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Solingen
Keine Angst vor Vampiren im Eigenheim

Solingen. Eine Infobroschüre soll Hauseigentümer und Architekten über den Umgang mit Fledertieren informieren. Herausgeber ist ein Runder Tisch, zu dem Behörden des Bergischen Städtedreiecks und die Biologische Station gehören. Von Alexander Riedel

Sie verstecken sich unter Schieferplatten, hinter Fensterläden, in Mauerspalten und auf Dachböden: Fledermäuse gehören zu den Mitbewohnern, die Hauseigentümer und Mieter oft kaum bemerken. Und wenn doch, ist das manchmal mit Problemen verbunden: "Kürzlich hatten wir Kontakt zu einem Mieter, der nächtliche Schatten an seinem Haus vorbeifliegen sah, und sich über Verschmutzungen durch Kot und Urin beklagte", berichtet Karin Ricono von der Unteren Landschaftsbehörde Wuppertal. Die gründete im Jahr 2011 gemeinsam mit den behördlichen Naturschützern aus Solingen und Remscheid, der Biologischen Station Mittlere Wupper und Ehrenamtlern den Runden Tisch Fledertierschutz.

Diese vernetzte Arbeit tut offensichtlich not, denn fast alle Arten der mythisch aufgeladenen Säugetiere sind bedroht. Und gerade weil sie sich oft in menschengemachte Quartiere zurückziehen - 13 Arten sind im Bergischen Städtedreieck nachgewiesen - versucht das Netzwerk, auch Hauseigentümer, Architekten und Handwerker für die winzigen Wesen zu sensibilisieren: Eine Infobroschüre mit dem Titel "Fledermäuse an und in Gebäuden" soll Fragen zum Umgang mit den Tieren beantworten. So ist es zum Beispiel verboten, Fledermäusen nachzustellen, sie zu verletzen oder ihre Ruhestätten zu zerstören. Bauherren müssen beim Verdacht auf das Vorkommen der Tiere eine artenschutzrechtliche Prüfung vornehmen lassen. Wer im Zuge von Umbaumaßnahmen versehentlich Quartiere der Fledermäuse verändert, muss sich sofort an die Untere Landschaftsbehörde wenden und seine Arbeit unterbrechen. Aber Verschmutzungen auf Balkonen oder Dachböden müssen die Hausbewohner natürlich trotzdem nicht einfach hinnehmen. Der Runde Tisch berät Eigentümer unter anderem in Fragen der Sanierung. "Wir bekommen derzeit zwei bis drei Anrufe pro Woche", sagt Johanna Dahlmann von der Biologischen Station Mittlere Wupper, die am Botanischen Garten in Solingen untergebracht ist. Häufig seien darunter auch Fragen von Handwerkern, die von Eigentümern angesprochen wurden.

Beim Mieter etwa, von dessen Beschwerde wegen der unappetitlichen Hinterlassenschaften der Fledermäuse Karin Ricono erzählt, wurde am Dach ein Ersatzquartier angebracht und so das Dreckproblem gelöst: Spezielle Kästen, in denen bis zu 100 Fledermäuse Platz finden, kosten etwa 100 Euro und können auch im Rahmen einer Dämmung eingebaut werden. "Eine solche Maßnahme ist auch im KfW-Förderprogramm akzeptiert", sagt Johanna Dahlmann. Der Solinger Spar- und Bauverein habe bereits Siedlungen mit den Kästen ausgestattet, ergänzt Marita Klause von der Unteren Landschaftsbehörde Solingen.

Von der Broschüre hat das Netzwerk mit Unterstützung der Solinger Stadt-Sparkasse 5000 Exemplare drucken lassen, die die Untere Landschaftsbehörde und die Biologische Station verteilen wollen.

Angst muss man vor den kleinen "Vampiren" übrigens nicht haben: Nur sehr selten können Fledermäuse durch direkten Kontakt das Tollwutvirus auf Menschen übertragen. Deshalb ist es ratsam, verunglückte Tiere mit Handschuhen anzufassen, sich insbesondere nach Bissen gründlich die Hände zu waschen und dann auch einen Arzt aufzusuchen.

Weitere Infos zum Thema unter www.bsmw.de

Quelle: RP
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