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Solingen
Kunst im öffentlichen Raum

Solingen. Das Kunstmuseum zeigt Plastiken und Modelle von Gerda und Max Kratz.

Bronzefiguren von Max Kratz (1921-2000) im öffentlichen Raum in Solingen kennt sicher fast jeder. "Der Fischer un sin Frau" auf der Poststraße in Wald, die Masken im Foyer des Theaters oder die "Tänzerin" und die "Mollige" auf dem Vorplatz des Kunstmuseums. Der gebürtige Remscheider nahm nach einer Goldschmiedelehre in Solingen, Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf in der Nachkriegszeit wieder auf. Das Vakuum an der Akademie nach 1945 bot ihm wenig Halt und er musste seinen künstlerischen Weg weitgehend alleine finden.

Die französischen Bildhauer Auguste Rodin und Aristide Maillol waren seine Vorbilder. Dies zeigt sich deutlich in den figürlichen Plastiken, fast ausschließlich Bronzen, die das Kunstmuseum aus eigenen Beständen und aus der Düsseldorfer Privatsammlung des Sohnes Thomas Kratz zusammengestellt hat. Die Figuren mit anfangs geschlossener Silhouette und idealisierter Erscheinung wie die Darstellung der "Jünglinge" abstrahierte er mit der Zeit zunehmend. Die Volumen werden organischer, gerundeter, weicher, wie besonders die Serie der weiblichen Akte zeigt. Er beginnt, anatomische Formen zu verschleifen und so eine kompakte einheitliche Gesamtform zu entwickeln. Außerdem experimentiert er mit der Oberfläche, lässt die äußere Haut bewusst aufgerissen erscheinen. Diese Ansätze ergänzt Kratz mit einer zunehmenden Dynamisierung der Form.

Die "Delphine", die er für das Hallenbad Düsseldorf-Benrath schuf, zeigen Abstraktion und Bewegung sowohl in der Positiv- wie in der Negativ-Form. Die Leerform bildet sozusagen das Pendant zur Körperform. In der Ausstellung kann der Besucher dies sowohl am kleinformatigen Bronzemodell als auch in großformatigen fotografischen Abbildungen nachvollziehen. In ganz Deutschland realisiert Kratz über 100 Werke im öffentlichen Raum, darunter auch den 18 Meter hohen "Pylon" am Flughafen Düsseldorf.

Neben Max Kratz erhält auch Gerda Kratz, seine Frau und langjährige künstlerische Mitarbeiterin, die an der Kunstakademie bei Bruno Goller studierte, im Museum eine Würdigung. Ihre kugel- und eiförmigen Plastiken, etwa ihr Ganzfigurenporträt von "Mutter Ey", zeigen Witz und Humor, auch wenn sie ihr plastisches Werk zugunsten der öffentlichen Aufträge ihres Mannes immer zurückgestellt hat. Thomas Kratz hat das künstlerische Erbe seiner Eltern 1994 in eine Stiftung zugunsten des Kunstmuseums überführt.

(sgu)
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