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Solingen
Konzertlesung im Zentrum für verfolgte Künste

Solingen. Eine Brücke von Bach zu Schostakowitsch und dem russischen Komponisten Vsevolod Zaderatsky schlägt der international hochgeschätzte Pianist und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov bei seinem Konzert am 2. Juni um 19 Uhr im Zentrum für verfolgte Künste im Solinger Kunstmuseum. Präludien und Fugen stehen auf dem Programm, das durch eine Lesung aus Anna Achmatovas Poem "Requiem" vervollständigt wird.

Jascha Nemtsov, der sich besonders der russischen Musik des 20. und frühen 21. Jahrhunderts widmet und die jüdische Kunstmusik des 20. Jahrhunderts wiederentdeckte, hatte bereits bei der offiziellen Eröffnung des Zentrums den völlig unbekannten Komponisten Zaderatsky vorgestellt, den er jetzt in den Mittelpunkt des Abends rückt. Vsevolod Zaderatsky (1891-1953) war der letzte Musiklehrer der nach der Oktoberrevolution umgebrachten Zarenfamilie. Bis zu seiner ersten Verhaftung durch die Sowjets war er ein anerkannter Komponist und Klaviervirtuose, seine Kompositionen wurden jedoch bei dieser Festnahme vernichtet. Wegen Verbreitung "faschistischer Musik" - er hatte Werke von Wagner und Strauss mit einem Schulorchester einzustudieren versucht - wurde er zu zehn Jahren Haft im Gulag in Sibirien verurteilt, von denen er dort zwei Jahre verbrachte. Es gelang ihm unter unsäglichen Bedingungen, nicht nur zu überleben, sondern auch Musik zu schreiben - ohne Klavier, ohne Notenpapier, auf ungenutzten Telegramm-Formularen. So entstanden seine 24 Präludien und Fugen in allen Tonarten, die durch eine originelle Verbindung der barocken Tradition mit moderner Musiksprache besticht.

Anna Achmatova (1889-1966) gilt als die bedeutendste russische Lyrikerin. Besonders hervorzuheben ist ihr passiver Widerstand gegen den sowjetischen Staat, der sie dafür mit Publikationsverboten belegte. Ihr Poem "Requiem" thematisiert das Leiden der Verwandten von Inhaftierten.

(red)
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