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Solingen
Kinder erholen sich in der Klingenstadt

Solingen: Kinder erholen sich in der Klingenstadt
Viel Spaß hatten die Kinder auf dem Spielplatz am Engelsberger Hof in Ohligs. FOTO: mak
Solingen. Zum 25. Mal findet die Kinderkur des Vereins Kinder von Tschernobyl/Solinger Hilfe für Minsk statt. Von Maxine Herder

Die Stimmung auf dem Spielplatz am Engelsberger Hof am Mittwochnachmittag ist ausgelassen: Die Mädchen und Jungen toben auf den Netzen an der Lokomotive, schaukeln auf der Reifenschaukel, sausen mit der kleinen Seilbahn über die Wiese. Drei Tage zuvor, am Sonntagabend, sind sie nach einer fast zweitägigen Fahrt mit Übernachtung in Polen in Solingen angekommen.

Genau vier Wochen bleiben die 36 Kinder und sechs Betreuerinnen in der Klingenstadt. Die Acht- bis 15-Jährigen kommen aus dem weißrussischen Belynitschi und sollen sich hier erholen können - von ihrem Alltag, der in vielen Fällen von harter Arbeit geprägt ist, von ihrem oft wenig kindgerechten Leben, vor allem aber von der Strahlung, die das Gebiet auch 29 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl schwer belastet.

Seit 25 Jahren organisiert der Verein Kinder von Tschernobyl/Solinger Hilfe für Minsk jedes Jahr die Kinderkur, beim großen Eröffnungsfest auf dem Engelsberger Hof sollen sich Kinder, Gastfamilien und Betreuer noch einmal näher kennenlernen können.

"Wenn die Kinder hier ankommen, sind sie oft sehr schwach, viele übergeben sich auf der Reise", sagt Sinaida Baerowa, Leiterin der Vereins Kinder von Tschernobyl in Belynitschi. "Auf der Rückreise ist das nicht so, dann geht es ihnen besser." Für die Kinder bedeute die Zeit hier Erholung, sie könnten das Land kennenlernen, vor allem aber bekämen sie gute, gesunde Ernährung. "Sie essen hier viel Obst, davon bekommen sie sonst nicht so viel", so Sinaida Baerowa. Die Stimmung der Kinder, sagt sie, sei sehr gut: "Keiner hat Heimweh, alle sind glücklich und zufrieden."

Der Großteil der kleinen Besucher lebt in Gastfamilien, zehn Kinder sind im Naturfreundehaus Theegarten untergekommen, am Wochenende sind auch sie in Gastfamilien. "Die meisten Familien sind jedes Jahr dabei", sagt Axel Visser vom Verein Kinder von Tschernobyl/Solinger Hilfe für Minsk, "es kommen aber auch immer wieder neue Gastfamilien hinzu."

Christine Awe und ihre Familie haben zum dritten Mal Kinder aus Belynitschi aufgenommen, zwei Jungs im Alter von zwölf Jahren leben nun für vier Wochen bei ihnen. "Es geht mir darum, Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, dass diese Kindererholung durchgeführt werden kann", sagt die 36-jährige Gräfratherin. "Es geht aber auch darum, den Kindern einfach etwas anderes zu ermöglichen."

Die Familie von Ruth Schmauch hat zwei Mädchen im Alter von elf und 14 Jahren aufgenommen. "Die Ältere war im vergangenen Jahr schon einmal bei uns, wir wollten sie gerne noch einmal einladen. Wir wollen den Kindern eine Perspektive aufzeigen, ihnen bewusst machen, dass sie etwas erreichen können, weiter kommen können, wenn sie fleißig sind."

Die Verständigung funktioniere über Wörterbücher, das Internet und im Zweifel Verwandte, die Russisch sprechen. Tagsüber sind die Kinder im Hort im Ittertal, regelmäßig stehen gemeinsame Ausflüge auf dem Programm wie gestern zum Düsseldorfer Flughafen. "Wir hören immer wieder, dass die Zeit hier die Kinder über viele Jahre geprägt hat", sagt Axel Visser.

Quelle: RP
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