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Solingen
Leidenschaft für alte Landmaschinen

Solingen: Leidenschaft für alte Landmaschinen
Manfred Dörpfeld, Gründer der Treckerfreunde Remscheid, besitzt 22 Landmaschinen, darunter viele Oldtimer. FOTO: Jürgen Moll
Solingen. Die Treckerfreunde Remscheid feiern 2017 zehnten Geburtstag. Manfred Dörpfeld hat seinen ersten Traktor vor fast 60 Jahren bekommen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Manfred Dörpfeld ist 17 Jahre alt, als er seinen ersten Traktor bekommt: "Es war ein 1er Deutz ohne Anlasser", erinnert sich der heute 76-Jährige schmunzelnd. "Das war 1957, also vor fast 60 Jahren. Den Deutz musste man immer mit ordentlich Schwung von Hand ankurbeln", sagt "Trecker-Manni", wie er heute allgemein genannt wird.

Auf dem elterlichen Hof und bis zu seinem beruflichen Wechsel in den Straßenbau hat sich seine Leidenschaft für alte Traktoren, Traktortechnik und verschiedene Landmaschinen stetig weiterentwickelt. Heute befinden sich 22 große, vor allem historische Maschinen in seinem Besitz. "Es ist eine echte Sammelleidenschaft geworden. Der Verein soll uns gleichgesinnten Treckerfreunden helfen, diese Leidenschaft in der Gemeinschaft ausleben zu können", betont Dörpfeld.

2006 war ihm die Idee gekommen, einen Verein zu gründen. Ein Jahr später war es dann soweit. "Und schon bald hatten wir zehn Mitglieder", sagt Dörpfeld. Zwar ist er Vereinsgründer, er wollte aber nie den Vorsitz übernehmen, wie er sagt. "Es gibt genug Schreib- und Organisationsarbeit, den Vorsitz darf dann gerne ein anderes Mitglied übernehmen."

Unter den 25 Mitgliedern, die aus Remscheid, Radevormwald, Solingen oder Odenthal kommen, sei kein einziger aktiver Landwirt. Einige pensionierte zwar, ansonsten reicht die berufliche Spanne vom Elektroingenieur bis zum Bürokaufmann. "Die Oldtimer im Landmaschinensegment werden heute in erster Linie von Stadtmenschen gefahren", berichtet "Trecker-Manni".

Dafür sind im Bestand der "Treckerfreunde Remscheid" viele Oldtimer. Das älteste Gefährt ist eine Dreschmaschine für Getreide aus dem Jahr 1880, aber auch die Trecker aus den 1930er- bis 50er-Jahren sind bei Ausfahrten und Veranstaltungen des Remscheider Vereins vielbeachtete Objekte. "Unser Mitglied Gerd Arnold hat etwa einen polnischen Traktor der Marke 'Ursus'. Der Trecker ist mein absoluter Liebling und ist Baujahr 1947. Die Maschine muss immer mit dem Lenkrad angekurbelt werden, während an einem Kopf am Vorderteil mit einer Lötlampe vorgeglüht werden muss", erzählt Dörpfeld und ergänzt lachend: "Das sieht natürlich spektakulärer aus, als wenn man nur den Zündschlüssel dreht. Wenn Gerd das bei einer Veranstaltung macht, dann ist das schon ein echter Hingucker."

Herzstück der Vereinsarbeit sind Feste und Ausfahrten in der warmen Saison. "Unsere Auftaktveranstaltung ist immer im April. Im Juni haben wir dann unser eigenes, großes Fest in Remscheid auf dem Schützenplatz", sagt Dörpfeld. Da rückten auch die meisten Mitglieder an. Dazu kommen 20 bis 25 Fahrten praktisch an jedem Wochenende in der Saison. An diesen nehmen teilweise nur fünf Mitglieder teil. Der Altersschnitt im Verein mache sich bemerkbar. "Unser jüngstes Mitglied ist eben schon Anfang 50." Auch beim Lenneper Oktoberfest fahren die "Treckerfreunde Remscheid" regelmäßig mit ihren alten Maschinen vor und sorgen so für Abwechslung auf dem beliebten Stadtfest.

Neben Tagestouren in die Umgebung und dem Besuch von Treckertreffen befreundeter Vereine, geht es auch alle zwei Jahre auf eine längere Tour: "Dann fahren wir mit Trecker und Wohnwagen für ein paar Tage an die Mosel oder auch nach Lindlar-Hartegasse", sagt "Trecker-Manni". Der Austausch über das gemeinsame Hobby sei ein wesentlicher Bestandteil des Vereinslebens. So gibt es etwa einen monatlichen Stammtisch: "Da werden auch Probleme und Fragen zu den Maschinen erörtert", sagt Dörpfeld.

Bei einem dieser Treffen hat "Trecker-Manni", der seine derzeit 22 Maschinen meist über Foren im Internet gefunden hat, selbst einmal ein typisches Trecker-Problem lösen können: "Ich habe einen 55er Hanomag, der irgendwann nicht mehr genug Sprit bekam und nicht mehr lief. Auch eine neue Pumpe hat da nicht geholfen", erzählt der 76-Jährige. Abhilfe schaffte dann ein Vereinskollege, der Dörpfeld von der sogenannten Diesel-Pest erzählte: "Wenn ein alter Diesel nur unregelmäßig und selten gefahren wird, dann setzen sich Bakterien in der Pumpe ab, die diese dann verschlammen." Mit einem Zusatzstoff hat er die Bakterien abgetötet und so den Trecker wieder ans Laufen gebracht. Gewusst, wie.

Die "Treckerfreunde Remscheid" sind auch sozial aktiv: "Wir arbeiten mit Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Bergisch Gladbach und Solingen zusammen und bieten dort Rundfahrten für die Bewohner an", sagt Manfred Dörpfeld.

Quelle: RP
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