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Solingen
Kleine Monster erobern auch Solingen

Solingen: Kleine Monster erobern auch Solingen
Zentraler Treffpunkt für "Pokemon Go" in Solingen ist der Kreisverkehr am Graf-Wilhelm-Platz. Vor der Hauptstelle der Stadt-Sparkasse gibt es extrem viele Monster, die die Spieler sammeln und trainieren müssen. FOTO: Kempner, Radtke / Snapshots (2)
Solingen. Klingenstädtische Jugendliche sind fasziniert vom Spiel "Pokémon Go" für das Smartphone. Sie setzen sich aber durchaus mit seinen Gefahren auseinander. Von Alexander Riedel

Immerhin: Der klassische Vorwurf an Computerspiele, sie machten Jugendliche zu lauffaulen Stubenhockern ohne Frischluftzufuhr, trifft auf "Pokémon Go" gerade nicht zu. Denn die neue Handy-Version des aus den 90er Jahren bekannten Nintendo-Spiels verlangt von ihren Nutzern viel Bewegung im Freien: "Ich bin noch mehr an der frischen Luft als früher", verrät etwa der 19-jährige Alex, der die App in der vergangenen Woche herunterlud. Das Prinzip des Spiels ist denkbar einfach: Wer mitmacht, muss die "Pokémon" - das ist die Abkürzung des japanischen Begriffes "Poketto Monsuta", zu deutsch "Taschenmonster" - fangen, oder besser gesagt, mit virtuellen Bällen abwerfen, um sie schließlich für den Kampf gegen weitere Pokémon zu trainieren.

In der Smartphone-Version lauern die skurrilen Wesen draußen in der realen Welt - sei es im Garten, an der Straßenkreuzung oder in der Fußgängerzone. Jeder Spieler findet sich mittels Mobilfunkortung auf dem virtuellen Spielfeld wieder. Und bestimmte öffentliche Plätze dienen sogar als "Arena", um mit den eigenen Pokémon gegen andere Spieler anzutreten. Wer genauer darauf achtet, bemerkt inzwischen auch in der Klingenstadt ganze Gruppen von Jugendlichen, die unentwegt auf ihr Mobiltelefon schauen, ob auf dem Fronhof, am Börkhauser Feld oder am Ohligser Markt.

In der Nähe des Alten Marktes sind Saskia Mühlig, Samet Yücel, Vanessa Schulz und Nils Watzlawik (v.l.) im Pokemon-Fieber. FOTO: Kempner Martin

"Man tauscht sich natürlich auch mit Freunden darüber aus", erzählt Samet (22), der teilweise an mehreren Stunden pro Tag immer wieder sein Handy im Blick behält, um eventuell Pokémon in der Umgebung ausfindig zu machen. "Ich mache das so lange, bis das Handy ausgeht", gesteht er. "Mich erinnert das ein bisschen an meine Kindheit", erklärt die 19-jährige Saskia den Reiz des Handyspiels, das einst auf dem Gameboy für Furore gesorgt hatte. Doch auch seine Gefahren sind den Solinger Nutzern keineswegs verborgen geblieben: Denn in den USA, wo das Spiel Anfang des Monats erschien, machen schon erschreckende Berichte die Runde. Darin geht es um naive Jugendliche, die sich auf der Autobahn wiederfanden, in Krankenhäusern und auf Polizeistationen nach Monstern suchten - und sogar von Kriminellen über das Spiel in die Falle gelockt und ausgeraubt wurden. Der 18-jährige Philipp stellt deswegen klar: "Man sollte nicht vergessen, wo man ist, und auf die Umgebung achten."

Und auch der finanzielle Aspekt ist nicht unerheblich: Der Download des Spiels ist zwar kostenlos, aber der Hersteller verdient über sogenannte In-App-Zukäufe.

Virtuelle und reale Welt werden verknüpft. So sitzen kleine Monster plötzlich auf dem Kamerabild auf dem Bürgersteig. FOTO: Jascha Huschauer

Beobachter rechnen damit, dass die ganz große Euphorie um das Spiel spätestens in ein paar Monaten wieder nachlassen wird. Aber was machen die Pokémon-Spieler eigentlich, wenn sie alle Level durchlaufen haben? "Dann", erklärt Samet verschmitzt, "fange ich wieder von vorne an."

Quelle: RP
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