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Solingen
Kronprinz-Übernahme zieht sich hin

Solingen: Kronprinz-Übernahme zieht sich hin
Die Übernahme des Solinger Räderherstellers Kronprinz dauert länger als erwartet. FOTO: Kempner, Martin
Solingen. Die Europäische Kommission wird den Kauf von mefro wheels durch die amerikanische Accuride Corporation prüfen. Von Fred Lothar Melchior

Die Ankündigung ist fast sieben Monate alt: Am 19. Juni 2017 berichtete die amerikanische Accuride Corporation vom bevorstehenden Erwerb der mefro wheels GmbH - einschließlich des Werks in Solingen. Kronprinz ist seit 2005 Teil der mefro-Gruppe, die damit zur Nummer eins bei Stahlrädern in Europa wurde. Accuride, stark vertreten in den USA, in Kanada und Mexiko, aber auch mit Kunden in Europa, hat bisher nur eine Fabrik in Italien.

Zu einer Entscheidung des Bundeskartellamtes, die um den Jahreswechsel erwartet wurde, kam es aber nicht: Die deutschen Wettbewerbshüter gaben das Verfahren Anfang September an die Europäische Kommission ab. Die Wettbewerbsbehörden in Spanien, Polen und den Niederlanden folgten.

"Die Kommission hat beschlossen, dem Verweisungsantrag zuzustimmen, da sie das Vorhaben aus mehreren Gründen besser beurteilen kann", kommentiert ein Sprecher der Kommission. Es gehe unter anderem um Auswirkungen auf europaweite Märkte. Als zentrale Anlaufstelle gewährleiste die Kommission eine effiziente und kohärente Prüfung. Das Verfahren müsse nicht bei vier verschiedenen nationalen Wettbewerbsbehörden angemeldet werden. "Es ist nun Sache der Parteien, der Kommission die förmliche Anmeldung zur Einleitung dieses Verfahrens zu übermitteln."

Das werde in der "nahen Zukunft" geschehen, verspricht Timothy Weir, Director Communications & Government Relations bei Accuride. Das Unternehmen stehe seit September in engem Kontakt mit der Europäischen Kommission und sei auf einem guten Weg, in Zusammenarbeit mit mefro wheels die Formalitäten zu erfüllen. Dann könne "Phase One" der Untersuchung beginnen. Sobald die förmliche Anmeldung eingereicht ist, hat die Kommission zunächst 25 Arbeitstage zur Entscheidungsfindung.

Die Koordination sei "nicht gerade leicht", kommentiert Marko Röhrig von der IG Metall Remscheid-Solingen. "Meinem Kenntnisstand nach läuft aber alles planmäßig." Bei Gesprächen mit der Arbeitgeberseite verhandele man auf Augenhöhe und mit großem Respekt voreinander. "Wir begleiten das konstruktiv und sind von Anfang an ein Stück einbezogen gewesen. Es läuft in die richtige Richtung." Der Solinger Standort, der auch durch einen mit der IG Metall abgeschlossenen Sanierungstarifvertrag gehalten werden konnte, müsse sich nicht verstecken. Neben Kronprinz gibt es in der mefro-Gruppe noch zwei weitere deutsche Standorte (Ebersbach und Ronneburg) sowie Werke in Frankreich, der Türkei, Russland (2), China und Argentinien. Als die Brüder Fischbacher die Michelin-Ära bei Kronprinz beendeten, hatte der Solinger Räderhersteller noch 825 Beschäftigte. Heute sind es knapp 500. Schon wenige Jahre nach der Übernahme war der Verkauf von Pkw- und Lkw-Rädern eingebrochen.

Accuride, das durch die Hände mehrerer Investoren ging und seit November 2016 Crestview Partners gehört, ist Zulieferer der Nutzfahrzeug-Industrie. Die Mehrheitsbeteiligung am italienischen Stahlräder-Produzenten Gianetti Ruote S.r.l. war im November 2015 der erste Schritt einer weltweiten Expansion. Unter Crestview Partners folgte im Mai vergangenen Jahres die Übernahme von KIC LLC in Vancouver, Washington - einem weltweit tätigen Anbieter von Nutzfahrzeugrädern und Rad-Endkomponenten.

Der Kauf von mefro wheels öffne Accuride weitere Türen in Europa, Russland und Asien, hatte Chief Executive Officer Rick Dauch im Juni 2017 argumentiert. Außerdem werde das Angebot erweitert, unter anderem durch die Pkw-Räder. Wenn die Europäische Kommission dem Kauf zustimmt, entsteht ein Unternehmen mit rund 5000 Beschäftigten und 15 Werken.

Quelle: RP
 
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