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Ioanna Zacharaki
Lesbos-Hilfe für Flüchtlinge geht weiter

Ioanna Zacharaki: Lesbos-Hilfe für Flüchtlinge geht weiter
Im Oktober 2015 war Ionna Zacharaki (M.) zum vorerst letzten Mal auf Lesbos. Für die Osterferien plant sie die nächste Reise auf die Insel in der Ägäis, auf der zurzeit wieder Tausende von Flüchtlingen täglich landen. FOTO: Zacharaki
Solingen. SPD-Ratsfrau organisiert Hilfe für Flüchtlinge, die in der Ägäis ankommen - und kann auf den Einsatz der Menschen zählen.

Frau Zacharaki, welches Erlebnis hat Sie bei Ihren Reisen nach Lesbos am meisten bewegt?

Zacharaki Da denke ich an mehrere Begebenheiten: Einmal hatte ein Fischer ein Boot voll mit Flüchtlingen entdeckt, dessen Motor kaputt war, und zog es in den Hafen. Zu sehen, wie glücklich diese Menschen waren und zum Teil vor Freude weinten, hat mich sehr berührt. Ein anderes Mal trafen wir einen jungen Mann, der unbedingt mit seiner Mutter in der Heimat sprechen wollte. Er hat dann von meinem Handy aus in Bangladesch angerufen und war erleichtert.

Wie hat Ihr Engagement für die Flüchtlinge begonnen?

Zacharaki Mein Mann und ich reisen jedes Jahr nach Lesbos. Dort leben meine Schwiegereltern. Die Probleme auf der Insel sind sehr groß: Für einen Großteil der Flüchtlinge ist Lesbos die erste Station auf dem Weg nach Mitteleuropa. Allein in den ersten Tagen des neuen Jahres sind wieder 4000 Menschen dort angekommen. Anfangs haben wir privat Hilfsgüter gekauft und verteilt, dann habe ich im Sommer spontan viele Bekannte angerufen und um Unterstützung gebeten.

Und das mit sehr großem Erfolg...

Zacharaki Mit der Summe, die zusammengekommen ist, hatte ich nicht gerechnet: Von der Reinhold-Keppler-Stiftung, die an die Diakonie angedockt ist, haben wir 100.000 Euro erhalten. Auch verschiedene Diakonie-Verbände unterstützen die Hilfsaktion. Hinzu kommen Mittel, die wir bei der UNO-Flüchtlingshilfe in Bonn beantragt haben, und viele private Spenden von Solingern. Somit liegt der Gesamtbetrag bei rund 130.000 Euro.

Wer läuft die Hilfe praktisch ab?

Zacharaki Wir kaufen für das Geld dringend benötigte Güter wie Lebensmittel oder Kleidung. Auf Lesbos haben wir Kooperationspartner, die dort alles verteilen und uns darüber informieren, was gebraucht wird.

Wie viele Unterstützer haben Sie?

Zacharaki Wir haben inzwischen über 90 Spender - und auf die Aktion sind inzwischen auch Menschen weit über Solingen hinaus aufmerksam geworden. Aus Hamburg zum Beispiel haben wir für gehbehinderte Flüchtlinge viele Rollstühle bekommen. Den Transport der Güter übernimmt eine griechische Fluggesellschaft kostenfrei. Und wir haben auch Helfer, die einfach ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen, zum Beispiel als Psychologe für die vielen traumatisierten Menschen vor Ort.

Wie gehen die Einwohner auf Lesbos angesichts der eigenen wirtschaftlichen Probleme mit der Situation um?

Zacharaki Ich habe die Erfahrung gemacht: Wo die Not am größten ist, gibt es auch die größte Hilfe. Das, was man hat, teilt man auch. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Tatsache, dass die meisten der rund 90.000 Einwohner auf Lesbos selbst eine Flüchtlingsgeschichte haben: 1922 waren viele Familien auf die Insel geflohen (Hintergrund war der türkisch-griechische Krieg, die Red.).

Die Flucht nach Europa beschäftigt die Öffentlichkeit seit Langem und wird weiterhin ein Thema bleiben. Beobachten Sie eine gewisse Ermüdung - oder ist die Hilfsbereitschaft der Menschen weiterhin ungebrochen?

Zacharaki Nach wie vor melden sich sehr viele Menschen, die die Aktion unterstützen wollen. Es kommen immer wieder neue Spenden. Die Sensibilität für das Thema ist groß.

Zu welchem Zeitpunkt planen Sie selbst, das nächste Mal auf die Insel Lesbos reisen?

Zacharaki Im vergangenen Jahr war ich dreimal dort, das letzte Mal war das im Oktober. Die nächste Reise wird in den kommenden Osterferien sein.

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT IONNA ZACHARAKI.

Quelle: RP
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