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Solingen
Klinikum: Patientenbetten auf den Fluren

Solingen. Da während der Ferien drei Stationen geschlossen sind, kam es im größten Solinger Krankenhaus zuletzt zu Engpässen. Besonders schlimm war es am vergangenen Wochenende. Die Versorgung sei aber stets sicher, betont die Leitung. Von Martin Oberpriller

Wer in diesen Tagen als Patient ins Städtische Klinikum kommt, muss vor allem eine Eigenschaft mitbringen: Geduld. Denn da das größte Solinger Krankenhaus für die Zeit der Sommerferien seine Kapazitäten deutlich nach unten gefahren hat, kommt es immer wieder zu Engpässen und Wartezeiten. So gehörten zuletzt beispielsweise Krankenbetten auf den Fluren zu einem fast schon alltäglichen Bild im Klinikum.

Die Leitung des Krankenhauses an der Gotenstraße bestätigte am Dienstag die aktuellen Schwierigkeiten. Man bedauere, dass es zu Engpässen gekommen sei, sagte die kommissarische Geschäftsführerin Barbara Matthies auf Anfrage unserer Redaktion. Dies sei "weder für die Patienten, noch für die Mitarbeiter des Klinikums angenehm" gewesen.

Dabei ist der Grund für den Ärger hausgemacht. Seit Beginn der Urlaubszeit am 9. Juli und noch bis zum Ende der Ferien in der nächsten Woche sind nämlich drei Stationen vorübergehend geschlossen, so dass das Klinikum augenblicklich nicht über die gewohnten Ressourcen an Personal sowie Räumlichkeiten verfügt.

Das Krankenhaus verteidigte gestern dieses Vorgehen. Wie auch in anderen Unternehmen üblich, habe man vor dem Sommer die Erfahrungswerte der zurückliegenden fünf Jahre ausgewertet und sei zu dem Ergebnis gelangt, dass eine temporäre Schließung der Stationen vertretbar sei, hieß es aus dem Klinikum. Denn in der Vergangenheit seien die Patientenzahlen in den Sommermonaten stets nach unten gegangen. Und zudem habe man mit der Reduzierung einem Wunsch vieler Mitarbeiter entsprochen, den Urlaub in der Ferienzeit nehmen zu können.

Was indes bei den in Solingen gebliebenen Ärzten, Pflegern und Schwestern zurzeit wenig Begeisterung auslöst - entwickelte sich der Sommer 2016 im Klinikum doch ganz anders als von der Krankenhaus-Leitung erwartet. So gaben sich zuletzt vor allem im Notfallbereich die Patienten die Klinke sprichwörtlich in die Hand. Wobei es am vergangenen Wochenende besonders schlimm war, als im Zuge der Sommerparty in der City sowie anderer Veranstaltungen die Zahl der Hilfsbedürftigen in der Zentralen Notfallambulanz um zwei Drittel über den sonst üblichen Werten lag.

Die Folge war jedenfalls eine echte Kettenreaktion. Weil der Notfallversorgung naturgemäß die höchste Dringlichkeit zukommt, hatte das verbliebene Personal nämlich mit den akuten Fällen zunächst einmal alle Hände voll zu tun - und fehlte auf diese Weise auf anderen Stationen des Klinikums, so dass es nun dort zu einem echten Patientenstau kam.

Dementsprechend schlecht ist augenblicklich die Stimmung unter den Mitarbeitern. "Die Leute sind ständig im Stress und machen den Sparzwang im Klinikum für die Lage verantwortlich", sagte am Dienstag ein Insider, der gleichzeitig beklagte, die Engpässe seien hervorzusehen gewesen.

Die Krankenhaus-Leitung erklärte derweil, man nehme "seinen Auftrag in vollem Umfang wahr" und sei "für alle Kranken in Solingen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr im Einsatz". So habe es auch keine Fälle gegeben, in denen "Patienten auf den Fluren behandelt" worden seien, betonten sowohl Geschäftsführerin Matthies, als auch der Chefarzt der Notfallambulanz, Dr. Patric Tralls, ausdrücklich. Verzögerungen bei Entlassungen und Aufnahmen hätten sich aber tatsächlich nicht vermeiden lassen, so dass die Erfahrung des Sommers zeige, dass weitere "Änderungen und Anpassungen dringend erforderlich" seien, hieß es aus dem Klinikum.

Quelle: RP
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