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Solingen
Kunst in der Stadtkirche zwischen Geist und Materie

Solingen. In der evangelischen Stadtkirche am Fronhof wird eifrig gearbeitet. Wieder sind etliche Handwerker zugange, doch dieses Mal sind sie hier, um eine Ausstellung vorzubereiten. Damit die Bilder im großen, lichten Raum der Kirche genau richtig platziert werden können, werden für jedes Bild extra Holzständer gebaut. Das Ergebnis ist erstaunlich. Die Bilder des Osnabrücker Künstlers Reinhard Scholtissek erobern die Kirche auf eine sanfte und unspektakuläre Weise, aber doch mit viel Ausdruck und vor allem, mit ihrer starken Aussage. Von Sandra Grünwald

Es war die Idee des Galeristen Manfred van Remmen, die Bilder der Reihe "SchöpfungsWeisen" von Reinhard Scholtissek in die Stadtkirche zu holen. "Ich habe schon viele Ausstellungen auch in Kirchen gemacht", so van Remmen, "aber das hier ist etwas Besonderes."

Doch zuerst haben Manfred van Remmen und Pfarrerin Jutta Degen den Künstler in seiner Werkstatt in Osnabrück besucht. "Wir haben uns seine Bilder angeschaut, aber auch, wie seine Werke entstehen", erzählt Pfarrerin Degen. Die Bilder hätten sie sofort angesprochen. "Sie sind zurückhaltend, aber auch aussagestark", sagt sie. In eine moderne Kirche passe auch moderne Kunst sehr gut. Die abstrakten Bilder wirken vor allem durch ihre plastische Gestaltung. Die Farben dezent, beeindrucken die angedeuteten Szenen in ihrer Förmlichkeit. Die Bilder stehen jedoch nicht allein, denn der Künstler hat sich mit dem Pfarrer und Journalisten Karl H. Asbrock zusammengetan, der zu jedem Bild einen meditativen Text geschrieben hat.

So erhält der Betrachter die Möglichkeit, sich durch den Text, das Bild und den biblischen Kontext gleichermaßen zu eigenen Assoziationen und Gedankenreisen inspirieren zu lassen. Ein großer schwarzer Kreis zieht auf dem Bild "Schöpfung aus dem Nichts" die Blicke auf sich. Kleine rote Quadrate durchbrechen das Dunkel. Asbrock schreibt dazu: "Gott hat alles wohl gemacht zu seiner Zeit ... Wenn er das Neue schafft, bleibt das Alte nicht alt." Eindrucksvoll die "Kreuzigung", hier lässt Scholtissek das faserige rohe Holz sprechen. Gleich 2 mal 2 Meter groß ist "Der Garten Eden" geraten, bei dem nicht der Baum oder die Schlange im Mittelpunkt des Geschehens stehen, sondern vielmehr die Frage: "Ein Paradies mit Ein- und Ausgang?"

Die Ausstellung unter dem Titel "Geist und Materie" wird am morgigen Sonntag um 17 Uhr in der evangelischen Stadtkirche eröffnet. Der Künstler wird anwesend sein und Pfarrer Karl H. Asbrock wird einführende Worte sprechen. Gezeigt wird die Ausstellung bis zum 17. Mai.

Quelle: RP
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