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Solingen
Klinikum-Doppelspitze gegen die Krise

Solingen: Klinikum-Doppelspitze gegen die Krise
Das Klinikum Solingen macht Verluste. Die Stadt als Gesellschafterin will die Zukunft des Hauses in kommunaler Hand sichern. FOTO: Klinikum, Oberpriller, Archiv
Solingen. Auch 2017 wird das Städtische Klinikum ein Millionen-Minus schreiben. Um den Ruin abzuwenden, soll jetzt mit Prof. Thomas Standl ein zweiter Chef berufen werden. Vor dem Haus und den Mitarbeitern liegen harte Maßnahmen. Von Martin Oberpriller

Schon seit geraumer Zeit befindet sich das Klinikum Solingen, zumindest finanziell, in sprichwörtlich rauen Gewässern - und in Zukunft stehen die Zeichen ebenfalls eher auf Sturm. Denn nachdem das größte Krankenhaus der Klingenstadt auch 2017 nicht aus den Roten Zahlen kommen und bis Ende des Jahres erneut ein Millionendefizit angehäuft haben wird, soll nun ein umfangreiches Sanierungsprogramm die Wende bringen. Wobei Geschäftsführerin Barbara Matthies demnächst wohl profunde Unterstützung bei der Bewältigung der zu erwartenden Mammutaufgaben an die Seite gestellt bekommen dürfte.

Geht es nämlich nach der Solinger Stadtspitze, wird der bisherige Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Prof. Thomas Standl, mit Jahresbeginn zum zweiten Geschäftsführer des Klinikums aufsteigen. Die Zustimmung von Aufsichtsrat sowie städtischem Beteiligungsausschuss bei Sondersitzungen am 19. Dezember vorausgesetzt, könnte Standl den neuen Job als Verantwortlicher für den medizinischen Bereich -zusätzlich zu seiner momentanen Tätigkeit - bereits am 1. Januar 2018 antreten.

Das haben Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der zuständige Dezernent Jan Welzel sowie Barbara Matthies gestern Nachmittag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Rathaus bekannt gegeben. "Hinter uns liegen bittere Jahre und auch Monate", sagte der Oberbürgermeister, der mit der Bestellung von Thomas Standl zum Co-Geschäftsführer gleichwohl die Hoffnung auf eine Besserung der Lage verbindet.

Tatsächlich liegt vor dem Führungsduo Matthies/Standl ein ganzer Berg von Problemen. So belief sich das Defizit im Klinikum schon nach den ersten acht Monaten 2017 auf rund 1,85 Millionen Euro. Und auch wenn es gelingen sollte, das Minus bis Jahresende noch etwas zu drücken, dürften das Krankenhaus sowie seine 1900 Mitarbeiter nicht an einer Reihe von harten Maßnahmen vorbeikommen.

FOTO: Kempner Martin

So kündigte die Rathausspitze am Dienstag zum wiederholten Male eine Reihe von Schritten an, die angesichts der prekären Lage unausweichlich erschienen. Ein Gegensteuern sei allein schon wegen der "Unterfinanzierung des Pflege- und Gesundheitssektors durch den Bund, die endlich abgestellt werden muss", nötig, unterstrich Tim Kurzbach in diesem Kontext.

Kooperationen mit anderen kommunalen Häusern, Veränderungen in den einzelnen Abteilungen sowie in den nicht medizinischen Bereichen, Einschnitte beim Personal: Die neue Zeit dürfte jedenfalls mit erheblichen Schmerzen verbunden sein. Was im Umkehrschluss für die Stadt aber nicht bedeutet, dass der Prozess grenzenlos wäre. So schloss der Oberbürgermeister gestern noch einmal betriebsbedingte Kündigungen aus. Und auch Überlegungen, aus Tarifverträgen auszusteigen, erteilte der Verwaltungschef eine Absage.

Womit klar sein dürfte, dass dem neuen medizinischen Geschäftsführer die Aufgabe zufällt, den medizinischen Bereich selbst auf Vordermann zu bringen. Beispielsweise sehen die Verantwortlichen bei etlichen der 16 Kliniken des Hauses mit 658 Betten durchaus Steigerungspotenzial. Dabei soll Prof. Standl, der seit 2004 in Solingen arbeitet und bis 2014 bereits medizinischer Direktor des Klinikums gewesen war, seine auch organisatorsche Erfahrung als Leiter der Anästhesie sowie die dabei gewonnenen Einblicke in das gesamte Krankenhaus einbringen.

Barbara Matties, die ab Januar den kaufmännischen Part übernimmt, betonte am Dienstag ausdrücklich, die neue Doppelspitze werde mit ihrer vollen Zustimmung eingeführt. "Dadurch bekommt das Klinikum moderne Strukturen, wie sie anderswo längst üblich sind", sagte Matthies.

Ziel der Stadt ist es, die "Maximalversorgung der Bevölkerung" (Kurzbach) und die Zukunft des Hauses in kommunaler Hand gewährleisten. Demzufolge komme eine Kooperation mit privaten Krankenhäusern nicht in Betracht, versichterte der OB, während Dezernent Welzel hervorhob, von den in privatisierten Krankenhäusern gemachten Erfahrungen lernen zu wollen. Dazu könnte etwa eine Fokussierung in Form einer Zertifizierung für die Onkologie gehören, die man in ein bis zwei Jahren erreichen will.

Quelle: RP
 
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