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Solingen
Klangmagie pur in der Klosterkirche

Solingen: Klangmagie pur in der Klosterkirche
Unter der Leitung von Michael Schruff eröffnete der Chor "Kreuzfidel" und Organist Andreas Frömmel den diesjährigen Gräfrather Orgelsommer. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Der Chor Kreuzfidel und Organist Andreas Frömmel lieferten einen brillanten Auftakt zum Gräfrather Orgelsommer. Von Cyrill Stoletzky

Das romantische Zeitalter bietet Ausdruck pur - auch in der Kirchenmusik. Bach und Telemann dürfen ruhig mal schweigen, wenn Antonin Dvoraks Messe in D-Dur in ihrer lyrischen Tiefe und harmonischen Fülle erklingt und mit der Orgel zur Einheit verschmilzt. Dass dieses Klangerlebnis an Intensität dem sinfonischen in nichts nachsteht, haben der Chor Kreuzfidel unter Leitung von Michael Schruff und Andreas Frömmel (Orgel) in der vollbesetzten Klosterkirche unter Beweis gestellt. Und einen starken Auftakt zum Gräfrather Orgelsommer geliefert.

Dass mit dem für Chor und Orgel komponierten Meisterwerk des großen Böhmen keine Bearbeitung, sondern ein Original erklang, war ein großer Vorteil: Er intensivierte das natürliche Einvernehmen zwischen beiden Klangkörpern, das sich durch alle Abschnitte hinweg durchsetzte und die organische Identität entstehen ließ, die für die Magie dieser Musik so wichtig ist. Chor und Orgel bewiesen enorme technische Souveränität, erwiesen sich als im Detail aufeinander eingespielte Partner. Da saß jedes Crescendo, die Klarheit der Stimmführung war brillant, und die stilsicher inszenierten, von voll registrierter Orgel getragenen Steigerungsmomente waren ebenso faszinierend wie die fast gehauchten pianissimos - mal a capella lupenrein und transparent gesungen, mal von sanfter Orgel untermalt. Dass man sich hauptsächlich auf die Hauptabschnitte konzentrierte, die Messe also in leicht gekürzter Form zu hören war und von Orgelzwischenspielen anderer Komponisten flankiert wurde, funktionierte gut, weil beide Partner so sicher agierten.

So lieferte Franz Schmidts kraftvolles Präludium D-Dur den Auftakt für eine Kyrie, die aus einem pianissimo eine elegante Spannungskurve entwickelte, der komplexen Stimmführung gewachsen war und in ein hochdynamisches Gloria mit gut abgesetztem Andante überging, dem Frömmel die "Vision" des Liechtensteiner Orgelmeisters Rheinberger folgen ließ: ein faszinierendes Wechselspiel von symphonischer Leuchtkraft und lyrischer Versunkenheit. Dann überzeugte das Credo der Messe mit seinem schönen Dialog von Frauenstimmen und Gesamtchor und exakter dynamischer Differenzierung, bevor Frömmel mit Smarts Prelude meditativen Klangzauber erzeugte - gefolgt von Sanctus, Benedictus und Agnus Dei der Messe: lupenrein gesungen, stark entwickelt, mit rundem Finale. Boellmanns elegisches Prière a Notre-Dame für Orgel sorgte für den sanften Nachhall, und mit den erlesenen Harmonien von Gardiners Evening Hymn fanden Chor und Orgel dann noch zu einem traumhaft schönen, eleganten Finale zusammen.

Das waren 65 große Minuten, gekrönt von Rutters "The lord bless you" als Dank für Riesenapplaus. Ein toller Beginn zum Orgelsommer 2016, an dem die 35 Sänger seit Januar intensiv gearbeitet haben.

Seit 1994 leitet Schruff den zur Kirchengemeinde St. Clemens gehörenden Chor, der sich "sehr gut entwickelt hat. Wir sind ein eingespieltes Team, können uns aufeinander verlassen." Auch Frömmel weiß zu schätzen, "dass sich der Chor auf hohem Niveau bewegt". Dass mit der Dvorak-Messe ein Original erarbeitet wurde, hat alle inspiriert. "Originale spielt man ganz anders als Bearbeitungen", so Frömmel.

Quelle: RP
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