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Serie (ii)
Knotenpunkte leiten Radfahrer über den sichersten und attraktivsten Weg

Solingen. Ein neues Beschilderungssystem eines Radwege-Netzes ist jetzt im Bergischen im Aufbau. Auch die Stadt Wermelskirchen ist seit einigen Wochen damit ausgestattet. Die bergische Region wird über diese neuen Knotenpunkte künftig noch viel enger zusammenwachsen.

Frank Schopphoff aus Wermelskirchen, 69 Jahre alt, ist passionierter Fahrradfahrer, im ADFC aktiv und begrüßt die Einführung des Knotenpunktsystems im Bergischen Land. Der pensionierte Französisch- und Sportlehrer hat sich in der bergischen Region immer schon sehr intensiv mit der Verkehrspolitik beschäftigt. Im Interview erklärt Schopphoff, worum genau es sich bei den Knotenpunkten handelt, welche Vorteile sie bieten und welche Strecken damit versehen sind.

Herr Schopphoff, was genau ist das Knotenpunktsystem?

Schopphoff Dabei handelt es sich um ein Beschilderungssystem aus den Benelux-Ländern, das über Aachen in die Region kam. Ursprünglich stammt es aus dem Bergbau, um sich unter Tage orientieren zu können. Von Anfang an war es in Belgien und Holland sehr erfolgreich. Über ein Beschilderungssystem von Zahlen werden Radler jenseits der Land- und Bundesstraßen geleitet.

Was sind die Vorteile gegenüber "normaler" Wegbeschilderung?

Schopphoff Man wird nicht mehr auf dem kürzesten Weg von A nach B geleitet, sondern auf dem attraktivsten und sichersten. Es hat sich angeboten, die alten Bahnstrecken, sehr malerische Radwege, in das Knotenpunktsystem zu integrieren.

Seit wann gibt es die Knotenpunkte im Bergischen Land?

Schopphoff In Wermelskirchen hat man im Herbst 2014 damit begonnen, das geht bereits bis an die Stadtgrenze von Hückeswagen. Wir warten praktisch jede Woche darauf, dass es weitergeht, denn der ganze Rheinisch-Bergische-Kreis und der Oberbergische Kreis gehören dazu.

Welche Strecken sind bereits erschlossen?

Schopphoff Wir sind etwa vier Jahre dran, in Wermelskirchen eine regionale Runde von fast 60 Kilometern aufzubauen. Schön war dann, dass wir wussten, wo in Wermelskirchen die Knoten liegen, daraus haben wir dann die "Aqualon"-Runde entwickelt, die 2015 eröffnet wird. Innerhalb der großen Strecke gibt es derzeit fünf kleinere von zehn bis 30 Kilometern. Da sind die Kommunen gefragt, entsprechende Runden zu entwickeln. Wermelskirchen könnte mit Hückeswagen und Radevormwald zusammenarbeiten - eine andere Kombination wäre Odenthal, Leichlingen und Burscheid.

Gibt es schon Pläne zur Ausweitung?

Schopphoff Langfristig geplant ist ein Bergisches-Trassen-Trio, bestehend aus der "Aqualon"-Runde, der Dhünn-Runde und der Wupper-Runde. Damit hätten wir ein System zwischen dem Wasserquintett auf der einen und dem Rhein-Radweg auf der anderen Seite. Überdeckt ist das von den Panorama-Radwegen. Die Region ist über dieses System zusammengewachsen.

Wird es die Knotenpunkte auch im Städtedreieck Solingen / Wuppertal /Remscheid geben?

Schopphoff Das Städtedreieck hat kein Knotenpunktsystem. Es gibt auch keine Planungen, es dort einzuführen. Es gibt einen Unterschied zwischen ländlichem und städtischem Raum. Zwar haben es Köln und Leverkusen implementiert, aber das System hat in der Stadt eine andere Funktion. Dort liegen die Kreuzungen, und damit die Knoten, viel zu nahe beieinander. Man kann zwar auch möglichst schön und sicher etwa vom Rhein an die Radtrasse in Leverkusen-Opladen kommen - aber eine so schöne Natur-Rundfahrt wie im Bergischen kann es da einfach nicht geben.

Worauf müssen die Radler achten, wie funktioniert das System?

Schopphoff An jedem Knoten gibt es eine Übersichtstafel, auf der man sehen kann, wo die nächsten Knoten sind. Dort kann man die Route ändern - etwa, wenn das Wetter umschlägt oder man sich mit der Strecke übernommen hat. Man ist also flexibel, kann beispielsweise größere Touren auch in Teilstrecken aufteilen.

Wo kann man sich über das Knotenpunktsystem informieren ?

Schopphoff In jeder Kommune gibt es jemanden, der für Rad-Touristik zuständig ist. Dort bekommt man Hefte über die Rad-Region-Rheinland. Natürlich gibt es die Karten auch alle im Internet.

Gibt es eine spezielle Zielgruppe, die die Knotenpunkte ansprechen sollen?

Schopphoff Es ist für Familien sehr gut geeignet, aber die eigentliche Zielgruppe sind alle Freizeitradler und Touristen. Das Gegenstück ist das Radverkehrsnetz-NRW für Alltagsradler, die etwa zum Arbeitsplatz radeln.

Haben Sie eine Lieblingstour im Bergischen?

Schopphoff Da meine Frau Sonnenuntergänge liebt, fahren wir von Wermelskirchen aus oft die Dhünn-Runde, die ja zum Neuland-Park in Leverkusen führt. Wir fahren im Sommer immer wieder erst um 17 Uhr los und warten auf den Sonnenuntergang.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER.

Quelle: RP
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