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Barbara Matthies
Klinikum soll wirtschaftlicher arbeiten

Barbara Matthies: Klinikum soll wirtschaftlicher arbeiten
Die kommissarische Chefin des städtischen Klinikums, Barbara Matthies, arbeitet, wie sie sagt, in einem gut funktionierenden Team. "Nur zusammen können wir im Klinikum etwas bewegen." FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Barbara Matthies ist seit dem Jahreswechsel kommissarische Geschäftsführerin des städtischen Klinikums. Als Hauptaufgabe bezeichnet sie die Konsolidierung des Hauses mit den über 1800 Mitarbeitern.

Wie viele Stunden verbringen Sie derzeit eigentlich im Klinikum?

Matthies Das lässt sich gar nicht hundertprozentig sagen. Am Dienstag und Mittwoch habe ich meine langen Tage, da bin ich von sieben Uhr morgens bis abends neun oder halb zehn hier. Zum Glück habe ich die Möglichkeit, viele Unterlagen mit nach Hause zu nehmen und dort vieles zu erledigen.

Wie muss man sich überhaupt den Tagesablauf der Klinikums-Geschäftsführerin vorstellen?

Matthies Der sieht im Moment noch etwas anders aus als in vielleicht zwei oder drei Monaten: Derzeit besuche ich jede Arbeitseinheit im Klinikum, von der ärztlichen Frühbesprechung über die Übergabe im Pflegedienst bis zur Physiotherapie. Es ist sehr wichtig, eine Rückmeldung von den Mitarbeitern zu bekommen und ihnen zu signalisieren: Ich bin da für Euch. Hinzu kommen Termine wie die Gremiensitzungen oder zum Beispiel ein Vorstellungsgespräch für die Nachbesetzung einer Arztstelle. Ich arbeite in einem gut funktionierenden Team. Nur zusammen können wir im Klinikum etwas bewegen.

Zu den wichtigsten Aufgaben gehört nach den Defiziten der letzten beiden Jahre die wirtschaftliche Konsolidierung. Wie kann die ohne Qualitätseinbußen gelingen?

Matthies Wir werden mit Sofortmaßnahmen kurzfristig Möglichkeiten schaffen, wirtschaftlicher zu arbeiten. Dazu gehört die Öffnung der Holding Area für postoperative Patienten, um die Intensivstation zu entlasten. Dadurch minimieren wir auch Wartezeiten, was sich wiederum erlössteigernd auswirkt. Zudem war die Auslastung von Betten zuletzt nicht so wie im Plan vorgesehen. Um Betten zu verdichten, müssen auch zwei Stationen in Haus G geschlossen werden, auf denen nur 18 Personen untergebracht sind. Die Qualität der Versorgung wird dadurch aber nicht sinken. Im Gegenteil: Wenn Abläufe im Haus besser abgestimmt sind, hat das Vorteile, etwa, wenn der Patient nicht mehr so lange auf ein Konsil warten muss.

Dann wird es Personaleinsparungen geben...

Matthies Ja, die wird es geben, aber nicht mit dem Rasenmäher, sondern sehr gezielt. Eine konkrete Größenordnung kann ich allerdings noch nicht benennen. Generell haben wir einen sehr guten Personalschlüssel. In einigen Bereichen werden wir weiterhin sogar Leistungen erbringen, die in der Fallpauschale nicht abgebildet sind und vergütet werden, wie zum Beispiel bei der physiotherapeutischen Betreuung nach bestimmten Eingriffen.

Gegenstand von Diskussionen ist auch der Betrag von 500 000 Euro, den das Klinikum als städtische Tochter an das Rathaus überweist...

Matthies Darüber bestimmt allein die Stadt als Gesellschafterin. Natürlich hätte ich diesen Betrag auch gern zur Verfügung, sehe aber auch die schwierige Haushaltslage der Stadt.

Welche weiteren Ziele haben Sie sich gesetzt?

Matthies Ich würde gern für das Haus eine medizinische Strategie entwickeln. Es ist wichtig zu klären, wo die Reise hingeht, welche Entwicklungspotentiale es gibt.

Der Gynäkologie und Geburtshilfe an der St. Lukas Klinik droht die Schließung. Könnte das Klinikum notfalls in die Bresche springen?

Matthies Dieses Thema ist sicherlich noch zu frisch. Aber im Zweifelsfalle wären wir in der Lage, kurzfristig die notwendigen Kapazitäten zu schaffen, um einen Teil der Geburten zu übernehmen. Sollte die Geburtshilfe der Lukas Klinik tatsächlich geschlossen werden, würde das Klinikum seinen Versorgungsauftrag wahrnehmen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass nicht alle Entbindungen, die bisher in der Lukas Klinik stattfanden, in vollem Umfang ins Klinikum kommen.

Sie haben angekündigt, sich auch bei der Ausschreibung für die Stelle der Geschäftsführerin zu bewerben. Was reizt Sie besonders an der Aufgabe?

Matthies Stand jetzt, nach 21 Tagen, würde ich mich bewerben. Ich habe das System Krankenhaus und seine Komplexität über einen Zeitraum von 13 Jahren kennengelernt. Es ist sehr spannend, Dinge gestalten zu können und unterschiedliche Berufsgruppen zusammenzuführen. Tatsächlich habe ich vom sechsten Lebensjahr bis zum Abitur immer die Vorstellung gehabt, Ärztin zu werden, danach dann aber Jura studiert. Dass ich dann doch wieder in einem Krankenhaus gelandet bin, ist wohl eine schicksalshafte Fügung.

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT BARBARA MATTHIES.

Quelle: RP
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