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Solingen
Kunst ist weder Hobby, noch Zeitvertreib

Solingen: Kunst ist weder Hobby, noch Zeitvertreib
Einmal ohne Strickmütze: Der Künstler Hans Brunne feiert heute seinen 80. Geburtstag. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Heute feiert der Solinger Künstler Hans Brunne seinen 80. Geburtstag. Seine Künstlerkollegin Güdny Schneider-Mombaur hat den Jubilar für unsere Redaktion besucht. Von Güdny Schneider-Mombaur

Ich treffe Hans Brunne am Gräfrather Markt in seinem Atelier, das er seit mehr als 35 Jahren als Arbeits- und Präsentationsraum nutzt. Die großen Schaufenster im Erdgeschoss des alten Jugendstil-Hauses ermöglichen Passanten und Kunstinteressierten einen unmittelbaren Zugang zu Brunnes Welt.

Sein ausladender Arbeitstisch, darauf Pinsel, Stifte, Materialien, füllt den vorderen Raum zur Straße fast vollständig aus. Großformatige Bilder mit dominanten monochromen Farbflächen und Brunnes unverkennbare grafische Formen fallen dem Betrachter, auch dem nur beiläufig Vorbeiflanierenden, durch ihre Farbkraft direkt ins Auge. Im hinteren Raum Grafikschränke, sauber archivierte gerahmte Bilder, großformatige Leinwände. Der Künstler mit der für ihn typischen dunklen Strickmütze gehört wie selbstverständlich in dieses Ambiente - aktiv und mit Enthusiasmus agiert und erzählt Hans Brunne, und man möchte nicht glauben, dass er 80 ist.

Schon seit seiner Jugend hat er sich fürs Künstlerische interessiert. "Die Malerei hatte schon sehr früh großen Eindruck auf mich gemacht und es wurde meine Welt." Geboren und aufgewachsen in Bassenheim in der Nähe von Koblenz absolvierte er zunächst eine Lithografenlehre. Der berufliche Umgang mit verschiedensten Papieren führte ihn schon früh zu künstlerischen Versuchen mit der Collage. Mit 19 Jahren fand Hans Brunne seine erste Anstellung in einem druckgrafischen Betrieb - durch Zufall in Solingen. Und so blieb der Rheinländer im Bergischen.

Schnell knüpfte er Kontakte in die Solinger Kunstszene der fünfziger Jahre. Er erinnert sich an die regelmäßigen Treffen mit Willi Theissen, Willi Deutzmann, Willi Schürmann, Karl Broch, Arthur Wasserloos und Wolfgang Meng. Mit Werner Tillmanns entwickelte sich bald eine enge Freundschaft.

Die Digitalisierung zerstörte Anfang der neunziger Jahre auch in Solingen das druckgrafische Gewerbe. Für Hans Brunne ergab sich daraus, rückblickend betrachtet, eine unwiederbringliche Chance: er begann mit 59 Jahren zu studieren. Als Gasthörer absolvierte er 19 Semester an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Er besuchte Vorlesungen in Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte und holte nach, was ihm in seiner Jugend nicht vergönnt war. Seine künstlerische Arbeit hatte sich über die Jahre in seiner für ihn charakteristischen Weise entwickelt und war mit hohem Wiedererkennungswert in vielen Ausstellungen in Solingen und Umgebung vertreten. "Es gibt Linien und Formen, die sind unverwechselbar," sagt Hans Brunne.

Ausgehend von wenigen gegenständlichen Motiven abstrahiert Hans Brunne Blätter, Vögel und die menschliche Figur, reduziert ihre Formen auf das Wesentliche. So entwickelt er ein universales Formenrepertoire, das er in immer neuen Konstellationen komponiert. Die Bedeutungsebenen Naturkraft, Geist und Menschliches mischen sich in seinem Kunstkosmos.

Und auch für den Künstler gilt: "Kunst ist weder Hobby noch Zeitvertreib, sondern Teil der menschlichen Existenz", so formuliert es Hans Brunne. Meist sind die vereinfachten Formen wie ausgeschnitten nebeneinander ausgebreitet oder sie überlagern oder durchdringen sich. Flächen in kräftigen reinen monochromen Farben schaffen Raumschichten. "Farbe ist Form und Raum", so erläutert der Maler seine Kompositionen.

Die Abkehr vom klassischen Illusionsraum hin zum zweidimensionalen Bildraum verbindet Brunnes Arbeiten mit den künstlerischen Errungenschaften der klassischen Moderne. Hier liegen seine Wurzeln, bei Matisse und im Kubismus, bei Picasso, Gris und Braque. Seine figurativen Kompositionen vermitteln bei maßvoller Dynamik eine gewisse Stille und Ausgewogenheit. "Figuration libre" (freie Figuration) nennt Brunne seine Acrylbilder auf Leinwand. Auf individuelle Titel verzichtet der Künstler. Auch seine Papierarbeiten, farbige und schwarz-weiße lineare Zeichnungen und Collagen, haben einen insgesamt in sich ruhenden, harmonischen Ausdruck.

Brunne ist ein grafisch geprägter Künstler, der es auch versteht, plakativ und prägnant mittels Bildern zu kommunizieren - sei es bei der Fahnenaktion in Gräfrath anlässlich des Solinger Kultur Morgens Anfang April. Oder sei es mit dem linearen Piktogramm einer Kaffeetasse mit Pfeil nach links, das er für potenzielle Besucher an die Tür klebt, wenn er mal eben ins Kaffeehaus gegenüber geht.

Hans Brunne ist mit seinen 80 Jahren präsent wie eh und je, nimmt an aktuellen kulturellen Projekten teil und seine Schaffenskraft scheint unbegrenzt. Dazu und zu seinem heutigen runden Geburtstag die besten Glückwünsche.

Quelle: RP
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