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Solingen
Komplizierte Situation am Eschbach

Solingen: Komplizierte Situation am Eschbach
Im Zuge des Stützwand-Neubaus wird der Eschbach auf einer Länge von rund 300 Metern tiefer gelegt. FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Die Maßnahmen zum Hochwasserschutz sowie die Sanierung der maroden Ufermauern wird mit zehn Millionen Euro teurer als ursprünglich kalkuliert. Die aufwändigen Bauarbeiten beginnen im Juni und dauern voraussichtlich 21 Monate. Von Guido Radtke

Seit Monaten hat sich in Unterburg nichts getan. Zu Stoßzeiten staut sich der Verkehr in beiden Richtungen an der Eschbachstraße jeweils weit zurück, weil diese aufgrund des provisorischen Uferschutzes nur einspurig befahren werden kann. Im Frühjahr 2018 soll die Leidenszeit für die betroffenen Anwohner ein Ende haben, wenn das Bett des Eschbachs tiefer gelegt ist und die maroden Ufermauern saniert sind.

"Man hatte in Unterburg zuletzt den Eindruck gewinnen können, dass manche Leute gar nicht mehr daran geglaubt haben, dass hier tatsächlich etwas passiert", sagt Stadtdirektor Hartmut Hoferichter. Der Planfeststellungsbeschluss habe seit Ende 2014 vorgelegen. Doch erst mit der Zusage des Landes Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2015, die Maßnahmen zum Hochwasserschutz finanziell zu fördern, haben die Stadt Solingen und den Wupperverband handeln lassen. Über den aktuellen Stand der Planungen wurde gestern im Rathaus gemeinsam mit Vertretern des beauftragten Ingenieurbüros Fischer aus Solingen informiert.

Seit Monaten muss der Verkehr in der nur einspurig befahrenen Eschbachstraße mit einer Ampelanlage geregelt werden. Wenn im September die Bauarbeiten in Unterburg beginnen, wird für anderthalb Jahre eine großräumige Umleitung über Müngsten und Westhausen eingerichtet. FOTO: Martin Kempner (Archiv)

"Dieses Thema beschäftigt uns seit Jahrzehnten", erklärt Georg Wulf, Vorstandsvorsitzender des Wupperverbandes. "Jetzt haben wir einen Meilenstein erreicht und einen Entwurf so weit auf den Weg gebracht, um am Eschbach den Hochwasserschutz gewährleisten zu können." Die intensiven Prüfungen der ersten Varianten haben ergeben, dass die Situation vor Ort komplizierter ist als zunächst angenommen. Eine Tieferlegung des Bachbettes in Wannenform musste ausgeschlossen werden, weil damit die Befahrbarkeit der Eschbachstraße selbst nach Abschluss der Bauarbeiten nicht gewährleistet werden konnte. Stattdessen soll nun im Zuge des Stützwand-Neubaus eine so genannte Bohrpfahlwand auf einer Länge von rund 300 Metern errichtet werden. Der Vorteil: Die Bauzeit in diesem Abschnitt wird auf bis zu fünf Monate verkürzt. Der Nachteil: Die Maßnahme ist deutlich aufwändiger. "Die Platzverhältnisse sind bescheiden, daher müssen wir uns zu jeder Baugrube etwas anderes einfallen lassen", sagte Robert Überfeld, zuständiger Planer beim Ingenieurbüro Fischer.

Zu den bislang nicht eingeplanten Maßnahmen gehört auch der Rückbau des Eschbachsammlers. Die Verlegung wird notwendig, weil der Abwasserkanal ufernah in der Baugrube der neuen Stützwand verläuft. Für drei bis fünf Monate muss das Abwasser entlang der Eschbachstraße überirdisch durch Rohre geführt werden.

Die Bürger werden wie in der Vergangenheit über Details der Bauarbeiten informiert. Die erste Versammlung ist für Februar geplant. FOTO: Kempner, Martin (mak)

In der Summe ist bei den Gesamtbaukosten mit einer Steigerung von 25 Prozent auszugehen. "Die aktuellen Berechnungen belaufen sich auf etwa zehn Millionen Euro", prognostiziert Georg Wulf. 7,7 Millionen Euro entfallen davon auf die Maßnahmen zum Hochwasserschutz. "Wir gehen davon aus, dass die Förderquote trotz der Mehrkosten erhalten bleibt." Einen entsprechenden Änderungsantrag werden Stadt und Wupperverband bei der Bezirksregierung einreichen. Laut Förderbescheid 2015 wäre das Land Nordrhein-Westfalen mit 80 Prozent beziehungsweise etwas mehr als 4,8 Millionen Euro an dem Projekt in Unterburg beteiligt. Bei der Stadt Solingen gibt man sich zuversichtlich: "Es gibt technische Änderungen, mit denen aber das gleiche Ziel erreicht wird", betonte Dr. Klaus Strehlau, Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt.

Im Juni sollen die Bauarbeiten mit dem Neubau der Mühlendammbrücke beginnen. In diesen drei Monaten wird eine Behelfsbrücke errichtet, damit der Mühlendamm immer erreichbar und befahrbar ist. Erst im Anschluss startet die Hauptmaßnahme, für die eine Bauzeit von 18 Monaten angesetzt ist. Anderthalb Jahre lange wird der Durchgangsverkehr von Solingen nach Oberburg großräumig von der Krahenhöhe über Müngsten und Westhausen umgeleitet. Für Anlieger und den Busverkehr werden in den kommenden Wochen Detaillösungen erarbeitet.

Quelle: RP
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