren weiter für die Buchhaltung verantwortlich. Als sie Siegfried Baehr, Gebietsleiter für Berga-Batterien (Varta) ehelichte, war für Paul Röltgen klar: "Wenn du meine Tochter heiratest, kommst du auch in meine Firma." Als Siegfried Baehr 2006 starb, hinterließ er ein stabiles Unternehmen, das weiter Eindruck macht.

Quelle: RP
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