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Solingen
"König Otto" gab Förderschülern Tipps

Solingen: "König Otto" gab Förderschülern Tipps
Über das gemeinnützige Jugendhilfswerk "dein Kult" war der Besuch von Otto Rehhagel in der Erika-Rothstein-Schule vermittelt worden. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Otto Rehhagel war zu Gast in der Erika-Rothstein-Schule. In der Turnhalle an der Fritz-Reuter-Straße stellte sich der 78-jährige den Fragen der Schüler und erzählte aus seinem erfolgreichen sportlichen Leben. Von Uwe Vetter

Erfolge konnte Otto Rehhagel als Fußball-Trainer reichlich feiern. "Vieles ist möglich im Leben, aber ohne Fleiß kein Preis", sagte der 78-Jährige gestern in der Turnhalle der Erika-Rothstein-Schule an der Fritz-Reuter-Straße. Dort hörten ihm über 100 Förderschüler gebannt zu, als er einige Stationen aus seiner Fußball- und späteren noch erfolgreicheren Trainerkarriere erzählte. Doch alle sportlichen Erfolge sind für Otto Rehhagel nur nebensächlich: "Der größte Erfolg meines Lebens ist meine Frau", sagte er den Mädchen und Jungen. 53 Jahre ist Otto Rehhagel mittlerweile verheiratet. Auch dafür gab's Beifall - ebenso wie für seine Gesangseinlage "Sah ein Knab' ein Röslein stehen".

Für Schulleiterin Susanne Wywiol war der Besuch von Otto Rehhagel etwas Besonderes. "Wer, wenn nicht er, könnte unseren Förderschülern besser vermitteln, wie man es schafft, erfolgreich zu sein und seine Ziele zu verwirklichen, auch wenn niemand an einen glaubt ?", so Wywiol und ergänzte: "Es ist wichtig für unsere Schüler, an sich zu glauben und dass man Chancen hat."

Otto Rehhagel hat viel erreicht. Als Trainer verbuchte Rehhagel neben Meisterschaften und Pokalsiegen mit Vereinsmannschaften 2004 auch den Gewinn der Fußball-Europameisterschaft mit Griechenland. "Das war eine große Sensation", musste selbst der 78-Jährige zugeben. Trotz seines Alters - Rehhagel könnte locker als 58-Jähriger durchgehen - konnte er den jungen Förderschülern aus seiner großen Erfahrung einen Weg aufzeigen, der für ihn selbst ein erfolgreicher war: "Wer Regeln einhält, kommt im Leben zurecht. Wer keine Regeln einhält, kommt nicht zurecht."

Im Fußballverein war das schon so. 1950 schloss sich der damals zwölfjährige Otto Rehhagel dem Verein TuS Helene Altenessen an. 1960 spielte er im Profibereich, Rot-Weiß Essen war hier seine erste Station. Hertha BSC Berlin oder Kaiserslautern waren weitere Stationen für den Verteidiger. Als Trainer von Kaiserslautern gelang ihm das Kunststück des Aufstiegs in die Erste Liga und gleich am Ende der Saison sogar die Meisterschaft. "Ich bin der Trainer in Deutschland, der die meisten Spiele gegen Bayern München gewonnen hat", sagte Otto Rehhagel. Trainer von Werder Bremen war er über Jahre hinweg, aber auch die Bayern trainierte er - und eben die griechische Nationalmannschaft.

Der Gewinn der Europameisterschaft mit Griechenland ebnete Rehhagel auch den Weg dafür, als olympischer Fackelträger in Athen dabei zu sein. "An so etwas glaubt man nicht als junger Mensch, aber es ist durchaus möglich", so der Fußballlehrer und wiederholte: "Wenn ihr Regeln einhaltet und Ehrgeiz habt, dann schafft ihr etwas."

Zustande gekommen war der Besuch des Fußballtrainers in der Erika-Rothstein-Schule durch die Schule Eyyüphan Duy des gemeinnützigen Jugendhilfswerkes "dein Kult". Die Stiftung setzt sich für benachteiligte Jugendliche ein und kooperiert seit zwei Jahren mit der Solinger Förderschule. In Duys Essener "DeinKultCafé" werden diverse Produkte verkauft, die in den Schülerfirmen der Erika-Rothstein-Schule hergestellt werden. Karten, Schutzengel oder Vogelhäuschen beispielsweise. Die Schüler erwerben hier berufsvorbereitende Schlüsselqualifikationen und Wertschätzung für erbrachte Leistungen. In diesem Café traf Otto Rehhagel schließlich Eyyüphan Duy, der den Meistertrainer gestern bei seinem Besuch in Solingen auch begleitete.

Reichlich Gelegenheit hatten die Schüler in der Turnhalle zudem, "König Otto" Fragen zu stellen. Mit welcher Taktik er denn erfolgreich gewesen sei ?, wollte ein Junge wissen. "Kontrollierte Offensive" - für Otto Rehhagel ist dies nicht nur auf dem Fußballplatz eine bewährte Taktik, "sondern auch im normalen Leben".

Festlegen, wer denn heute Abend das Champions League-Finale zwischen Real Madrid und Juventus Turin gewinnt, wollte sich Otto Rehhagel im Übrigen nicht: "Die Chancen stehen 50:50."

Quelle: RP
 
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