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Solingen
Kleine Pikser, die Leben retten können

Solingen. Zum "Welttag des Labors" öffnete das Städtische Klinikum am Samstagvormittag sein Zentrallabor für die interessierte Öffentlichkeit. Dort finden pro Jahr zwei Millionen Untersuchungen statt. Von Alexander Riedel

Aus jeder Ecke drang ein leises Summen an die Ohren der Gäste, die dicht gedrängt durch die schmalen Räume zogen. Dort fiel ihr Blick auf Maschinen, die zum Teil eher an einen Bürodrucker oder einen Kaffeeautomaten erinnerten, als an Laborgeräte. "Einen großen Teil machen wir hier automatisch", erklärte Dr. Jürgen Heinrich, fügte aber hinzu: "Montagsmorgens würden Sie hier eine lange Reihe von Reagenzgläsern stehen sehen, die mit der Hand bearbeitet werden".

Mehrfach führte der Leiter des Zentrallabors im Klinikum am Samstag Besucher durch die Räume im Untergeschoss, in denen die Mitarbeiter den Grundstein zur Diagnostik vielfältigster Erkrankungen legen. Zwei Millionen Untersuchungen an Blut-, Urin- oder Stuhlproben finden dort statt, um sämtliche Nachweise vom Tumormarker über den Blutzucker bis hin zu Antikörpern gegen infektiöse Erreger zu erbringen.

Rund zwei Drittel sämtlicher ärztlichen Diagnosen beruhen insgesamt auf Laboruntersuchungen. Demgegenüber machen die Kosten innerhalb des medizinischen Sektors nur etwas über zwei Prozent aus. "Das ist ein fantastisches Preis-Leistungs-Verhältnis", sagte Heinrich.

Seit einigen Jahren gibt es inzwischen den "Welttag des Labors". Erstmals beteiligte sich das Städtische Klinikum und gewährte mehreren Dutzend interessierten Besuchern am Samstagvormittag nicht nur den Einblick ins Labor mit Blutdepot, Mikroskopen und Blutkulturschrank, sondern informierte auch in kurzen Fachvorträgen über die Arbeitsweise in der Labormedizin.

Heinrich erwähnte als Beispiel häufig bestimmte Laborwerte wie Eisen, LDL-Cholesterin oder Troponin, das in der Diagnose eines Herzinfarkts eine wichtige Rolle spielt, und berichtete über die zum Teil lebenswichtige Bedeutung einer korrekten Patienten-Identifikation, die im Klinikum unter anderem durch Armbänder sichergestellt wird. "Wenn etwa Herr Müller und Herr Möller im selben Zimmer liegen und wegen des Luftzugs die Betten getauscht haben, wäre es zum Beispiel sehr gefährlich, wenn der eine, der eigentlich einen niedrigen Zuckerspiegel hat, fälschlicherweise das Insulin bekommen würde, das für den schlecht eingestellten Diabetiker neben ihm vorgesehen war", sagte Heinrich.

Ihren Blutzucker bestimmen lassen konnten die Teilnehmer der Aktion im Klinikum im Anschluss an Vorträge und Rundgang. "Ich war zwar schon einige Male hier im Klinikum, aber es ist schon interessant, zu erfahren, wie das alles so gemacht wird", sagte Besucher Helmut Kroll lobend über die Veranstaltung mit den Piksern, die Leben retten können.

Ein spezielles Interesse verknüpfte der 14-jährige Matthias mit dem Labortag. "Das wäre ein Bereich, in dem ich mir vorstellen könnte, mal zu arbeiten", sagte der Achtklässler, der mit seinen Eltern am Labortag teilnahm. "Im nächsten Jahr stehen ja die dreiwöchigen Praktika für die Schüler an", ergänzte seine Mutter Elke Wolff.

Zu den Mitarbeitern im Labor gehören neben der ärztlichen Leitung überwiegend examinierte medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten (MTLA), aber auch Schreibkräfte und Mitarbeiter aus dem Reinigungsdienst. "Wir hatten schon einige Interessenten an einem Praktikum unter unseren Besuchern", sagte Klinikums-Sprecherin Karin Morawietz erfreut.

Quelle: RP
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