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Solingen
"Knapps Kuckuck" und andere kuriose Gestalten

Solingen. Olaf Link liest im Balkhauser Kotten einem interessierten Publikum vor und lässt Solinger Originale lebendig werden. Von Ulrike Kohl

"Damit sie nicht ganz dem Vergessen anheim fallen", hat Olaf Link die Geschichten von einigen Originalen der Klingenstadt erzählt. "Solinger Originale in Anekdoten und Geschichten" ist denn auch das kleine Buch tituliert, das mit dem Forum für kulturelle Zusammenarbeit Solingen-Minsk entstand, von Vladimir Towstik liebevoll illustriert wurde und aus dem Link jetzt im Balkhauser Kotten einem sehr interessierten Publikum vorlas.

Viele der Gestalten sind uns heute zumindest dem Namen nach bekannt: So der "Wiedens Otts", der "Bänkskes Wellem" oder der "Peffermönzkes Fritz". Doch Olaf Link stellte auch Gestalten vor, die weniger bekannt sind: So den "Knapps Kuckuck", der zur Zeit von Bismarck lebte und jeder Schönen, die er sah, ein freundliches "kuckuck" nachrief. Zeit seines Lebens hat ihn nie eine der Damen erhört, er blieb immer Junggeselle. Oder der "Pitter aus Obenscheidt" (heute nahe der Viehbachtalstraße). Er konnte weder lesen noch schreiben, wurde aber in den Schulvorstand gewählt.

Interessant auch die Geschichte vom "Körschkes Lü". Der war nicht nur Friseur und Nachtwächter in Gräfrath, sondern auch Zahnarzt. Wenn er jemanden behandelte, schloss er vorher sämtliche Fensterläden, damit niemand das Wehgeschrei des Patienten hören konnte.

Auch von "Bart-Len" erzählte Olaf Link, die mit bürgerlichem Namen Helene Baldus hieß. Die dreimalige Witwe konnte nicht nur rasieren und Haare schneiden, sondern betätigte sich auch als Heilerin. Schön auch die Geschichte vom "Esels Vieth". Ein Original aus Widdert, das mit Kohlen und Kartoffeln handelte und das man nie ohne seinen Esel Moritz sah, der für das reibungslose Transportwesen des Gespanns zuständig war.

Es macht jedenfalls Spaß, das Büchlein zu lesen, das die Solinger in die Stadt von anno dazumal entführt. Spaß macht es aber besonders, wenn Olaf Link hieraus vorliest. Vielleicht sind nicht alle Anekdoten wirklich verbrieft. Die meisten sind mündlich überliefert, andere hat Link im Stadtarchiv gefunden. Und sicherlich werden seine Gestalten dank seiner Aufzeichnungen nicht ganz in Vergessenheit geraten.

Quelle: RP
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